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ETF der Woche
Aufschwung in Japan – von der Erholung im Land des Lächelns profitieren
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Sven Stoll
24.05.2023

ETF der Woche Aufschwung in Japan – von der Erholung im Land des Lächelns profitieren

Steintafel vor der Tokioter Börse
Steintafel vor der Tokioter Börse: In Japan bleibt die Inflation niedrig, was dem Land helfen sollte, sich besser zu entwickeln als andere Industrieländer.
© Imago Images / Imaginechina-Tuchong

Der japanische Aktienindex Nikkei 225 erreichte in der vergangenen Handelswoche den höchsten Stand seit 33 Jahren. Ende der 1980er Jahre kam es in Japan zu einer gigantischen Spekulationsblase. Die Preise für Immobilien und Aktien stiegen stark an, doch die Blase platzte Anfang der 1990er Jahre. Die anschließende Korrektur führte zu erheblichen Verlusten und einer allgemeinen Skepsis gegenüber dem japanischen Aktienmarkt. In Deutschland und anderen westlichen Industrienationen verloren Anleger und Unternehmen nach und nach das Interesse an der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Japan litt und leidet unter strukturellen Problemen wie hoher Verschuldung, ineffizienten Unternehmensstrukturen und einem überregulierten Markt. Dies hat zu einem Rückgang des Wachstums und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie zu einem Verlust des Vertrauens der Investoren geführt.

Demografischer Wandel in Japan: Die Herausforderungen einer überalternden Bevölkerung

Manche Probleme sind unlösbar. Japan steht vor einer der größten demografischen Herausforderungen der Neuzeit - der Überalterung der Bevölkerung. Das Land erlebt einen dramatischen Rückgang der Geburtenrate und einen stetigen Anstieg der Lebenserwartung, was zu einer starken Veränderung der Altersstruktur der Gesellschaft führt. Diese Entwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Sozialsystem und die kulturelle Identität Japans.

 

Japans demografischer Wandel ist das Ergebnis vieler Faktoren. Einer der Hauptgründe ist die niedrige Geburtenrate. Junge Japaner entscheiden sich immer häufiger gegen Kinder, weil sie Karriere und persönliche Freiheit vorziehen. Verstärkt wird dies durch fehlende Unterstützungssysteme für Familien und hohe Kosten für Bildung und Kinderbetreuung. Die wachsende Zahl älterer Menschen führt dazu, dass weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, was wiederum zu einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots und zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften führt.

Ein weiterer Faktor, der zur Alterung der japanischen Bevölkerung beiträgt, ist die steigende Lebenserwartung. Fortschritte in der medizinischen Versorgung und im Lebensstandard haben dazu geführt, dass die Menschen länger leben. Dies ist grundsätzlich eine positive Entwicklung, stellt die Gesellschaft jedoch vor neue Herausforderungen. Eine älter werdende Bevölkerung führt zu einer höheren Nachfrage nach medizinischer Versorgung, nach Pflegeeinrichtungen und nach sozialer Unterstützung.

Japans Wirtschaftswachstum: Staatliche Konjunkturprogramme und positive Aussichten

Japan kämpfte über viele Jahre hinweg mit einer Deflation und einem anhaltenden Rückgang der Verbraucherpreise. Deflation erhöht die reale Schuldenlast und schmälert die Unternehmensgewinne. Aufgrund des deflationären Umfelds zögerten die Anleger, in den Aktienmarkt zu investieren. In den vergangenen Jahren hat die japanische Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft anzukurbeln und das Investitionsklima zu verbessern. Dazu gehören Strukturreformen, eine Lockerung der Geldpolitik und Maßnahmen zur Förderung von Innovationen und Unternehmertum. Diese Initiativen haben zur Erholung des japanischen Aktienmarktes beigetragen.

Die Inflationsrate des Inselstaates ist zwar die höchste seit 1981, liegt heute aber bei vergleichsweise niedrigen 4 Prozent. Staatliche Hilfen gegen die steigenden Energiekosten haben die Teuerung in Schach gehalten. Noch hält die Bank of Japan an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Es bleibt abzuwarten, welchen Kurs der neue Notenbankchef Kazuo Ueda einschlagen wird. Dank zahlreicher staatlicher Konjunkturprogramme dürfte die japanische Wirtschaft in diesem Jahr aber um rund 1,3 Prozent wachsen. Das ist mehr als andere große Volkswirtschaften der Welt vorweisen können. Japan stagniert nicht mehr, es wächst!

Rückkehr der Investoren: japanische Aktien wieder im Fokus

Jüngst hat auch Warren Buffett sein Vertrauen in japanische Unternehmen erneut unter Beweis gestellt. Der Starinvestor stockte gleich fünf seiner Beteiligungen an japanischen Konzernen auf und signalisierte damit der gesamten Finanzwelt, wie attraktiv japanische Aktien aus seiner Sicht sind. Und der Chef von Berkshire Hathaway bekräftigte im Mai, weitere Engagements in Japan anzustreben. Internationale Investoren, die dem Inselstaat jahrelang den Rücken gekehrt hatten, könnten nun zurückkehren. Auch Fidelity-Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld zeigt sich im Interview mit DAS INVESTMENT positiv gestimmt: „Japan steht bei vielen Investoren kaum noch auf der Agenda und ist - relativ gesehen - unterbewertet. Ich halte es durchaus für eine gute und interessante Idee, in Japan zu investieren, weil es einfach so lange und so stark von den Investoren vernachlässigt wurde.“

Obwohl die Aktienkurse seit Jahresbeginn um 14 Prozent zulegten, liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) japanischer Unternehmen bei 16. Einige Experten sehen in Japan auch die besten Chancen, vom Wachstum in Asien und insbesondere in China zu profitieren. Schließlich ist das Inselreich eng mit dem Reich der Mitte verflochten. Wer einen japanischen Indexfonds kauft, hat zumindest indirekt ein Engagement in China, muss aber nicht die gleichen Risiken in Kauf nehmen. Die Spannungen zwischen Taiwan und China veranlassten auch Buffett, ein großes Aktienpaket des südkoreanischen Halbleiterherstellers TSMC zu verkaufen. Anleger, die global gut positioniert sein wollen, sollten Japan als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt jedenfalls nicht ignorieren.

Warren Buffett ist seit 2020 über seine Holding in Japan investiert. Zu seinen Beteiligungen gehören Mitsubishi, Itochu, Marubeni, Mitsui und Sumitomo, allesamt traditionsreiche „Sogo Sosha“-Handelshäuser, die während der Industrialisierung Japans im 19. Jahrhundert gegründet wurden. Sie trugen dazu bei, den Handel zwischen Japan und anderen Ländern zu fördern und den Aufschwung der japanischen Wirtschaft zu unterstützen. 

Vielfältige Geschäftsbereiche: die Sogo Sosha - Unternehmen

Sogo Sosha Firmen sind in einer Vielzahl von Branchen tätig, darunter Energie, Rohstoffe, Maschinenbau, Elektronik, Automobil, Lebensmittel und viele andere. Sie verfügen häufig über umfangreiche Netzwerke und enge Beziehungen zu Unternehmen in der ganzen Welt. Zu ihren Aktivitäten gehören der Handel mit Waren und Dienstleistungen, die Vermittlung von Geschäftsabschlüssen, die Bereitstellung von Logistik- und Finanzdienstleistungen sowie die Beteiligung an Joint Ventures und Investitionen.

 

Auch für die Halbleiterproduktion wird Japan interessant, denn die Welt braucht in diesem Bereich verlässliche Lieferketten. Zudem punktet Japan mit günstigen Produktionsbedingungen, da die Landeswährung Yen gegenüber dem US-Dollar um rund 30 Prozent günstiger geworden ist. Das haben auch Hersteller wie Taiwan Semiconductor erkannt und sind dabei, neue Fabriken in Japan zu bauen. Technisches Know-how ist ebenfalls vorhanden. Sony ist Weltmarktführer bei Bildsensoren, Toyotas Hauptlieferant Denso ist gemessen am Umsatz der weltweit fünftgrößte Hersteller von Halbleitern für Autos.

An der Börse könnten sich die positiven Faktoren weiter auszahlen. Steigt der Nikkei-Index 225 nachhaltig über die Marke von 30.000 Punkten (aktuell bei 31.086 Punkten), könnte das alte Rekordhoch von knapp 39.000 Punkten aus dem Jahr 1989 wieder in Reichweite rücken. Anleger könnten von einem ETF auf den japanischen Aktienmarkt profitieren. Denn beim Handel einzelner Aktien können höhere Gebühren anfallen, die es zu berücksichtigen gilt, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Hinzu kommt, dass die japanische Börse aufgrund der Zeitverschiebung von 1 bis 7 Uhr mitteleuropäischer Zeit geöffnet ist. Wenn also unsere Börsen geschlossen sind, wird an der japanischen Börse gehandelt und umgekehrt.

Regelbasiertes Investment: Ein Blick auf den Wisdom Tree Japan EUR-Hedged Equity ETF

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

  • Sektor: Aktienfonds All Cap Japan
  • Wertentwicklung 5 Jahre: 34 Prozent (6,1 Prozent p.a.)
  • Wertentwicklung 3 Jahre: 78 Prozent (21 Prozent p.a.)
  • Wertentwicklung 1 Jahr: 20,2 Prozent
  • Wertentwicklung 2023: 16,8 Prozent
  • ISIN: IE00BYQCZJ13
  • Auflagedatum: 3. November 2015
  • ETF-Volumen: 14,4 Millionen Euro
  • Maximaler Verlust: 40 Prozent
  • Volatilität 5 Jahre: 17 Prozent

Mit einer Performance von 77 Prozent über drei Jahre gehört der Wisdom Tree Japan Equity EUR-Hedged ETF zu den erfolgreichsten Produkten in diesem Zeitraum. Auch im laufenden Jahr überzeugt das Portfolio mit einem Plus von knapp 17 Prozent. Ziel des ETFs ist die Abbildung der Wertentwicklung des Wisdom Tree Japan EUR-Hedged Equity Index nach Abzug der Gebühren.

Der Index ist regelbasiert, wird anhand fundamentaler Kriterien gewichtet und setzt sich aus japanischen Dividendenzahlern zusammen, die auf Basis ihres Gesamtumsatzes ausgewählt werden. Das Risiko wird über einen zusammengesetzten Risikoscore auf Basis zweier gleichgewichteter Faktoren aus Qualität und Dynamik überwacht. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Unternehmen bestimmte Kriterien hinsichtlich Risikomanagement und Mindestliquidität erfüllen, das ESG-Screening von WisdomTree bestehen und im letzten Jahreszyklus Dividenden gezahlt haben.

Gleichzeitig werden die Währungsschwankungen des japanischen Yen gegenüber dem Euro neutralisiert. Das ist nicht unwichtig, denn der fast schon traditionell schwache Yen kann Gewinne schnell zunichte machen. Wahlweise gibt es den ETF auch mit Währungsabsicherung gegen den US-Dollar, den Schweizer Franken, das britische Pfund oder gänzlich ohne Absicherung in der Heimatwährung, dem japanischen Yen.

Top-10 Holdings:

Wisdom Tree Japan Equity ETF
Wisdom Tree Japan Equity ETF: Top Holdings © Wisdom Tree

Zu den zehn größten Positionen, die rund 30 Prozent des Portfolios ausmachen, zählen Toyota, Mitsubishi UFJ Financial Group, Sumitomo Mitsui und Tokio Electron. Unter den Sektoren sind Industriewerte, zyklische Konsumgüter, Finanztitel und Informationstechnologie am höchsten gewichtet. Seit Auflegung im November 2015 hat der 14,5 Millionen Euro schwere ETF insgesamt um 51 Prozent zugelegt. Die Indexnachbildung erfolgt physisch, die Erträge werden thesauriert. Die laufenden Kosten liegen bei 0,45 Prozent pro Jahr.

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