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Börsengehandelte Indexfonds im Überblick
Diese 5 ETF-Arten solltest du unbedingt kennen
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Leon Rygol, Barbara Bocks

Börsengehandelte Indexfonds im Überblick Diese 5 ETF-Arten solltest du unbedingt kennen

Indische Frauen vor dem Holi-Fest in Kalkutta
Indische Frauen vor dem Holi-Fest in Kalkutta: Unter den verschiedenen ETF-Arten ist auch für Anleger, die speziell in Indien investieren möchten, das Passende dabei.
© Imago Images / Pacific Press Agency

Anleger hatten im Jahr 2021 weltweit knapp 10 Billionen US-Dollar in rund 8.550 verschiedene ETFs investiert. Diese Zahlen hat das Team von Statista ermittelt.

Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelte Indexfonds, sind bei Anlegern so beliebt, weil sie günstig und transparent sind. Sie bilden einen Börsenindex automatisiert so genau wie möglich nach. Was für ein Index nachgebildet wird, unterscheidet sich von ETF-Art zu ETF-Art. Diese lassen sich in fünf Haupttypen unterteilen.

ETF-Arten im Überblick

  • Themen-ETFs
  • Strategie- und Smart-Beta-ETFs
  • Länder- und Regionen-ETFs
  • Aktien-ETFs
  • Anleihen-ETFs

Themen-ETFs: Nachhaltige ETFs sind sehr beliebt

Der Begriff Themen-ETF beschreibt einen ETF, der Firmen enthält, die sich einem bestimmten Investmentthema, wie beispielsweise Nachhaltigkeit, Blockchain-Technologie oder Gaming widmen.

Ein Themen-ETF kann Unternehmen enthalten, die 

  • aus einem bestimmten Sektor wie der Automobil- oder Lebensmittelbranche stammen
  • oder die einen technologischen Trend wie Künstliche Intelligenz verfolgen, der für wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen sorgt.
 

ETFs, die sich beispielsweise auf das Trendthema Nachhaltigkeit konzentrieren, gibt es einige. Die sogenannten ESG-Kriterien, also Environment, Social und Governance, einzuhalten, haben sich viele Indexfonds-Anbieter auf die Fahne geschrieben.

Woran du wirklich nachhaltige ETFs und Fonds erkennst, hat Marie Kuhn von Greenpeace uns im Interview verraten.

  • Du kannst über Themen-ETFs beispielsweise in Firmen investieren, die nachhaltig mit der Umwelt umgehen (Environment).
  • Es gibt aber auch nachhaltige ETFs mit Unternehmen, die besonderen Wert darauf legen, ihre Mitarbeitenden verantwortungsvoll zu behandeln (Social)
  • oder ihre Unternehmensprozesse nachhaltig gestalten (Governance).

Nachhaltige Geldanlagen selbst unterscheiden sich oftmals auch nach Weltregionen und bestimmten Themenschwerpunkten.

 

So gibt es beispielsweise ETFs mit Unternehmen, die den Klimawandel bekämpfen oder die im Bereich der Erneuerbaren Energien in Europa unterwegs sind.

Ein Beispiel für einen nachhaltigen ETF ist der Xtrackers MSCI Europe Energy ESG Screened UCITS ETF 1C.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Ziel des Fonds ist es, die Wertentwicklung des MSCI Europe Energy ESG Screened Index abzubilden.

Dafür investiert der Fonds in den überwiegenden Teil der im Index enthaltenen Wertpapiere.

Basierend auf dem MSCI Europe Energy Index erfüllt der MSCI Europe Energy ESG Screened-Index die ESG-Kriterien. Der ETF enthält die Positionen, die nach dem Global Industry Classification Standard dem Energiesektor angehören.

Die ETF-Art Strategie-ETF bildet gewichtete Indizes nach

Der Unterschied zwischen ETFs und Fonds ist, dass ETFs automatisiert einen Index nachbilden. Manager von Fonds setzen dagegen gezielt auf bestimmte Unternehmen, die zu ihren Überzeugungen passen, wobei sie an keinen Index gebunden sind.

Dabei setzen aktive Fondsmanager beispielsweise auf:

  • Firmen, die stark wachsen: Growth-Strategie
  • Firmen, die hohe Dividenden auszahlen: Dividenden-Strategie
  • kleinere Unternehmen: Small-Cap-Strategie
  • Trends und Tendenzen auf den Märkten: Trending-Strategie
  • Unternehmen mit hohem Wert bei niedriger Kapitalmarktbewertung: Value-Strategie

Die amerikanische Investmentlegende Warren Buffett ist wohl der bekannteste Value-Investor am Kapitalmarkt.

 

ETFs dieses Typs, die die Strategien von Fondsmanagern nachbilden, heißen daher Strategie-ETFs oder auch Smart-Beta-ETFs.

Anders als herkömmliche ETFs setzen Smart-Beta-ETFs darauf, einen speziellen Index mit bestimmten Gewichtungen beispielsweise nach Qualität, Unternehmensgröße etc. nachzubilden.

Das Ziel dabei: höhere Gewinne als der ursprüngliche Index zu erzielen.

Ein Beispiel für einen solchen Smart-Beta-ETF nach der sogenannten Quality-Strategie ist der iShares Edge MSCI World Quality Factor UCITS ETF.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Für diese Smart-Beta-Anlagestrategie gewichtet der vorgestellte ETF Unternehmen aus dem MSCI World-Index stärker, die beispielsweise seit Längerem stabile Gewinne erwirtschaften, eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen und gering verschuldet sind. 

Auch Firmen, die ihr Kapital effizient nutzen, beispielsweise indem sie hohe Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung tätigen, um damit in Zukunft höhere Umsätze zu erwirtschaften, sind in dem ETF übergewichtet.

Denn gerade diese Unternehmen werden häufig unterschätzt, da ihre Zahlen im Vergleich zu Firmen, die mehr auf ihre Kosten achten, auf den ersten Blick schlechter erscheinen.

Mit welchen weiteren Strategien Smart-Beta-ETFs noch versuchen, die normalen ETFs zu schlagen, kannst du hier nachlesen.

Länder- und Regionen-ETFs: Geografische Schwerpunkte setzen

Unter den knapp 8.500 ETFs weltweit gibt es auch einige, mit denen du gezielt in Firmen aus bestimmten Wirtschaftsregionen und Länder investieren kannst.

Mit dieser ETF-Art kannst du dein Geld beispielsweise nur auf bestimmten Kontinenten wie Europa oder Asien oder ausschließlich in ein bestimmtes LAnd wie Indien investieren.

 

In seinem Artikel zum Schwellenland Indien zeigt unser Redakteur Sven Stoll die Chancen und Risiken von einem Investment dort auf: Nicht nur Apple, sondern auch Unternehmen wie Samsung und der chinesische Elektronikkonzern Xiami produzieren ihre Produkte mittlerweile dort. 

Stark verunsichert haben die Investoren aber beispielsweise die jüngsten Anschuldigungen gegen den indischen Milliardär Gautam Adani. Er soll seit Jahrzehnten Bilanz- und Börsenmanipulation betrieben zu haben, weist dies aber zurück. 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Der größte ETF, mit dem Investoren in die indische Wirtschaft investieren können, ist der iShares MSCI India ETF mit einem Fondsvolumen von knapp 1,3 Milliarden Euro.

Mit einem Investment in diesen ETF hast du 113 indische Unternehmen im Depot. Diese Firmen stehen für etwa drei Viertel des indischen Aktienmarktes.

Vor allem große Firmen wie Infosys und Finanzdienstleister wie die Icici Bank sind in dem Indexfonds enthalten.

Der passive Indexfonds wurde im Mai 2018 aufgelegt und hat seitdem um rund 45 Prozent zugelegt. Die laufenden Kosten liegen bei 0,65 Prozent jährlich.

ETF-Arten auf Anlageklassen: Aktien- und Anleihen-ETFs

Eine weitere wichtige Unterscheidung bei ETFs wird vorgenommen nach den Anlageklassen, in die sie investieren. So unterscheiden viele Indexfonds beispielsweise, ob sie in Aktien oder Anleihen investieren.

Dieses Kriterium lässt sich auch mit den ETF-Typen zuvor kombinieren. So gibt es beispielsweise Aktien-ETFs, die nur in Firmen aus bestimmten Regionen oder nach einer bestimmten Strategie investieren.

Bei Aktien-ETFs gibt es die größte Auswahl

Mit Aktien-ETFs hast du die Möglichkeit, anstatt in Einzelaktien, in eine ganze Reihe von Wertpapieren zu investieren.

Das mindert in der Regel das Risiko und sorgt gleichzeitig dafür, dass du nicht ständig die Börse im Blick behalten musst, um einzelne Titel zu kaufen oder zu verkaufen.

Allerdings kannst du dadurch auch keine Rendite erzielen, die höher als die Performance des Index ist. Das geht nur mit riskanteren Einzelaktien.

 

Zu den bekanntesten Aktien-ETFs gehören die ETFs auf den Weltindex MSCI World.

Die Abkürzung MSCI steht für: Morgan Stanley Capital International. Der MSCI World deckt etwa 85 Prozent der Marktkapitalisierung aus 23 Industrienationen ab und enthält Aktien von knapp 1.500 großen und mittelgroßen Unternehmen. 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Der Beispiel-ETF ist der MSCI World Index UCITS-dist vom Anbieter Lyxor. Der Indexfonds hat das Ziel, den Referenzindex MSCI World so genau wie möglich über Derivate abzubilden.

Neben dem MSCI World gibt es auch noch den MSCI Emerging Markets und den wenig bekannten MSCI ACWI.

Die Abkürzung ACWI steht für All Countries World Index. Dieser Index ist noch breiter aufgestellt als der Klassiker MSCI World. Denn er enthält neben Firmen aus Industrienationen auch Unternehmen aus Schwellenländern und ist damit von den drei MSCI-Indizes mit knapp 2.900 Firmen am breitesten aufgestellt.

Anleihe-ETFs als Alternative zu direkten Anleihe-Investments

In Anleihe-ETFs, auch Bond-ETFs genannt, können von konservativen Staatsanleihen bis hin zu Unternehmensanleihen, die stark im Wert schwanken können, alle Arten von Anleihen enthalten sein.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Unternehmensanleihen sind riskanter, weil Firmen grundsätzlich nicht die gleiche Bonität wie Staaten aufweisen können, und damit stärker von Zinsänderungsrisiken betroffen sind.

Ein Beispiel für einen Anleihe-ETF ist der WisdomTree USD Floating Rate Treasury Bond UCITS ETF USD.

Der ETF bildet die Wertentwicklung von variabel verzinslichen US-Staatsanleihen nach. Das Ziel des ETF ist es, die Preis- und Rendite-Entwicklung des Bloombay Barclays US Treasury Floating Rate Bond Index vor Gebühren und Aufwendungen nachzubilden.

Aktien-ETFs von allen ETF-Typen am beliebtesten

Knapp jeder dritte Befragte (34 Prozent) einer Umfrage von ebase im Januar will sein Geld in ETFs stecken.

Von allen ETF-Arten sind Aktienfonds-ETFs beispielsweise auf den Dax oder den MSCI World bei Anlegern am beliebtesten. Das war auch schon in den Vorjahren so. Am zweitbeliebtesten sind Strategie-ETFs. 

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