Exklusiv: Bert Flossbach im Interview „Weglassen können ist das Allerwichtigste“

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Viele Fondsmanager lassen Banken von vornherein außen vor, weil sie nicht durchschaubar sind.

Flossbach: Ich habe schon vor der Finanzkrise gesagt, dass Bankaktien mit Vorsicht zu genießen sind.

Was dann auch stimmte.

Flossbach: Ich habe mich dann in der Krise mit forensischer Leidenschaft auf Bankbilanzen gestürzt, um zu sehen, wie wenig ich davon verstehe. Nur so viel: Die typische europäische Universalbank, wie wir sie kennen, hat sich überlebt.

Die Wirtschaft braucht Banken.

Flossbach: Die Wirtschaft, ja. Aber doch nicht Sie als Investor. Würden Sie Ihr Geld in Bankaktien stecken? Das Eigenkapital ist im Vergleich zum Risiko gering. Es ist ein sehr hart umkämpfter Markt, und in den Banken bündeln sich immer alle Risiken dieser Welt. Ein Blick auf den Euro Stoxx Banken Index bestätigt das.

Demnach halten Sie sich fern.

Flossbach: Weitestgehend. Wir haben eine Bank aus Indien im Portfolio, die die ganzen schlechten Eigenschaften nicht hat. Sie konzentriert sich auf das Geschäft mit Immobilienkrediten. Und zwar an Kunden, die in den Häusern auch selbst wohnen wollen. Ein risikoarmes Geschäft mit extrem geringer Ausfallquote. Es soll hier auch nicht pauschal gegen eine bestimmte Branche gehen. Auch andere Unternehmen sind so komplex, dass wir sie nicht verstehen und uns deshalb fernhalten. Vielleicht versteht sie ein anderer und macht deshalb den Kauf seines Lebens. Da sind wir dann auch nicht böse drüber. Weglassen können ist das Allerwichtigste.

Gibt es nicht trotzdem eine verpasste Chance, der Sie nachtrauern?

Flossbach: Klar, die gibt es, einige der FANG-Aktien beispielweise. Ein häufiger Fehler ist der, dass man bei Unternehmen, die man gut verstanden hat, zu schnell von Bord geht. Es gibt Titel, die haben wir viel zu früh verkauft, um sie dann später zu deutlich höheren Kursen wieder zurückzukaufen. Und dann nochmal verkauft und später wiedergekauft. Wären wir doch einfach dabeigeblieben!

Foto: Jochen Rolfes

Warum sind Sie immer wieder raus?

Flossbach: Wir hatten den Unternehmen dieses enorme Wachstum nicht zugetraut. Und die Aktien waren zwar zwischenzeitlich hoch bewertet.

Getreu dem Motto: An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben …

Flossbach: … was der dümmste Satz ist, den es an der Börse gibt.

Was müsste Ihre jahrelange Top-Position Nestlé eigentlich verbocken, damit Sie die mal verkaufen?

Flossbach: Nestlé hat ein sehr breites Geschäftsmodell mit großer, stabiler Produktpalette. Es ist ja eher ein Konsumgüterfonds. Im Grunde müsste die Bewertung zu hoch für das sein, was die Firma liefern kann. Wenn also die zukünftigen auf heute abgezinsten Zahlungsströme nicht mehr ausreichen, um den heutigen Kurs zu rechtfertigen, dann werden wir die Aktie wohl verkaufen. Wobei das keine binäre Entscheidung ist. Wir können auch auf- und abbauen.

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