142 Fonds im Crashtest Die besten Aktienfonds für Schwellenländer

Chinesische Smartphone-Nutzer in einer Pekinger Filiale der US-Restaurantkette Starbucks: Vontobel und UBS haben mit der Übergewichtung von asiatischen Tech-Titeln Erfolg. | © Getty Images

Chinesische Smartphone-Nutzer in einer Pekinger Filiale der US-Restaurantkette Starbucks: Vontobel und UBS haben mit der Übergewichtung von asiatischen Tech-Titeln Erfolg. Foto: Getty Images

Die Schweiz steht für Emmentaler-Käse, Schokolade von Lindt & Sprüngli und das Matterhorn. Auch für Geschick im Umgang mit Geld, natürlich. Schließlich tummelt sich am Finanzplatz Zürich eine ganze Riege weltweit bedeutender Banken. Aber Investment-Expertise für Schwellenländer? Vermutet man in Zürich nicht unbedingt. Als einzig prominenter Fondsmanager für dieses Segment mit Bezug zur Schweiz gilt Rajiv Jain. Der jedoch ist von Geburt Inder, feierte seine größten Erfolge in den USA – und hat seinem langjährigen Arbeitgeber Vontobel Asset Management im Frühjahr 2016 den Rücken gekehrt.

Und doch: Da gibt es noch mehr. Das zeigt der jüngste Crashtest, dem die Münchner Analysegesellschaft FWW im Auftrag von DAS INVESTMENT 142 Schwellenländer-Aktienfonds unterzogen hat. Mit dem Vontobel Sustainable Emerging Markets Leaders und dem UBS Global Emerging Markets Opportunity landen gleich zwei Schweizer Produkte ganz weit vorne (siehe Tabelle). Anders als Jain-Nachfolger Matthew Benkendorf, der mit dem von New York aus gesteuerten Vontobel Emerging Markets Equity auf Rang 70 abgerutscht ist, arbeiten beide Managementteams von Zürich aus.

Rang Fonds Punkte gesamt Pkt. Perfor-mance Pkt. Stress-test Pkt. Aktives Mgmt. Vol. in Mio. € ISIN
1 Magna New Frontiers 85 25 30 30 542 IE00B68FF474
2 Vontobel Sustainable Emergin Markets Leaders 80 36 17 27 1672 LU0571085413
3 UBS Global Emerging Markets Opportunity 74 29 20 25 368 LU0328353924
4 Goldman Sachs Emerging Markets Equity 74 33 21 20 2998 LU0234572377
5 Fidelity Emerging Markets 72 25 25 22 5605 LU0048575426
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Während Benkendorf vor allem Wachstumsaktien kauft, folgen die für den Vontobel Sustainable Emerging Markets Leaders verantwortlichen Manager Roger Merz und Thomas Schaffner einem etwas anderen Ansatz – der dem ihrer UBS-Konkurrenten Urs Antonioli und Geoffrey Wong gar nicht mal so unähnlich ist (siehe Beschreibung unten) und deshalb viele Überschneidungen hervorruft.

Mit einem Anteil von jeweils knapp 37 Prozent sind beide Sieger-Fonds recht China-lastig. Ein Problem, wo doch die Volksrepublik Regierungsangaben zufolge im Konflikt mit den USA auf den „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“ zusteuert? Nicht in den Augen von Urs Antonioli. „Die Risiken mögen zwar in den Augen vieler Anleger gestiegen sein, doch für uns bleibt China als zweitgrößter Aktienmarkt der Welt absolut zentral“, bekräftigt der UBS-Manager. Die Fundamentaldaten seien nach wie vor in Ordnung, was im Übrigen für das gesamte Universum der Schwellenländer gelte: „Durchschnittlich dauert ein ökonomischer Aufschwung fünf bis sieben Jahre. Wir sind erst im dritten Jahr.“

Nicht viel anders sieht das Vontobel-Manager Merz. Zwar hat er in den vergangenen Monaten durch Gewinnmitnahmen im Technologie-Sektor den China-Anteil seines Portfolios insgesamt deutlich reduziert. Aber: „In anderen Bereichen wie Finanzen, Konsum oder Energie haben wir zugekauft.“ Insgesamt hält Merz die jüngsten Rückschläge bei Emerging-Markets-Aktien für übertrieben. Zumal er unbeirrt an eine pragmatische Lösung des Streits glaubt.

Trotz des insgesamt positiven Ausblicks gibt es einige Länder, um die Merz derzeit einen Bogen macht. Dazu gehören die Türkei und Argentinien, wo er vor allem auf der Währungsseite größere Verwerfungen fürchtet. Letzteres ein Markt, den auch Stefan Böttcher deutlich skeptischer beurteilt als noch zu Jahresbeginn. „Wir haben unsere Positionen in Argentinien fast vollständig abgebaut“, sagt der Manager des den Crashtest anführenden Magna New Frontiers.

Wie fair ist der Vergleich zwischen einem Fonds, der in die besonders dynamischen Grenzmärkte investiert, und traditionellen Schwellenländerfonds? Nun, er ist zumindest nicht so unfair, wie es zunächst den Anschein haben mag. Denn den meisten Emerging-Markets-Fonds – jene aus den Häusern Vontobel und UBS inbegriffen – stehen die Frontier Markets prinzipiell offen. Umgekehrt kauft auch Böttcher des Öfteren in Ländern, die nicht unbedingt als Grenzmärkte gelten. Zu seinen größten Gewinnbringern der vergangenen zwölf Monate zählt etwa der polnische Einzelhändler Dino Polska. Und im Vergleich mit klassischen Frontier Markets wie Burkino Faso oder Kasachstan wirkt die Börse in Warschau fast schon so sicher wie ein Schweizer Banktresor.

Drei Top-Fonds im Porträt

Platz 1: Magna New Frontiers

Stefan Böttcher

Zwar trägt dieser seit der Auflegung im Frühjahr 2011 von Stefan Böttcher gemanagte Fonds den Stempel „Frontiers“ für „Frontier Markets“. Doch mit der Definition sieht es der gebürtige Hamburger nicht allzu eng: „Wir verstehen darunter die gesamte Gruppe der kleinen Emerging Markets – egal, ob sie im Index abgebildet sind oder nicht.“ Wichtig ist Böttcher vor allem eine geringe Korrelation zu den Märkten der Industriestaaten und den großen Emerging Markets wie China, Brasilien oder Indien. Nach dieser Lesart kommt er auf rund 6.000 Titel aus knapp 200 Ländern, die theoretisch für eine Anlage zur Verfügung stehen.

Aktuell finden sich im Magna Frontier Markets allerdings nur 60 Titel aus zehn Ländern. Das liegt zum einen daran, dass Böttcher Märkte, die er aus politischen oder ökonomischen Gründen für nicht investierbar hält, von vornherein strikt aussortiert. Zum anderen setzt er mit Co-Manager Dominic Bokor-Ingram auf einen handverlesenen Mix günstig bewerteter Firmen, zu deren Entscheidungsträgern direkter Kontakt besteht. Pro Jahr kommen beide so auf bis zu 500 Unternehmensbesuche.

Zu den größten Länderpositionen gehört mit rund 20 Prozent weiter Vietnam – auch wenn die dort bislang erwirtschafteten Renditen bislang hinter Böttchers Erwartungen zurückgeblieben sind. Aber: „Die fundamentalen Rahmendaten haben sich weiter verbessert, und wir bleiben sehr positiv für den Markt.“

Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten folgt Saudi-Arabien auf dem dritten Platz. Die Börse in Riad profitiert Böttcher zufolge von den sozialen und wirtschaftlichen Reformen unter dem Thronfolger Mohammed bin Salman. „Außerdem erwarten wir eine deutliche bessere Konjunktur im zweiten Halbjahr, unterstützt von höheren Ölpreisen“, ergänzt er. Angesichts der Aufnahme in den Global-Emerging-Markets-Index von MSCI rechnet Böttcher darüber hinaus mit Mittelzuflüssen von über 45 Milliarden US-Dollar. Erste Wahl sind für ihn Finanztitel wie die Al Rajhi Bank, die derzeit auch die größte Einzelposition im Fonds stellt.

Weil bei jeglichen Investitionen in die Frontier Markets Liquidität der größte Risikofaktor bleibt, will Böttcher ein weiteres deutliches Ansteigen des Fondsvolumens (derzeit etwas mehr als 500 Millionen Euro) unbedingt vermeiden. Deshalb wird seit dem Frühjahr 2018 bei jedem Kauf der volle Ausgabeaufschlag von 5 Prozent fällig. Ausgenommen von dieser Regelung sind allerdings bereits vor der Zugangsbeschränkung abgeschlossene Sparpläne.