Sauren-Gründer Eckhard Sauren (links) und Sauren-Research-Vorstand Michael Viehmann Foto: Sauren

Sauren-Duo im Interview

„Das Wirtschaftsleben muss Stück für Stück nachhaltiger werden“

Sauren hat sich erst vergleichsweise spät entschlossen, den Analyseprozess von Fonds und Managern um den Themenkomplex „Nachhaltigkeit“ zu erweitern. Warum sind Sie nicht früher gestartet?

Eckhard Sauren: Erst einmal ist wichtig zu sagen, dass wir uns schon seit Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt und dieses in den Gesprächen mit Fondsmanagern immer wieder aufgegriffen haben. Aber wir mussten feststellen, dass Nachhaltigkeitsaspekte für viele Manager eher eine untergeordnete Bedeutung hatten – mit Ausnahme des Governance-Bereichs, also der guten Unternehmensführung. Erst in den vergangenen Jahren hat hier ein Umdenken stattgefunden. Damit wurde die Bewertung im Rahmen eines Scoring-Prozesses erst ermöglicht.

Aber es gab doch auch in der Vergangenheit schon Manager, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben.

Michael Viehmann: Auch wenn es nicht alle gerne hören werden: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten alleine macht noch keinen guten Fonds aus – die Verbindung mit einer guten Management-Qualität ist entscheidend. Speziell im Bereich der als nachhaltig vertriebenen Produkte haben wir in der Vergangenheit häufig nicht die Manager-Qualität gefunden, die wir für die Portfolios unserer Dachfonds anstreben. Die breiter angelegte Berücksichtigung des Themas Nachhaltigkeit bei vielen Fondsmanagern hat dies grundlegend geändert.

Was war denn der Antrieb zur Entwicklung Ihres eigenen
Scorings für die Beurteilung?

Sauren: Anfang 2019 haben wir unsere Überlegung intensiviert, wie man die Themen Nachhaltigkeit und Vermögensanlage wirklich sinnvoll im Interesse unserer Kunden verbinden kann. Viele Fondsgesellschaften legen Nachhaltigkeitsratings zugrunde. Dieser Weg hat sich für uns als unzureichend erwiesen.

Das wird viele überraschen. Wie kam es zu dieser Einschätzung?

Viehmann: Nachhaltigkeitsratings werden von privaten Agenturen erstellt und sollen über Noten anzeigen, wie nachhaltig ein Unternehmen agiert. Anders als zum Beispielbei der Kreditwürdigkeit gibt es aber keinen einheitlichen Maßstab, was nachhaltig ist und was nicht. Man sieht oft, dass Ratingagentur A einem Unternehmen ein gutes Zeugnis ausstellt, während Ratingunternehmen B sehr kritisch bewertet. Dieser Widerspruch wurde inzwischen durch viele Studien belegt und wird sogar vom Internationalen Währungsfonds thematisiert. Daraus ergibt sich für uns, dass die üblichen Ratings keine belastbare Basis für eine Bewertung der Nachhaltigkeit von Fonds liefern können.     

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