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Plastikmüllhalde in Indonesien: Etwa 90 Prozent des in die Meere gelangenden Plastikmülls werden in Asien in die Ozeane eingebracht – ein gigantisches Umweltproblem. | © Getty Images

Klimaschutz Wie Investoren zur Begrenzung des Müllproblems beitragen können

Walter Liebe, Senior Investment Advisor, Pictet Asset Management

Die Politik auf der nationalen und internationalen Bühne wird derzeit von zwei mächtigen Themen bestimmt. Neben der Allgegenwärtigkeit der Klimawandel-Diskussion (Greta Thunberg und die „Fridays for Future“-Demonstrationen sind ein Phänomen, das überwiegend in Kontinentaleuropa verfängt) nimmt die Verschmutzung unserer Ozeane mit Plastikmüll einen immer größeren Raum in der Berichterstattung ein. Und dies hat einen guten Grund: Die Menschheit produziert Plastik in exponentiell wachsenden Mengen. In den Jahren 2000 bis 2015 wurde so viel Plastik produziert wie in allen Jahren zuvor zusammengerechnet. Leider hat dieser Plastik-Boom unerwünschte Effekte, denn ein Großteil des Kunststoffs wird für den einmaligen Gebrauch in Form von Verpackungen produziert (40 Prozent, wovon lediglich 14 Prozent dem Recycling zugeführt werden).

Auf Grund unzureichender Entsorgungssysteme landen pro Jahr geschätzte 9 Millionen Tonnen Plastikabfälle im Meer, wo sie sich in riesigen Abfallteppichen sammeln, die viele Tausend Kilometer Durchmesser erreichen können. Etwa 90 Prozent des in die Meere gelangenden Plastikmülls werden in Asien in die Ozeane eingebracht – ein gigantisches Umweltproblem. Einige Forscher rechnen gar damit, dass bei unverändertem Verhalten im Jahr 2050 mehr Müll in unseren Meeren zu finden sein wird als Fische.

Funktionierende Entsorgung als Schutz der Meere

Wenn der westliche Konsument bei diesen Entwicklungen mit dem Finger auf Asien zeigt und dort Veränderungen anmahnt, erfasst er jedoch nur die halbe Wahrheit. So lassen sich auf (unzureichend gesicherten) Mülldeponien in Indonesien und Malaysia verschnürte Bündel aus Plastikmüll mit deutschsprachigem Aufdruck finden – exportierte und nicht wiederverwertete Plastikabfälle aus unserem Land.

Bislang gibt es erste Ansätze, den bereits im Meer befindlichen Plastikmüll aufzufischen und vor einer Zersetzung durch Sonneneinstrahlung und Salzwasser zu bewahren, der aus groben Plastikteilen Mikroplastik werden lässt – der beim Eintritt in die ozeanische Nahrungskette noch weiterreichende Implikationen hat.

Allerdings lassen sich diese Verfahren noch nicht im nötigen Maßstab durchführen, auch sind diese wissenschaftliche Versuche für den Aktienanleger nicht investierbar. Der Investor kann jedoch sehr wohl durch seine Kapitalallokation zu einer Begrenzung des Müllproblems beitragen. Es gibt weltweit eine ganze Reihe börsennotierter Abfallentsorgungsunternehmen, die in ihrem jeweiligen Gebiet – im Einklang mit den geltenden Regulierungen – für das Sammeln und in zunehmendem Maße auch für die Wiederverwertung von Abfällen sorgen. So sind bei dem Entsorger Waste Connection in den USA die Wiederverwertungsquoten in den letzten Jahren auf 50 Prozent, teilweise auf 70 Prozent angestiegen. Eine Abfall- und Rohstoff-Kreislaufwirtschaft ist auch unter ökonomischen Gesichtspunkten lukrativ.

Richtige Abfallentsorgung sichert Grundwasserqualität

Bei Pictet Asset Management sehen wir den Bereich Abfall- und Abwasserentsorgung als Teil der Wertschöpfungskette „Wasser“ an. Nur eine funktionierende Abfallentsorgung kann den Schutz der Grundwasserressourcen und damit die Qualität unseres Trinkwassers sicherstellen. Nach unseren Untersuchungen haben 60 Prozent der Unternehmen in unserem Wasser-Anlageuniversum eine substantielle Geschäftstätigkeit – davon sprechen wir, wenn die Umsatzanteile mindestens 20 Prozent betragen – in der Abfallwirtschaft. Dabei sind neben den spezialisierten Abfallentsorgern wie American Waste, Waste Connection und Waste Management noch eine Vielzahl von (Wasser)Versorgungsunternehmen, die ebenfalls einen Beitrag für die Lösung der Entsorgungsproblematik leisten. Und dies über die Verschmutzung der Ozeane hinaus, denn auch im Binnenland haben Mikroplastik- und Hormonrückstände in Oberflächengewässern und eine Belastung mit Nitraten ernstzunehmende gesundheitliche Folgen, die mit hohem technischen Aufwand beseitigt werden müssen.

Da die Abfallbeseitigungswirtschaft latent anfällig für kontroverses und nicht-regelkonformes Verhalten der Unternehmen ist, ist für ein erfolgreiches Management eine tiefe Kenntnis der Corporate Governance der Zielunternehmen notwendig. Hier ist es von Vorteil, wenn die Aktienauswahl in ohnehin bestehende ESG-Prozesse integriert werden kann.

Entsorgungsunternehmen als spätzyklisches, relativ defensives Investment

Unternehmen aus der Abwasser- und Abfallindustrie werden weithin als „spätzyklisch“ bezeichnet. Damit wird hauptsächlich ihr Performanceverhalten innerhalb eines Börsenzyklus beschrieben, da sie typischerweise dann ihre relative Stärke haben, wenn sich ein langer Bullenmarkt dem Ende zuneigt. In dieser Marktphase werden Titel präferiert, die zwar ein gewisses Umsatz- und Gewinnwachstum aufweisen (was in der Abfallwirtschaft klar der Fall ist), diese Kennzahlen aber weniger stark dem Auf und Ab des Konjunkturzyklus unterworfen ist. Durch langfristige Verträge mit Kommunen und industriellen Auftraggebern sind die Umsätze vergleichsweise gut planbar, weshalb die Aktien über einen Konjunkturzyklus hinweg weniger schwanken. Einen stärkeren Einfluss können regulatorische Unsicherheit oder neue Gesetzesinitiativen haben, die zumeist jedoch lokale Auswirkungen haben. Je breiter das Investment im Entsorgungsbereich aufgestellt ist, desto besser lässt sich das regulatorische Risiko einhegen.

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