Rechtsanwalt Norman Wirth „Feintuning der Vermittler-Richtlinie IDD muss warten“

Andrang im Bundestag: Seine  Abgeordneten haben dem Gesetz  zur IDD-Umsetzung ebenso  zugestimmt wie der Bundesrat | © Getty Images

Andrang im Bundestag: Seine Abgeordneten haben dem Gesetz zur IDD-Umsetzung ebenso zugestimmt wie der Bundesrat Foto: Getty Images

Rechtsanwalt Norman Wirth ist Vorstand des Beraterverbands AfW

Über viele grundsätzliche Regelungen wurde bis zuletzt gerungen. Die Versicherungsmakler können für sich als großen Erfolg verbuchen, dass das zunächst geplante Honorarverbot und die Pflicht zur doppelten Beratung von Kunden durch Makler und Versicherungen nicht Gesetz werden.

Diverse andere Punkte, wie die konkrete Ausgestaltung der 15 Pflichtstunden jährliche Weiterbildung oder die Beratungs- und Dokumentationspflichten bei Versicherungsanlageprodukten, in der Regel fondsgebundenen Versicherungen, sind noch offen. Die Details werden in der noch kommenden Verordnung geregelt.

Der neue Paragraf 34e Gewerbeordnung (GewO) sagt aus, dass die entsprechende Verordnung durch das Bundeswirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Finanz- sowie dem Justiz- und Verbraucherschutzministerium erlassen werden darf. In letzter Sekunde wurde jedoch durch den Bundestag noch eine Änderung in den Paragraf 34e GewO eingefügt, die ganz offensichtlich auch im Interesse einer parlamentarischen Kontrolle über die Exekutive zu sehen ist.

1:1-Umsetzung in deutsches Recht

Nicht auszuschließen ist, dass die Bundestagsabgeordneten damit die Konsequenz aus dem eher missglückten ursprünglichen Gesetzentwurf für die IDD-Umsetzung gezogen haben. Denn die eigentlich avisierte 1:1-Umsetzung der IDD in deutsches Recht wurde letztlich erst durch den Bundestag vollzogen, wohingegen der zuvor von den Ministerien präsentierte Gesetzesentwurf deutlich über dieses Ziel hinausging. 

Prinzip von „Checks and Balances“ 

Das Prinzip von Checks and Balances hat bei dem IDD-Gesetz letztlich gewirkt, und das setzt sich nun mit dem Parlamentsvorbehalt fort. Gut so! Ein solcher Parlamentsvorbehalt ist eher selten und daher umso bemerkenswerter. Derartiges geschieht in der Regel, wenn es um die Ausübung beziehungsweise den Schutz von Grundrechten geht.

Argument der Maklervertreter im Gesetzgebungsverfahren war – gestützt durch ein Gutachten – ein potenziell rechtswidriger Eingriff in das Grundrecht der Berufsfreiheit der Versicherungsmakler. Es scheint, als wolle der Bundestag auch bei der kommenden Verordnung einen solch rechtswidrigen Grundrechtseingriff verhindern. 

Verordnung nicht vor Oktober 

Einzig bedauerlich ist daran, dass sich damit die notwendige Klarheit für die Branche über die Details der IDD-Umsetzung weiter verzögert. Denn der Paragraf 34e GewO sagt nun zum weiteren Ablauf aus, dass der Entwurf der Rechtsverordnung vor ihrem Inkrafttreten erst dem Bundestag für eventuelle Änderungen zugeleitet wird. Das wird jedoch mit Sicherheit erst nach der kommenden Bundestagswahl im Herbst sein. Mit der Verordnung ist also keinesfalls vor Oktober zu rechnen.