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Abgestorbene Fichten im Bayerischen Wald Foto: IMAGO / imagebroker
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Holz als Anlagethema

Verpackungsmaterial statt Zeitungspapier

Walter Liebe, Pictet AM

Wer alt genug ist, erinnert sich noch daran, dass es vor 20 Jahren in Deutschland bereits Diskussionen über das Waldsterben gab. Saurer Regen ließ Teile des deutschen Waldes absterben. Damals kam es verbreitet zu Kronenverlichtungen, in einigen stark betroffenen Gebieten sogar zum Absterben ganzer Bestände. Die Schuldigen waren schnell ausgemacht: Schwefeldioxid-Abgase aus der Industrie und den Kohlekraftwerken in Osteuropa, die sich über weite Teile des Kontinents verbreiteten.

Der Wald wird umgebaut

Seit einigen Jahren beobachten wir eine ähnlich besorgniserregende Entwicklung, die bereits als neues Waldsterben bezeichnet wird. Der Klimawandel macht den Wäldern zu schaffen. Das Problem ist dabei weniger die steigende Temperatur als der Mangel an Niederschlägen. Gerade Fichten, die als wichtigste Nutzholzbaumart in Deutschland gelten, leiden besonders stark unter fehlendem Regen. Denn während gesunde Fichten durch verstärkten Harzfluss und Feuchtigkeit unter der Rinde den Borkenkäfer in Schach halten, haben die Käfer aufgrund der anhaltenden Trockenheit bei den geschwächten Bäumen leichtes Spiel. Die Borkenkäfer setzen den Fichten so stark zu, dass sie absterben und anschließend gefällt werden müssen.

Doch was heißt das für den deutschen Wald? Wird Deutschland seine Wälder, oder zumindest seine Fichten, verlieren? Die kurze Antwort lautet: nein.

Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich Fichten nur noch nahe ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets kultivieren lassen, also in den höheren Lagen der deutschen Mittelgebirge und der Voralpen. Im Flachland sollte die Forstwirtschaft verstärkt auf die einst vorherrschenden Laubbaumarten wie Buche und Eiche setzen. Als Nadelholzbaumarten könnten sich hier Kiefern oder Douglasien eignen.

Die gute Nachricht: Die Forstwirtschaft kann durchaus auf den Klimawandel reagieren. Die deutschen Wälder dürften in Zukunft wieder etwas heller, durchmischter und biodiverser werden. Allerdings wird dieser Wandel viel Zeit in Anspruch nehmen, da sich ein Baum von der Pflanzung bis zur Ernte etwa 60 bis 100 Jahre Zeit lässt – unter Umständen sogar noch deutlich länger.

Zellulose – eine echte Alternative

Doch seit Menschen den Wald wirtschaftlich nutzen, musste sich die Forstwirtschaft immer wieder neu erfinden. So schaffte man vor ein paar Hundert Jahren in den Alpenländern den Übergang von einer weitverbreiteten Übernutzung hin zu einer langfristig nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Dadurch wurde auch die Idee und der Begriff der Nachhaltigkeit begründet.

Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern durchläuft die gesamte Forstindustrie derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Für viele nordische Unternehmen war die Papierherstellung lange Zeit ein verlässliches Geschäft. Die aufkommende Digitalisierung und die sozialen Medien haben Zeitungen jedoch stark zugesetzt, sodass die Nachfrage nach Papier zurückgeht.

Die Corona-Krise und das Homeoffice haben diese Abwärtsspirale noch einmal beschleunigt. So ist im zweiten Quartal des vergangenen Jahres die Papier-Nachfrage um knapp ein Drittel eingebrochen. Auf diese Entwicklung haben viele Konzerne aus Skandinavien rasch reagiert. Seit Jahren betreiben sie ihre herkömmlichen Papiermühlen vor allem als „Cash-Maschinen“ und investieren das Geld in neue, stark wachsende Bereiche wie die Herstellung von Wellpappe und andere Verpackungsformen – man denke bloß an das exponentielle Wachstum des Online-Handels und die Bemühungen, Plastik als Verpackungsmaterial durch nachhaltigere Materialien zu ersetzen.

Ein weiterer vielversprechender Bereich für neue Investitionen: die Herstellung von Zellstoff. Zellulose wird nur noch zu geringen Teilen bei der Herstellung von Druckpapieren genutzt. Stattdessen kommt sie bei der Produktion von Hygienepapieren, den genannten Verpackungspapieren und als Viskose in der Textilindustrie zum Einsatz. Hier wird sie als nachhaltigere Alternative zu Polyester, dessen Fasern beim Waschen als Mikroplastik ins Abwasser gelangen, und Baumwolle, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter großem Wasser- und Pestizideinsatz angebaut wird, genutzt.

Ein neuer Megatrend entsteht

Die angepeilte Dekarbonisierung der Wirtschaft ist ohne die Forstwirtschaft nicht denkbar. So nehmen die Europäischen Wälder mehr CO2 auf als sie abgeben können und durch Holzalternativen können Emissionen bei der Herstellung fossiler Produkte vermieden werden. Aufaddiert kompensiert die europäische Forstindustrie rund 20 Prozent der gesamten europäischen CO2-Emissionen. Diese Klimaleistung dürfte früher oder später in Form von höheren Produktpreisen und Gewinnen an die Forstwirtschaftsunternehmen und deren Eigentümer zurückfließen.

Ein weiterer vielversprechender Wachstumsbereich für die Forstwirtschaft ist die Bio-Ökonomie. Im Green Deal der Europäischen Union, aber auch in den Bemühungen vieler anderer Länder ist nicht nur von erneuerbaren Energien die Rede, sondern von einem umfassenden Umbau der Wirtschaft hin zu einer geschlossenen und damit ressourcenschonenderen Wirtschaftsweise.

Ein Beispiel: Am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt investiert das finnische Unternehmen UPM-Kymmene derzeit 550 Millionen Euro in eine industrielle Bio-Raffinerie mit einer Produktionskapazität von 220.000 Tonnen pro Jahr. In der Anlage entsteht aus Laubholz eine neue Generation von nachhaltigen, chemischen Grundstoffen. Damit soll der Umstieg von fossilen Rohstoffen auf nachhaltige Alternativen bei einer Vielzahl an Produkten des täglichen Bedarfs ermöglicht werden. Am Standort Lappeenranta in Südfinnland unterhält das Unternehmen bereits eine Industrieanlage zur Herstellung von Biodiesel mit einer jährlichen Kapazität von 130.000 Tonnen. Der hergestellte Kraftstoff ist dabei zu hundert Prozent holzbasiert und emittiert bei seiner Verbrennung knapp 80 Prozent weniger Emissionen als herkömmlicher Diesel.

Manch ein Anleger fragt sich da, wie er an diesem interessanten, nachhaltigen Megatrend partizipieren kann. Neben selektiver Anlage in einzelne Unternehmen, aus Risiko- und Diversifikationsgründen aber kaum zu empfehlen, gibt es mit dem Pictet-Timber den weltweit einzigen, aktiv verwalteten Fonds, der die ihm anvertrauten Anlegergelder in Höhe von knapp 500 Millionen Euro gezielt in die forstwirtschaftliche Wertschöpfungskette investiert.

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