Blackrock-Vorstand Laurence "Larry" Fink Foto: IMAGO / Xinhua

Offener Brief vom Blackrock-Chef

„Höchste Priorität hat der Klimawandel“

In einem offenen Brief hat sich Blackrock-Chef Larry Fink in diesem Januar einmal mehr weltweit an die Vorstände von Unternehmen gewandt, in die der US-Asset-Manager investiert. Ein solches Schreiben versendet Fink regelmäßig zu Jahresbeginn, es geht jeweils um ein Kernanliegen des Asset Managers. Zentrales Thema ist diesmal der Klimaschutz – und die Forderung, dass jedes einzelne Unternehmen Maßnahmen ergreifen sollte, um sich ökologisch nachhaltig aufzustellen.

„Kein anderes Thema hat für unsere Kunden höhere Priorität als der Klimawandel. Fast täglich erreichen uns dazu Fragen“, schreibt Fink. Das Thema habe auch angesichts der Corona-Pandemie nicht an Wichtigkeit eingebüßt, es trete in der öffentlichen Wahrnehmung sogar noch deutlicher zutage. Was sich auch in den Kapitalflüssen bemerkbar mache: 2020 hätten Anleger gegenüber dem Vorjahr 96 Prozent mehr Mittel in Nachhaltigkeitsfonds investiert, so Fink.

Unternehmen sollten auf dieses Investoren-Anliegen unbedingt reagieren, fordert Fink. „Es gibt kein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nicht fundamental vom Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft betroffen sein wird“, räumt der Blackrock-Chef ein. Das Ziel, bis Jahrhundertende nur weniger als 2 Grad menschengemachte Erderwärmung zu verursachen, sei aber nur mit gemeinschaftlicher Anstrengung zu erreichen. Auch Investoren hätten das verinnerlicht. Bei Unternehmen, die die nötigen Anpassungen auf die lange Bank schöben, würden „das Geschäft und die Bewertung leiden“, prognostiziert Fink.

Die Unternehmen sollten auch transparent darlegen, auf welche Weise sie ihr Geschäftsmodell nachhaltig umgestalten wollten. „Wir fordern Sie auf darzulegen, wie Sie diesen Plan in Ihre langfristige Geschäftsstrategie einbinden und wie Ihr Aufsichtsrat die Einhaltung überprüfen wird“, schreibt Fink. Um die Maßnahmen auch für Investoren sichtbar zu machen, sollten sich Firmen an einen einheitlichen Berichtsstandard halten, heißt es in dem Brief weiter. Der Blackrock-Chef empfiehlt namentlich, sich in Nachhaltigkeitsberichten an die Empfehlungen der Task-Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und die Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) zu halten.

Blackrock selbst wolle auf Basis der zukünftig von den Unternehmen erhofften Daten demnächst eine Klimakennzahl („Temperature Alignment Metric“) für seine Portfolios einführen.

„Je besser Ihr Unternehmen seinen Zweck erfüllt, indem es Werte für seine Kunden, Mitarbeiter und das Gemeinwesen schafft, desto eher werden Sie wettbewerbsfähig sein und dauerhaft Gewinne für Ihre Aktionäre erwirtschaften können“, mahnt Fink.

Die Kriterien „Social“ und „Governance“ – neben dem Umweltfaktor E ebenfalls im investmentbezogenen Akronym ESG enthalten – erwähnt Fink nur am Rande. Eine harte Grenze zwischen Nachhaltigkeitskategorien zu ziehen, halte er für unangebracht. Allerdings sollten Unternehmen auch andere Aspekte jenseits des Klimathemas berücksichtigen: „Machen Sie in Ihren Nachhaltigkeitsberichten bitte auch umfassende Angaben zu Ihrer Personalstrategie“, fordert Fink die Firmenlenker auf – so dass Investoren daraus die individuellen Pläne „für mehr Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion“ ablesen könnten.

Die Fondsgesellschaft Blackrock ist mit einem verwalteten Volumen von umgerechnet rund 7,2 Billionen Euro größter Fondsanbieter der Welt. Für deutsche Kunden verwaltet Blackrock nach eigener Darstellung rund 170 Milliarden Euro. Der Investorenbrief von Blackrock-Chef Larry Fink wird Jahr für Jahr aufmerksam wahrgenommen. Im vergangenen Jahr hatte Fink schon einmal den Klimawandel thematisiert, im Jahr zuvor ging es um Blackrocks Absicht, zukünftig stärker als aktiver Investor aufzutreten.

Hier geht es zum Brief im Original >>

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