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Politikwissenschaftler Xuewu Gu
Droht der Bruch mit China?
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping will die Volksrepublik wieder an die Weltspitze führen. Darauf lassen seine Äußerungen bei Parteitagen der Kommunistischen Partei schließen. China soll eine geopolitische, wirtschaftliche und technologische Führungsrolle einnehmen.
„Xi Jinping ist in China fest etabliert, seine Gegenspieler haben aufgegeben. Daher herrscht im Reich der Mitte eine gewisse Stabilität“, sagt Xuewu Gu, Inhaber des Lehrstuhls für internationale Beziehungen der Universität Bonn.
Außenpolitisch sei die Lage verfahren. Japan, Südkorea und die Philippinen stehen fest an der Seite der USA. Daher sei China auf der Suche nach Verbündeten und versuche, näher an Europa zu rücken. „Peking unternimmt tatsächlich einen Kurswechsel in Richtung Europa“, sagt Gu. Dem stehe jedoch die Haltung Chinas im Ukraine-Krieg im Weg. Diese richte sich weniger gegen Europa, sondern gegen die USA. „Aus Sicht der Chinesen sind nur die USA in der Lage, sich dem Reich der Mitte bei seinem Aufstieg zur ökonomischen Großmacht in den Weg zu stellen“, erklärt Gu. Dementsprechend abgekühlt sei das Verhältnis zwischen Peking und Washington.
Die Europäer wirken indes vermittelnd. „Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron haben Xi Jinping aufgefordert, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu sprechen“, erklärt Gu. Und China scheine tatsächlich bereit zu sein, sich von Russland zu distanzieren. Das habe auch historische Gründe. „Die Chinesen haben nicht vergessen, wie viel Fläche ihres Landes die Russen bereits annektiert haben", meint Gu.
