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Sabine Groth (Freie Autorin)Lesedauer: 2 Minuten

Grauer Kapitalmarkt Milliarden-Verluste aus gescheiterten Öko-Investments

Dunkle Wolken über Windrädern
Dunkle Wolken über Windrädern: Nicht alle ökologisch nachhaltigen Investments sind auch finanziell nachhaltig. | Foto: imago images / Future Image

Die Berliner gemeinnützige Gesellschaft Finanzwende Recherche hat Pleiten und Verlustfälle bei Ökoanlagen aus dem grauen Kapitalmarkt, also von Anlagen, die nicht der direkten staatlichen Aufsicht unterstehen, in den vergangenen zehn Jahren untersucht. Dazu zählen beispielsweise Nachrangdarlehen, Genussrechte, Direktinvestment, aber auch Crowdfunding.

Die größte Schadenssumme lieferte laut der Analyse Prokon Regenerative Energien mit rund 600 Millionen Euro. Über Genussrechte konnten sich Anleger an Windkraftanlagen beteiligen. 2014 musste Prokon Insolvenz anmelden und wurde im Rahmen des Insolvenzverfahrens 2015 in eine Genossenschaft umgewandelt. So konnte zumindest ein Teil der Anlegergelder gerettet werden.

Weitere größere Flops lieferten UDI mit rund 150 Millionen Euro Schaden für Anleger und Windreich mit 100 Millionen Euro. Windreich meldete 2013 Insolvenz an. Zu spät, meinte das Landgericht Stuttgart im Dezember 2020. Zur Insolvenzverschleppung kommen Betrug, Untreue und Unterschlagung – und viereinhalb Jahre Haft für den Unternehmensgründer des Windpark-Entwicklers. UDI war neben Wind auch in den Bereichen Solar und Biogas unterwegs und sammelte vor allem Anlegergelder über Nachrangdarlehen ein. In den vergangenen Monaten hat die Bafin die Rückabwicklung aufgrund unerlaubter Einlagengeschäfte diverser UDI-Produkte veranlasst. Das führte zu Insolvenzen der UDI-Anlagegesellschaften.

Insgesamt kommt die Analyse auf  Verlustschätzungen aus gescheiterten oder in Schieflage geratenen Öko-Investments aus dem grauen Kapitalmarkt in Höhe von 2 Milliarden Euro. Für Magdalena Senn, Referentin Nachhaltige Finanzmärkte bei Finanzwende Recherche, eine „frappierende Zahl“: „Investment-Flops mit grünem Mäntelchen schaden dem Markt für grüne Geldanlagen und zerstören Vertrauen. Wir brauchen endlich starke Regeln, die Verbraucher schützen und nachhaltige Investments auf eine stabile Grundlage stellen.“

Finanzwende Recherche wurde Ende 2020 gegründet. Die gemeinnützige Gesellschaft will ihre Ziele wie Aufklärung und Verbraucherschutz verwirklichen, indem sie Informationen sammelt und für die Öffentlichkeit aufbereitet. Geschäftsführer der Gesellschaft ist Gerhard Schick, der ebenfalls Vorstand des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende ist. Der promovierte Volkswirt war von 2005 bis 2018 Bundestagsmitglied für Bündnis 90/Die Grünen.

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