Aboalarm-Chef zum Marketing-Gag von Savedroid „Hankir hat der Branche und sich selbst keinen Gefallen getan“

Bernd Storm ist Geschäftsführer des Vertragskündigungsdienstes Aboalarm. | © Aboalarm

Bernd Storm ist Geschäftsführer des Vertragskündigungsdienstes Aboalarm. Foto: Aboalarm

DAS INVESTMENT: Savedroid hat in einer Marketing-Aktion vorgetäuscht, Anlegergeld veruntreut zu haben. Nach einem Tag löste das Unternehmen das Rätsel um seinen vermeintlich getürmten Chef wieder auf. Wieso finden andere Fintech-Unternehmer diese Werbeidee so schlimm?

Bernd Storm: Als Unternehmer hat man eine Verantwortung und muss sich in erster Linie um sein Unternehmen kümmern und darf dieses nicht schädigen. Was Hankir gemacht hat, kann ich nicht nachvollziehen, da Vertrauen essentiell in der Finanzbranche ist. Meiner Meinung nach ist das sehr unseriös und zeugt eher von Schwäche. Das ist weder vorbildlich für die eigenen Mitarbeiter und erst recht nicht für andere Gründer.

Savedroid wollte auch auf unzureichende Regulierung bei ICOs hinweisen. Ist das nicht nachvollziehbar, dabei maximale Aufmerksamkeit erreichen zu wollen?

Storm: In anderen Bereichen mag eine Guerilla-Marketing-Aktion auch mal angebracht sein, doch Finanzen beziehungsweise Geldanlagen sind ein sensibles Geschäft. Und es sind vor allem Kleinanleger, die in diesem Fall  betroffen gewesen wären. Diesen Verbrauchern gegenüber hat man eine Verantwortung zu tragen. Es sind gerade die Kleinanleger, die Sorge um ihr Geld haben. Daher wollen sie Finanzunternehmen vertrauen können, werden aber durch solche Aktionen nur noch mehr verunsichert. Und darunter leidet dann nicht nur Savedroid, sondern auch andere Finanzunternehmen und die ganze Branche gleich mit.

Kann dadurch zumindest das Ziel erreicht werden, klare Regeln für Krypto-Börsengänge zu schaffen, wie es Savedroid nach eigenem Bekunden angestrebt hat?

Storm: Ich glaube, das Ziel wurde eher deutlich verfehlt. Es hätte sicher andere Wege gegeben, Anleger und Verbraucher auf die unzureichende Regulierung aufmerksam zu machen.

Gestehen Verbraucher Fintech-Unternehmen als den „jungen Wilden“ des Finanzsektors nicht etwas mehr Freiraum zu und finden die Aktion vielleicht nachvollziehbar und sogar sympathisch?

Storm: Das denke ich nicht. Das Image der „jungen Wilden“ passt meiner Meinung nach auch nicht ganz. Es ist ja vielmehr so, dass die Digitalisierung neue Möglichkeiten, auch im Finanzsektor, mit sich bringt und die neue Generation der Fintech-Unternehmen diese Möglichkeiten nutzt und viele innovative Ansätze mit einbringt. Das bedeutet dann aber nicht mehr Freiraum, sondern eher das Gegenteil: Man steht viel mehr unter Beobachtung beziehungsweise wird hinterfragt im Vergleich zum klassischen Bankensektor. Denn wie schon erwähnt, wir sprechen hier von einem extrem sensiblen Geschäft. Und da geht es generell und vor allem bei neuen Ansätzen darum, bei Verbrauchern, Anlegern und Investoren Vertrauen zu schaffen. Daher ist diese Aktion weder nachvollziehbar noch sympathisch.

Ist Savedroid-Chef Yassin Hankir in der Fintech-Branche jetzt geächtet?

Storm: Nein, das ist natürlich übertrieben. Aber er hat sicherlich der Branche und sich selbst mit dieser Aktion keinen Gefallen getan.