Disruption-Fondsmanager „Amazon-Aktie nicht unbedingt überwertet“

Wesley Lebeau: Der Fondsmanager des CPR Invest – Global Disruptive Opportunities (ISIN: LU1530899142) war bis vor einem Jahr auf Technologietitel spezialisierter Portfoliomanager bei Amundi Asset Management in London. | © CPR Asset Management

Wesley Lebeau: Der Fondsmanager des CPR Invest – Global Disruptive Opportunities (ISIN: LU1530899142) war bis vor einem Jahr auf Technologietitel spezialisierter Portfoliomanager bei Amundi Asset Management in London. Foto: CPR Asset Management

DAS INVESTMENT: Der von Ihnen verwaltete globale Themen-Aktienfonds setzt den Schwerpunkt auf Disruption. Wie definieren Sie dieses Anlagethema?

Wesley Lebeau: Am Anfang steht hierbei eine Innovation, die ein Produkt für den Konsumenten billiger oder einfacher zu benutzen macht. Der zweite Effekt ist, dass die Innovation als Gamechanger wirkt und einen neuen Markt schafft. Ein Beispiel hierfür ist Apple. Das Unternehmen brachte mit dem ersten Iphone nicht ein weiteres Produkt auf den Markt für Mobiltelefone, sondern schuf den neuen Markt für Smarthones.

Was unterscheidet Ihren Fonds von einem klassischen Technologie-Branchenfonds?

Mein Anlageuniversum besteht nicht nur aus Technologie-Aktien. Neben den Themen Digital Economy und Industry 4.0 zählen auch die Sektoren Life Science/ Health und Earth zu unseren Investment-Themen. Gemeinsam haben die Portfoliobestandteile aus verschiedenen Sektoren, dass sie disruptiv auf ihre jeweilige Branche wirken und sich damit als langfristiges Investment eignen.

Biotech-Firmen sind sicherlich auch disruptiv für die Gesundheitsbranche. Aber inwiefern gehören Unternehmen aus dem Rohstoffsektor in Ihren Fonds?

Das Investment-Thema Earth ist zwar ungewöhnlich für einen klassischen Tech-Fonds. Aber ich suche für unseren Fonds unter anderem nach Unternehmen, die die Energieproduktion verbessern, indem sie zum Beispiel Kosten reduzieren. Diese vor allem aus den USA stammenden Firmen im Bereich Schieferöl und -gas haben den Weltmarkt für die Energierohstoffe in den vergangenen Jahren stark verändert. So sind die USA vom Ölimporteur zum –exporteur geworden.

Welche weiteren Untersektoren der Energiebranche sind für Ihren Fonds von Interesse?

Vor neue Herausforderungen stellen die traditionellen Energiefirmen auch so genannte Smart-Grids, also intelligente Stromnetze, die Erzeugung, Speicherung und Verbrauch dezentral kombinieren. Und innerhalb der Windenergiebranche suche ich beispielsweise nach Anbietern neuartiger Materialien. Denn die Windparks der Zukunft müssen auch extremen Wetterbedingungen in der arktischen See standhalten. Eine disruptive Entwicklung ist nicht zuletzt auch die Entwicklung neuartiger Batterien, bei deren Herstellung Metalle recycelt werden.

Stichwort Batterietechnik: Welche Rolle spielt in Ihrem Fonds die E-Mobilität, die zukünftig den Verbrennungsmotor verdrängen könnte?

Unser aktuell viertgrößter Einzelwert im Fonds ist die Aktie von Alphabet. Sie machte zum Stichtag 30. August einen Anteil von 3,7 Prozent des Portfolios aus insgesamt 87 Titeln aus. Denn der breit aufgestellte Goolge-Mutterkonzern ist unter anderem über seine Tochtergesellschaft Waymo im Markt für selbstfahrende elektrische Automobile aktiv.

Alphabet ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp unter 30 geradezu durchschnittlich bewertet. Aber andere Tech-Giganten wie beispielsweise Amazon, das ein KGV von über 100 aufweist, gelten als relativ hoch bewertet.

Amazon ist ein gutes Beispiel für Disruption, in diesem Fall der Einzelhandelsbranche. Das Unternehmen wächst und wird mit seinem sehr erfolgreichen Geschäftsmodell auch in 15 Jahren noch am Markt sein. Daher scheint mir die Aktie nicht unbedingt als überwertet. Amazon ist allerdings nicht in unserem Fonds enthalten. Aus dem Einzelhandelssektor haben wir aber unter anderem die Aktie des US-Möbelhändlers Wayfair im Portfolio.