Loys schreibt dem neuen Wirtschaftsminister „Herr Altmaier, stärken Sie die Aktienkultur in Deutschland“

Nehmen den frischgebackenen Wirtschaftsminister Peter Altmaier in einem offenen Brief in die Mangel: Loys-Vorstandsmitglieder Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns. | © Getty Images (Mitte), Loys AG

Nehmen den frischgebackenen Wirtschaftsminister Peter Altmaier in einem offenen Brief in die Mangel: Loys-Vorstandsmitglieder Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns. Foto: Getty Images (Mitte), Loys AG

Die schwache Wohlstandsentwicklung hierzulande sei besorgniserregend, mahnen die Vorstandsmitglieder der Oldenburger Fondsboutique Loys. Als Gegenmaßnahme empfehlen die Kapitalmarktkenner um Ufuk Boydak und Christoph Bruns, im zinsverliebten Deutschland den Aktienbesitz zu fördern. Ihre Forderung richteten sie jetzt in Form eines offenen Briefs an den frisch angetretenen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Der Brief von Loys im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Minister Altmaier,

zu Ihrer Ernennung als Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland gratulieren wir inständig. Es ist erfreulich, dass dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Gelegenheit zum Neustart gegeben wird.

Denn eine Sache gibt uns Anlass zur Sorge: die schwache Vermögensentwicklung der breiten Bevölkerung hierzulande.

Leider ist diese eigentlich zentrale Zielsetzung jedweder klugen Wirtschaftspolitik in den vergangenen Legislaturperioden gänzlich aus dem Blickfeld geraten. Ausweislich des Allianz Global Wealth Reports 2017 findet sich die Bundesrepublik beim Median des Pro-Kopf-Vermögens inzwischen nicht einmal mehr unter den zwanzig wohlhabendsten Ländern der Welt. Für ein Land, das sich auf seine Export- und Sparweltmeisterschaft vieles zugutehält, ist dieser Zustand blamabel.

Der materielle Wohlstand der weltweiten Bevölkerung wird durch Unternehmen erwirtschaftet. Sofern diese börsennotiert sind, darf sich jedermann daran beteiligen. In Deutschland ist die Bevölkerung vergleichsweise gering an unternehmerischem Eigenkapital beteiligt. Zum Beleg verweisen wir auf den Umstand, dass etwa zwei Drittel aller Dax-Aktien in ausländischen Händen liegen. Hier liegt die Ursache für die seit Jahren schwache Vermögensentwicklung in Deutschland. Daher ist es dringend angezeigt, die Prioritäten der deutschen Wirtschaftspolitik neu auszurichten und der Wohlstandsentwicklung der Bevölkerung größere Beachtung zu schenken.

Wenn wir in Puncto Vermögen pro Kopf zu den Nachbarländern Belgien, Italien, Spanien, Irland und Finnland (um nur einige vor uns liegende Länder aus der Eurozone zu nennen) aufschließen wollen, bedarf es geeigneter Anreize, um unseren Bürgern das Miteigentum am Produktivvermögen schmackhaft zu machen.

Unsere Anregung an Sie geht dahin, die nicht zu rechtfertigende steuerliche und regulatorische Benachteiligung von Aktienanlagen gegenüber Zinsprodukten rasch zu korrigieren. Stärken Sie bitte die Eigenkapitalkultur in unserem Land, indem Sie der Schuldenfinanzierung ihre Privilegien gegenüber der viel risikoärmeren und zugleich ertragreicheren Eigenkapitalfinanzierung nehmen.

Für eine vertiefende Diskussion des Problems und seiner Lösung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ufuk Boydak, Dr. Christoph Bruns, Dr. Heiko de Vries, Frank Trzewik