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Reinhard Pfingsten (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Investmentchef der Bethmann Bank Impact Investing liefert doppelte Rendite

Brasilianischer Urwald, auch die „grüne Lunge“ der Erde genannt
Brasilianischer Urwald, auch die „grüne Lunge“ der Erde genannt: Das Thema Umweltschutz ist auch für Investoren interessant. | Foto: Unsplash/James Cheung
Reinhard Pfingsten, Foto: Bethmann Bank

Tariq Fancy war immerhin Chief Investment Officer Sustainable Investing bei Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, bevor er seinen Job kündigte und seinem ehemaligen Arbeitgeber vorwarf, sich grün zu vermarkten, statt Anlagegelder nachhaltig zu investieren. Der Vorwurf des Greenwashings ist nicht neu und sicher in verschiedenen Fällen berechtigt. Das ändert aber nichts daran, dass an nachhaltigem Wirtschaften und entsprechenden Investments kein Weg vorbeiführt.

Schon im Jahr 2025 werden acht Milliarden Menschen die Erde besiedeln, eine Milliarde mehr als noch vor 15 Jahren. Hinzukommt das Wachstum der Mittelschichten in Schwellenländern wie China oder Indien, das enorme Auswirkungen auf die benötigten Ressourcen hat. So wird die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln bis 2030 voraussichtlich um 35 Prozent steigen. Der Bedarf nach Wasser dürfte um 40 Prozent zunehmen und der nach Energie sogar um 50 Prozent. Wenn wir die Erde nicht irreversibel zerstören möchten, werden sich diese extremen Nachfragezuwächse nur durch ein zu 100 Prozent nachhaltiges Wirtschaften bewältigen lassen.

ESG allein greift zu kurz

Neben Best-in-Class-Strategien sind vor allem ESG-Investments weit verbreitet. Der Ansatz, bei Investments finanzielle, ökologische und soziale Kriterien mit einer guten Unternehmensführung zu kombinieren, ist grundsätzlich nicht falsch, weist aber gewisse Schwächen auf. So kommt es bei ESG-Strategien immer wieder vor, dass Unternehmen im Anlageuniversum landen, die eigentlich kaum als nachhaltige Investments zu bezeichnen sind.

Daher macht es Sinn, auch verschiedene Ausschlusskriterien anzuwenden. Üblicherweise zählen dazu die Produktion von Tabak und Waffen ebenso wie Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung. Anleger, die einen Schritt weitergehen möchten, können auch den Handel mit Tabak und Alkohol oder fossile Energieträger und Kernkraft aus dem Anlageuniversum ausschließen.

So reizvoll die gleichzeitige Anwendung von ESG- und Ausschlusskriterien auf den ersten Blick wirkt, birgt auch sie eine gravierende Schwäche: Es handelt sich um eine Strategie, die vor allem auf Risikovermeidung setzt, um drohende Strafzahlungen für Umweltverschmutzungen oder eine Beschädigung der Reputation zu umgehen. Die Chancen, die ein nachhaltiges Wirtschaften und entsprechende Investments bieten, werden hingegen nicht genutzt. Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass Geschäftsmodelle, die aktiv einen positiven Einfluss auf die Umwelt und die Gesellschaft ausüben, sich auch in finanzieller Hinsicht rechnen.

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