Bitcoin-Logo auf dem Display eines Smartphones: Die Kryptowährung Bitcoin hinterlässt einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck, hat IT-Forscher Ulrich Gallersdörfer herausgefunden. | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Blockchain-Forscher Ulrich Gallersdörfer

„Bitcoin emittiert so viel CO2 wie ganze Staaten“

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Mit Ihrer Umweltbilanz zu Bitcoin vor einem Jahr haben Sie dessen ökologischen Fußabdruck sehr deutlich aufgezeigt. Die Digitalwährung produziert so viel CO2 wie ganze Länder. War das ein überraschendes Ergebnis?

Ulrich Gallersdörfer: Wir waren nicht die Ersten, die eine Schätzung dafür abgegeben haben, wie hoch der Energieverbrauch ist, insofern war das nicht überraschend. Wir waren aber sehr erfreut, dass wir es deutlich präziser berechnen konnten als andere.

Sind alle Kryptowährungen solche Umweltsünder?

Gallersdörfer: Es gibt Währungen, die mehr verbrauchen und welche, die weniger verbrauchen. Im Vergleich zu den Währungen, die weniger verbrauchen, haben aber soziale Netzwerke oder andere Anwendungen einen durchaus vergleichbaren Energieverbrauch. Grundsätzlich sind die Kryptowährungen in ihrem Energieverbrauch aufgrund ihres zugrundeliegenden Konsensmechanismus unterschiedlich.

Was konkret macht den ökologischen Fußabdruck bei Bitcoin so groß?

Gallersdörfer: Der Anreizmechanismus, der in Bitcoin liegt. Also dass Rechenleistung, die diesen Proof-of-Work-Algorithmus ausführt, durch den Mining-Reward bezahlt wird. Das sind professionelle Firmen, die dies durchführen und die Hardware bereitstellen, was natürlich viel Energie an der Stelle verbraucht, aber auch zu einer großen Sicherheit führt.

Wenn grüne Energie genutzt würde, wäre das nicht so ein Problem?

Gallersdörfer: Genau, wenn man ein Geothermalkraftwerk aus Island hat, das rein aus der Erdwärme seine Energie bezieht und nur diese Energie nutzen würde, um Bitcoins zu schürfen, dann wäre das an sich ohne Nachteile für die Umwelt. Was man aber hier nicht vergessen darf: Wenn ich jetzt sage, ich nehme aus Islands Netz alle grüne Energie und nutze sie für andere Zwecke, dann wird dieser andere Energieverbrauch in fossile Brennstoffe getrieben.

Wo sind die Miner hauptsächlich ansässig?

Gallersdörfer: Der Fokus von Mining-Aktivitäten liegt in China. Die Ergebnisse hängen von der Methodik ab, aber in unserer Untersuchung haben wir 68 Prozent asiatische, 17 Prozent europäische und 15 Prozent nordamerikanische Rechenleistung im Netzwerk nachgewiesen.

Kann man die Existenz von Bitcoin bei diesem CO2-Ausstoß überhaupt verantworten?

Gallersdörfer: Ich sehe es so, dass die Kryptowährung an sich nicht das Problem ist. Das ist dasselbe für alle stromintensiven Prozesse. Es gilt also auch für Streaming, generell Rechenzentren – oder allein eine Google-Suche. Bei diesen stromintensiven Prozessen kann jeder für sich einschätzen, wie sinnhaft sie sind.


Über den Interviewten:
Ulrich Gallersdörfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und forscht seit 2017 am Lehrstuhl für Software Engineering of Business Information Systems an der Technischen Universität München.

Das Interview veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Branchenportals kryptoszene.de. Das ungekürzte Gespräch finden Sie hier >>

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