Sharing Economy mit ESG-Ansatz Co-Working wird länderübergreifend

„Common Area“ eines Coworking- und Büroraumanbieters: Simple Lösungen für eine immer komplexer werdende Welt. | © WeWork

„Common Area“ eines Coworking- und Büroraumanbieters: Simple Lösungen für eine immer komplexer werdende Welt. Foto: WeWork

Die Sharing Economy hat in vielen Branchen einen disruptiven Prozess in Gang gesetzt: Airbnb bei Hotels, Uber bei Taxis und Zipcar bei Mietwagen. Eine traditionelle Branche, die sich im Umbruch befindet, ist der Büromarkt. Hier wächst das Angebot von Coworking-Flächen weltweit. Wie in klassischen Büros finden sich auch in Coworking-Spaces Schreibtische, Sitzungsräume und andere Büroeinrichtungen. In der Regel werden sie jedoch nicht von den Angestellten eines Unternehmens, sondern von Freiberuflern genutzt, die in einem gemeinschaftlichen Umfeld arbeiten möchten.

2009 gründeten vier Studenten eine Coworking-Community, die 2011 ein neuartiges Büroflächenkonzept für sozial engagierte Unternehmer auf den Markt brachte. Weil die Gründer überzeugt waren, dass die größten Herausforderungen der Welt niemals von einer einzelnen Person oder Organisation gelöst werden können, bauten sie unter dem Namen Impact Hub Zürich ein erfolgreiches Innovations-Ökosystem auf. Hier können Menschen aus unterschiedlichen Organisationen, Kulturen und Generationen gemeinsam an Lösungen für diese Herausforderungen arbeiten.

Co-Working in der Community

Heute hat Impact Hub Zürich drei Standorte in der Stadt und mehr als 1.000 Mitglieder sowie 50 Mitarbeitende. Die Kosten für die Mitgliedschaft richten sich nach der Zahl der Tage, an denen die Coworking-Fläche genutzt wird; die Spanne geht dabei von null Tagen mit reiner Community-Mitgliedschaft bis hin zu unbegrenzter Nutzung mit eigenem Schreibtisch. Den Mitgliedern steht ein persönlicher Betreuer zur Seite, der ihnen bei der Entwicklung eines Netzwerks und bei der Erreichung ihrer Ziele sowie beim Zugang zu allen Impact Hubs in der Schweiz (Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich) hilft. Community-Mitglieder des Impact Hub Zürich wirken laut Christoph Birkholz an bedeutsamen Impact-Projekten mit. „Im Jahresverlauf 2017 haben wir 1.500 neue Voll- zeitstellen und rund 350 Start-ups oder neue Projekte geschaffen, das bedeutet fast eines pro Tag. Innerhalb der Community wurden 10.000 wertvolle Verbindungen geknüpft. Das sind Beziehungen, die den Mitgliedern bei ihren Projekten oder ihrer Arbeit zu Fortschritten verholfen haben.“

Projekte aus dem Impact Hub

„Mit Labster hat der Impact Hub Zürich ein zukunftsweisendes Mitglied in seinen Reihen, das die sozialen und technischen Aspekte unserer Tätigkeit vereint. Labster baut digitale Labore für Universitäten. Studenten und Forscher können so von ihrem Laptop aus eine virtuelle 3D-Laborumgebung am MIT oder an der ETH betreten. Labster bietet mittlerweile genügend Inhalte für den weltweit ersten Online-Bachelor-Abschluss in Biologie, und zwar gemeinsam mit Google und der Arizona State University, der auch über VR-Brillen zugänglich ist. Labster verfügt über mehr als 20 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln und beschäftigt weltweit fast 100 Mitarbeitende.“

Ein weiteres erfolgreiches Unternehmen ist ElectricFeel, das ein Betriebssystem für den Verleih von E-Bikes und E-Rollern in Städten wie Barcelona, Madrid, Rom und Basel entwickelt und betreibt. Die Mitglieder des Gründungsteams trafen sich im Impact Hub Zürich. Mittlerweile umfasst die Flotte 5.000 mit sauberer Energie betriebene E-Fahrzeuge in elf Städten.

Die in Bern gegründete NRO Powercoders, die ihre finanziellen Mittel aus philanthropischen und öffentlichen Quellen bezieht, ist ein weiteres Beispiel für Innovativität. Sie bietet seit mehr als einem Jahr Programmierkurse für Flüchtlinge an, die sie dann als Praktikanten an Technologieunternehmen vermittelt. Eine Ausweitung des Programms im Ausland ist geplant.

Ein ungewöhnliches Merkmal der Impact Hubs ist ihre dezentrale Struktur: Im Gegensatz zu anderen Coworking-Anbietern gibt es bei ihnen kein etabliertes Zentrum. „Wir sind keine Organisation mit festen Hierarchien, sondern ein Netzwerk, das Gleichrangige untereinander verbindet“, erklärt Christoph Birkholz. „Europa ist immer noch die Region, in der es am meisten Impact Hubs gibt. Allerdings ist der Anteil jetzt auf 40 Prozent zurückgegangen, da das Netz vor allem in Afrika und Süd- und Nordamerika (einschließlich USA) gewachsen ist. In Asien verfügen wir über Impact Hubs in Städten wie Shanghai, Kuala Lumpur, Tokio, Seoul, Jakarta, Phnom Penh und Bangkok; nur in Indien sind wir bislang nichtvertreten.“

Der in Wien ansässige gemeinnützige Verein ist Eigentümer der Marke und vergibt die Lizenzen an die lokalen Hubs. Da alle Hubs mit einer Stimme im Verein vertreten sind, sind sie im Endeffekt Miteigentümer des weltweiten Vermögens, der Marke Impact Hub und ihres geistigen Eigentums. Gleichzeitig sind sie Lizenznehmer desselben Vereins und müssen die von ihnen beschlossenen Regeln einhalten.

„Wir unterscheiden uns somit sehr stark von einem Top-down-Franchiseunternehmen, bei dem alle Entscheidungen an der Spitze getroffen und dann nach unten weitergereicht werden. Bei uns ist es das Netzwerk, das zum Beispiel beschließt, den Nachhaltigkeits-Fokus um das Thema Technologie zu ergänzen. Dies wird gelegentlich als umgekehrtes Franchising bezeichnet, denn die Impact Hubs sind ein Netzwerk, das komplett von Gründern betrieben wird, die etwas in ihrer Stadt oderihrer Region bewirkenmöchten.“