Blumenwiese in Deutschland Foto: Imago Images / Chromorange

Hans-Jörg Naumer von AGI

Grüne Wende kommt Klima, Anlegern und Unternehmen zugute

Wachstum heißt nicht zwingend mehr Ressourcenverbrauch – und auch Umwelt ist ja eine Ressource. Was bereits über die vergangenen Jahrzehnte erreicht wurde, ist die Entkopplung von Wachstum und Kohlendioxidausstoß. Regional zwar noch sehr unterschiedlich, aber dennoch weltweit beachtlich. Deutlich wird dies an der CO2-Intensität. Diese misst den CO2-Ausstoß je Wertschöpfung, also je Bruttoinlandsprodukt (BIP). Rebasiert auf das Basisjahr 1960 hat sich das BIP im Weltmaßstab mehr als versiebeneinhalbfacht, während die Weltbevölkerung um das rund 2,5-Fache gewachsen ist. Aber trotz dieser deutlichen Anstiege beim Wachstum von Wirtschaft und Weltbevölkerung, hat sich der Kohlendioxidausstoß nur ungefähr vervierfacht.

Die Folge ist eine deutlich gesunkene CO2-Intensität. Die CO2-Intensität misst den CO2-Ausstoß je Einheit Bruttoinlandsprodukt und hat sich im Vergleichszeitraum mehr als halbiert (siehe Schaubild 1). Ein großer Teil der Erklärung liegt in der deutlich gestiegenen Energieintensität, was unter anderem auch dazu führt, dass sich seit 1960 der Energieeinsatz je BIP fast halbiert hat.

CO2-Emissionen und wesentliche Emissionstreiber

Grafik: Allianz Global Investors, Quelle: Our World in Data, Worldbank. Stand: April 2021

 

Dieser positive Zusammenhang ist über die großen Regionen der Welt erkennbar, wenn auch sehr unterschiedlich. Wie Schaubild 2 zeigt, ist die CO2-Intensität in den USA zum Beispiel seit 1960 auf unter ein Drittel gesunken. Im Falle Chinas, Deutschlands und Frankreichs ging sie auf ein Viertel zurück. Das Vereinigte Königreich hat seine CO2-Intensität auf ein Siebtel gesenkt.

CO2-Intensität (CO2-Ausstoß/Bruttoinlandsprodukt)

Grafik: Allianz Global Investors, Quelle: 1960 – 1990: Our World in Data, 1991 – 2019: Edgar, 2020: Carbon Monitor, Datastream, AllianzGI. Stand: April 2021

 

Wachstum: Nicht ohne, nur anders

Ohne Wachstum geht es nicht. Es muss nur ein anderes Wachstum sein. Ein nachhaltiges. Es geht um „Green Growth“ (grünes Wachstum), nicht um „Degrowth“. Dafür brauchen wir Innovationen (also das, was der Ökonom Joseph Schumpeter die „schöpferische Zerstörung“ nannte), ordnende Staaten, welche dafür sorgen, dass alle Kosten – also auch die Umweltkosten – in den Preisen enthalten sind, und „Finance For Future“. Das Kapital muss in den Dienst der ökologischen Transformation gestellt werden. Und hier passiert zurzeit richtig viel. Nachhaltigkeit, gemessen an den ESG-Kriterien, findet immer mehr Einzug in den Anlageprozess von Fonds. Was für institutionelle Investoren schon lange eine Maxime war, wird es jetzt auch bei privaten Investoren. Ein wichtiger Stichtag war der 10. März 2021, an dem die „Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR“ der EU in Kraft trat. An diesem Tag mussten die Fondshäuser bekanntgeben, wie sie es denn mit den Nachhaltigkeitskriterien bei Fonds halten.

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