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Junge Landwirtinnen Foto: IMAGO / Westend61
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Blockchain und Lebensmittel

Die Lieferkette in Nahaufnahme

Im Jahr 2025 werden etwa 20 Prozent der zehn weltweit größten Lebensmittelhändler die Blockchain nutzen, so die jüngsten Prognosen. Die Technologie war ursprünglich als Netzwerk für den Handel von Kryptowährung gedacht. Diese Form von „Distributed-Ledger-Technologie“, also „dezentrale Kontobücher“, wird zunehmend auch in anderen Bereichen eingesetzt.

Die Blockchain-Technologie könnte der Nahrungsmittelindustrie zu Ertragsoptimierung, Lieferketteneffizienz und mehr Transparenz vom Erzeuger zum Verbraucher verhelfen. Das könnte den Ernährungsproblemen auf der Welt gegensteuern.

Allein Effizienzlücken zwischen Erzeugern und Lieferanten kosten schätzungsweise 60 Milliarden US-Dollar jährlich. Hat ein Erzeuger beispielsweise keinen automatisierten Prozess, der ihm den Bedarf seiner Händler meldet, erntet er seine Erzeugnisse womöglich früher als nötig, um eigene Liquiditätsengpässe zu verringern. Das Ergebnis: Geringere Ernteerträge von minderer Qualität. Das schadet nicht nur dem Unternehmen, sondern hat auch weitreichende Folgen für die Umwelt. Wenn schädliche Treibhausgasemissionen minimiert werden sollen, muss die Nutzung aller Anbauflächen optimiert werden.

Nachhaltige Lebensmittel im Fokus der Verbraucher

Veränderte Erwartungen der Verbraucher setzen die Industrie zunehmend unter Druck. Nachhaltigkeit ist zu einem wichtigen Thema geworden. Käufer möchten wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie in das Supermarktregal gelangt sind. Durch das stärkere Bewusstsein für Lebensmittelsicherheit und -beschaffung dürfte durchgängige Transparenz zu einem relevanten Faktor werden, sowohl bei Verbrauchern als auch bei der Lebensmittelregulierung.

Die Blockchain-Technologie stellt Lebensmittelhändlern alle Instrumente für die Erfassung und Analyse dieser Informationen bereit. Dazu wird jeder einzelnen Ware eine digitale Identität zugewiesen – ähnlich wie ein Personalausweis. Einzelhändler erhalten anhand dessen Einblicke in die Wertschöpfungskette und Verbraucher gewinnen damit wieder Vertrauen in die Qualität und Frische der Produkte.

Nestlé, das weltgrößte Lebensmittel- und Getränkeunternehmen, hat bereits 2017 als Gründungsmitglied des IBM Food Trust mit der Blockchain-Technologie experimentiert. 2019 schloss das Unternehmen eine Partnerschaft mit der französischen Supermarktkette Carrefour und IBM, um Käufern vom Kartoffelpüree der Marke Mousline mehr Einblick in die Wertschöpfungskette zu gewähren.

„Nachhaltigkeit ist gut für den Planeten, sie ist gut für die Menschheit, aber sie ist auch grundlegend für unser Unternehmen“, so Mario Batato, Head of Operations bei dem Lebensmittelriesen. Für ihn ist Blockchain-Technologie ein „Weg, den Verbrauchern unsere Transparenz mit Fakten und Zahlen konkret vor Augen zu führen.“

Nestlé ist entschlossen, mit diesen ersten Vorstößen in die Blockchain-Technologie einen breiteren Einsatz einzuläuten, der das Unternehmen auf seinem Weg zu mehr Transparenz und zur Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsagenda ein großes Stück nach vorn bringt.

Transparenz und Glaubwürdigkeit als Renditetreiber

Auch der internationale Einzelhandelskonzern Walmart hat damit begonnen, ein auf Blockchain basiertes Rückverfolgungssystem zu entwickeln. Der Hintergrund: In der Bevölkerung wachsen die Bedenken hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit nach einigen Fällen von lebensmittelbedingten Erkrankungen in den USA. Ein solcher Schritt ist nur schwer in künftigen Renditen zu messen, aber Transparenz und Glaubwürdigkeit können sich für moderne Marken enorm bezahlt machen.

Für einen vollständigen, offenen und ehrlichen Dialog müssen Unternehmen jedoch in der Lage sein, wirklich jede Etappe des Weges, den ihre Produkte nehmen, zurückzuverfolgen. Blockchain-Technologie entwickelt sich in schnellem Tempo zu einem entscheidenden Bindeglied, das der Lebensmittelindustrie – und den Verbrauchern – genau diese Einblicke und Kontrolle ermöglicht.

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