Ingenieurin Jackie Birdsall bei der Präsentation des neuen Wasserstoff-Brennzellen-Autos von Toyota im vergangenen November: Auf langen Strecken wird sich dieser Antrieb etablieren, sagt Vermögensverwalter Uwe Zimmer.   | © Getty Images Foto: Getty Images

Vermögensverwalter über alternativen Antrieb

Zweite Chance für Wasserstoff-Aktien

Der gesamte Sektor der Wasserstoff-Aktien bekommt seit 2019 wieder mehr Aufmerksamkeit. Wieder? Ja, denn bereits zur Jahrtausendwende wurde das Thema hochgejubelt – ein Absturz ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Einer der Protagonisten von damals, die Ballard Power, kostet heute rund 11 Euro je Aktie. Am 3. März 2000 stand der Kurs bei 139 Euro. Ein rapider Absturz? Ja, aber nicht nur. Denn der Absturz führte die Aktie in Regionen unter einen Euro. Insofern hat das Papier sich bereits wieder mehr als verzehnfacht.

Auch andere Wasserstoff-Aktien profitieren von dem Trend. Nel ASA, Plug Power oder Fuel Cell haben alle gewaltig zugelegt. Droht also wieder eine Überhitzung? Kommt der nächste Absturz? Nein, denn sowohl gemessen an den historischen Höchstständen wie auch am Potential der Technologie ist noch viel Luft nach oben. Zwar wird es noch einige Zeit dauern, bis Wasserstoff-Brennstoffzellen die Batterielösung für die Elektromobilität zumindest in manchen Bereichen verdrängt haben werden.

Brennstoffzellen in Fahrzeugen werden genutzt, um Strom zu erzeugen, der dann einen Elektromotor antreibt. Sie ersetzen also die Batterien, deren Kapazität derzeit der begrenzende Faktor für den Durchbruch der E-Fahrzeuge darstellen. Dies wird vor allem auf Langstrecken interessant. In Städten, wo geringe Strecken zurückgelegt werden und dann sofort wieder Ladestationen verfügbar sind, mag sich die Batterielösung durchsetzen. Auf Strecken über 400 Kilometern aber wird sich die Brennstoffzelle etablieren.

Dazu sind noch einige technische und infrastrukturelle Hürden zu nehmen. Heute ist es nur bedingt wirtschaftlich, Wasserstoff zu erzeugen, denn immer noch muss deutlich mehr Energie hineingesteckt werden, als in Form von Wasserstoffbrennwert herauskommt. Dazu kommt, dass der Wasserstoff unter hohem Druck gelagert werden muss, was die Kosten treibt. Auch fehlt noch ein Tankstellennetz dafür. Dies aber wird in den kommenden Jahren gelöst werden. Und bereits heute baut etwa Toyota Wasserstoffautos in Serie. Mit dem zunehmenden Ausbau der Erneuerbaren Energien Wind und Sonne wird es in Zukunft auch deutlich wirtschaftlicher, grünen Strom zur Wasserstoffgewinnung einzusetzen und sich damit eine Lager- und Transportfunktion zu schaffen.

Wasserstoff-Aktien bieten also die berühmte zweite Chance: Wie immer wurden die Aktien stark überbewertet, als der Hype losbrach. Mit der Folge, dass die Aktien dramatisch abgestürzt sind. Jetzt ist auf soliderem Fundament der Wiederaufstieg möglich, Wasserstoff-Aktien werden zu den besten Performern 2020 gehören.

Über den Autor:
Uwe Zimmer ist Geschäftsführer von Fundamental Capital in Hennef.

Diesen und weitere Vermögensverwalter finden Sie auf www.v-check.de.

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