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Pauline Grange (Gastautorin)Lesedauer: 4 Minuten

Nachhaltige Vorreiter Die Textilindustrie entdeckt die Kreislaufwirtschaft

Sportschuhe von Adidas auf Fußballrasen
Sportschuhe von Adidas auf Fußballrasen: Um Nachhaltigkeit zu fördern, hat der Sportartikelhersteller in mehreren Ländern Schuhreparatur-Stationen eingerichtet. | Foto: imago images / Pressefoto Baumann
Pauline Grange, Foto: Columbia Threadneedle

Ich gebe zu, ich liebe es, Kleidung zu kaufen. Aber meine Modekäufe sind zunehmend mit Gewissensbissen behaftet. Denn die Textilindustrie ist weltweit einer der größten Umweltsünder. Jährlich werden rund 100 Milliarden Bekleidungsartikel verkauft. Das entspricht einem Anstieg von ungefähr 50 Prozent im Vergleich zu 2006. Dies geht zu großen Teilen auf den Aufstieg der sogenannten „Fast Fashion“ zurück, das heißt aktuelle Modeartikel zu günstigen Preisen. Tatsächlich stößt die Branche mittlerweile mehr CO2 aus als die Luft- und Schifffahrtsbranchen zusammen. Zudem verbraucht sie 79 Milliarden Kubikmeter Frischwasser pro Jahr und ist für rund 20 Prozent der Industrieabwässer verantwortlich.

Leider werden jedoch nur sehr wenige der innerhalb der Branche hergestellten Güter recycelt oder wiederverwendet. Der Großteil landet auf Mülldeponien oder wird innerhalb eines Jahres nach der Produktion verbrannt. Laut der Ellen MacArthur Foundation produziert die globale Modebranche rund 53 Millionen Tonnen an Fasern pro Jahr, von denen über 70 Prozent letztlich in den Müll oder in Verbrennungsöfen wandern. Weniger als ein Prozent werden zur Herstellung neuer Bekleidungsartikel wiederverwendet. 

Verändertes Konsumverhalten

Das erhöhte Bewusstsein über die umweltschädlichen Auswirkungen der Textilindustrie hat einen Wandel vieler Konsummuster nach sich gezogen – ich persönlich kaufe mittlerweile weniger, dafür qualitativ höherwertige Artikel ein. Darüber hinaus bin ich von meiner eher zurückhaltenden Einstellung gegenüber Second-Hand-Bekleidungskäufen abgerückt und begebe mich nun mit Freude auf die Suche nach Schnäppchen auf Online-Plattformen oder in lokalen Wohltätigkeitsläden. Und damit scheine ich nicht allein zu sein: 70 Prozent der Frauen haben entweder schon mal Second-Hand-Käufe getätigt oder stehen diesen nun offen gegenüber. 2016 lag diese Zahl noch bei 45 Prozent.

Als Folge verzeichnen Plattformen für den Verleih oder den Wiederverkauf von Modeartikeln ein starkes Wachstum. Ein Beispiel für solch eine erfolgreiche Wiederverkaufsplattform ist „Mercari“. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr in zwei seiner wichtigsten Märkte, Japan und den USA, stark gewachsen. Dabei nahm sowohl die Zahl der Nutzer als auch die Aktivität auf der Plattform des Unternehmens zu.

Gleichzeitig nimmt auch die Regulierung zu, um einer Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Darunter der Circular Economy Action Plan der Europäischen Union, der darauf abzielt, die Produktion und den Konsum weg vom linearen „Take, Make, Dispose“-Modell und hin zu einer zirkulären Nutzung von Produkten und Materialien zu lenken.

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