Sven Stoll
01.03.2023

ETF der Woche Geldmarkt-ETF: Die bessere Alternative zum Tagesgeldkonto?

ETF der Woche
ETF der Woche: Mit dem richtigen Geldmarkt-ETF musst du nicht mehr den vermeintlich besten Tagesgeld-Angeboten hinterherjagen.
© Jessica Hunold mit Canva

Viele Sparer bekommen von den derzeitigen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank wenig mit, es sei denn, sie beantragen einen Kredit bei ihrer Bank oder liegen mit ihrem Girokonto im Minus. Dann zahlen sie häufig Verzugszinsen, die schonmal bis an die Zehnprozentmarke ran reichen. Trotz der Tatsache, dass die Zinswende seit einigen Monaten eingeläutet wurde, bieten die meisten Banken und Sparkassen nur sehr niedrige Zinssätze auf Tagesgeld oder dem Sparbuch. Sparer bekommen in den meisten Fällen immer noch Null- oder Minizinsen von weniger als einem Prozentpunkt. Selbst Banken, die früher bekannt dafür waren, hohe Zinssätze anzubieten, wie die ING, die in Deutschland durch attraktive Tagesgeldangebote bekannt wurde, bieten ihren Bestandskunden nur noch kümmerliche 0,3 Prozent pro Jahr an. Ab März erhalten diese Kunden eine leichte Erhöhung auf dann 0,6 Prozent.

Die Zinsschweinerei: Banken behalten Gewinne trotz steigender Zinsen

Die angebotenen Zinssätze für Bestandskunden vieler Institute liegen immer noch weit unter dem aktuellen Satz, den Banken erhalten, wenn sie ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen. Derzeit beträgt dieser Einlagensatz 2,5 Prozent und wird voraussichtlich im März auf drei Prozent steigen, zumindest sagen das Ökonomen voraus. Offenbar scheint das in den Frankfurter Banktürmen keine Rolle zu spielen, was sogar die Bild-Zeitung, Deutschlands führendes Boulevardblatt, einen großen Artikel wert war. Vor einigen Tagen titelte sie „Die große Zinsschweinerei“. Die Autoren warfen den Banken vor, trotz steigender Zinsen in den vergangenen Monaten Abzocke zu betreiben. „Die Gewinne behalten die Geldinstitute lieber für sich“, schrieben sie. Besonders im Fokus standen in dem Artikel die Sparkassen mit ihren Millionen von Kunden, die sich bei der Weitergabe von Zinsen besonders zurückhaltend zeigen.

 

Manche Sparer reagieren auf die anhaltenden niedrigen Zinsen, indem sie sich aktiv auf die Suche nach Möglichkeiten begeben, um stets den höchsten Zinssatz zu ergattern. Sie praktizieren das sogenannte Zinshopping und nutzen regelmäßig die Google-Suchmaschine, um das beste Tagesgeldangebot aus dem Netz zu fischen. Einige Banken offerieren oft zeitlich begrenzte Sonderzinsen, um mit ihrem dafür bereitgestellten Marketingbudget möglichst viele Neukunden anzulocken. Mittlerweile mischen selbst Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital bei der Zinsschlacht mit. So offeriert Scalable Capital derzeit eine Verzinsung von 2,3 Prozent auf Guthaben, allerdings ist damit eine Bedingung verknüpft. Die großzügige Verzinsung ist ausschließlich im Rahmen des Prime+ Broker-Abonnements verfügbar, welches jedoch monatliche Kosten in Höhe von 4,99 Euro verursacht. Gerade bei kleineren Anlagesummen relativiert sich dadurch der Zinsgewinn.

Die Schattenseiten des Zinshoppings

Das Zinshopping, also das regelmäßige Wechseln des Tagesgeldkontos aufgrund von Angeboten mit höheren Zinsen, hat entscheidende Nachteile. Zum einen kann es recht zeitaufwendig sein, ständig nach neuen Angeboten zu suchen, das Konto zu wechseln und jedes Mal den Freistellungsauftrag zu ändern. Zum anderen können dabei auch Kosten entstehen, etwa wenn das neue Konto doch Gebühren hat oder die alte Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung für vorzeitiges Auflösen des Kontos verlangt. Außerdem kann das häufige Wechseln auch dazu führen, dass man den Überblick über seine Finanzen komplett verliert oder unerwünschte steuerliche Konsequenzen trägt. Zudem gibt es immer das Risiko, dass das neue Angebot nicht so gut ist, wie es zunächst scheint, oder dass die Bank den Zinssatz schnell senkt, sobald man Kunde geworden ist.

Warum jetzt Geldmarkt-ETFs für dich interessant sein können

Als Sparer musst du dir den Zinsgeiz der Banken und Sparkassen nicht gefallen lassen, insbesondere wenn du bereits Besitzer eines Wertpapierdepots bist. Denn sogenannte Geldmarkt-ETFs spiegeln das jeweilige Zinsumfeld so gut wie eins zu eins wider. Mit diesen winken dir derzeit oft höhere Renditen als das beste Tagesgeld, denn Jahresrenditen von 2,5 Prozent sind derzeit durchaus drin. „Solche Geldmarkt-ETFs sind vielleicht in der Handhabung etwas komplizierter als ein Tagesgeldkonto, bieten aber den unschlagbaren Vorteil, dass man bei steigenden Zinsen sofort mit von der Partie ist“, sagt Thomas Wiedenmann, Leiter Indexfonds bei Amundi Deutschland zur Welt.

Kleinere Investoren haben normalerweise keinen Zugang zum Geldmarkt, da er typischerweise von großen Akteuren wie Banken, Zentralbanken, Unternehmen und Regierungen genutzt wird. Aufgrund dessen ist vielen Anlegern der Geldmarkt als Anlageklasse oft weniger vertraut. Der Geldmarkt spielt jedoch eine wichtige Rolle im Finanzsystem, da er es Unternehmen, Banken und anderen Finanzinstituten ermöglicht, kurzfristige Finanzierungsmöglichkeiten zu nutzen und Liquidität zu erhalten. Geldmarkt-ETFs investieren in Geldmarktinstrumente mit sehr kurzer Restlaufzeit wie Sicht- und Termingelder, Anleihen und Schuldscheindarlehen, die in der Regel eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. Das angelegte Geld wird täglich verzinst und ist jederzeit verfügbar. Geldmarktfonds gelten aufgrund der Stabilität des Geldmarktes und der minimalen Schwankungen bei den Verzinsungen als sichere Anlage. Anleger können jederzeit auf ihr Geld zugreifen. Deshalb sind entsprechende ETFs sehr flexibel.

Mit diesem ETF kassierst du bei steigenden Zinsen bis zu 2,5 Prozent

Neil Hutchison, der Fondsmanager des JPM EUR Ultra Short Income ETF, investiert in entsprechende Wertpapiere und verfolgt dabei eine aktive Anlagestrategie. Der Fonds konzentriert sich hauptsächlich auf kurzfristige, festverzinsliche und variabel verzinsliche Schuldtitel mit Investment-Grade-Rating, die in Euro denominiert sind und legt einen Schwerpunkt auf Titel aus der Bankbranche. Dabei strebt er eine Laufzeit von einem Jahr oder weniger an.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Hutchison sieht das Ende des Zinserhöhungszyklus noch nicht als realistisch an und geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank die Zinssätze bis Mitte 2023 weiter anheben wird, da die zugrunde liegenden Kerninflationstrends sich aufgrund des anziehenden Lohnwachstums voraussichtlich verstärken werden. In jüngster Zeit haben die aggressive Rhetorik, die Aufwärtskorrektur der Inflationsprognose bis ins Jahr 2025 und die Ankündigung von EZB-Präsidentin Lagarde, die Zinsen auf den nächsten beiden EZB-Sitzungen um 50 Basispunkte anzuheben, zu einem unerwartet hohen Leitzins geführt. Der Leitzins wird nun bis zum Sommer 2023 auf 3,4 Prozent geschätzt (vor einem Monat lag er noch bei 2,8 Prozent). Es wird erwartet, dass die EZB bis Anfang 2024 eine Pause einlegt und dann eine leichte Lockerung vornimmt. Im laufenden Jahr erzielte der Fonds eine Wertsteigerung von 0,34 Prozent nach Kosten. Die belaufen sich auf nur 0,08 Prozent. Steigen die Zinsen in den kommenden Monaten weiter, sind mit dem ETF 2,5 Prozent in diesem Jahr locker drin. Und das, ohne ständig den Anbieter wechseln zu müssen.

 

Zu beachten ist, dass Geldmarkt-ETFs als einzige Kapitalanlage nicht empfehlenswert sind, da sie aufgrund der niedrigen Rendite keine ausreichende langfristige Rendite bieten. Sie können jedoch als Teil eines diversifizierten Portfolios sinnvoll sein, insbesondere wenn du nach einer sicheren Möglichkeit suchst, größere Summen kurzfristig zu parken.

Geldmarkt-ETFs oder Tagesgeldkonto: Welche Anlageform passt besser zu dir?

Vorteile von Geldmarkt-ETFs gegenüber Tagesgeldkonten:

  • Potenziell höhere Rendite durch Anlage in kurzfristige Anleihen mit höherem Zinssatz als Tagesgeldkonten.
  • Möglichkeit der Diversifikation durch Anlage in verschiedene Geldmarkttitel.
  • Keine Begrenzung der Anlagesumme, im Gegensatz zu Tagesgeldkonten.
  • Möglichkeit des Handels an der Börse, somit Liquidität und schnelle Verfügbarkeit der Mittel.
  • Nur ein Freistellungsauftrag für das Depot.
  • Kein Zinsvergleich mehr notwendig.

Nachteile von Geldmarkt-ETFs gegenüber Tagesgeldkonten:

  • Keine Garantie auf die Rückzahlung des investierten Kapitals, im Gegensatz zu Tagesgeldkonten, die durch Einlagensicherung geschützt sind.
  • Schwankungen der Zinsen können zu Verlusten führen, während Tagesgeldkonten unabhängig von Zinsänderungen eine feste Rendite bieten.
  • Eventuell anfallende Transaktionskosten und Verwaltungskosten können die Rendite schmälern, während Tagesgeldkonten in der Regel kostenlos sind.

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