Auslage in einem Geschäft für Edelmetalle: Die Deutschen haben Gold wiederentdeckt und kaufen reichlich Münzen und Barren. | © Linda Hamilton / Pixabay.com Foto: Linda Hamilton / Pixabay.com

Kaufrausch der Indexfonds

Warum die Gold-Rally noch weitergeht

In keinem anderen Land der Welt kaufen die Anleger so viele Barren und Münzen wie in Deutschland - nicht einmal in China. Nach den Informationen des World Gold Council gingen in der Bundesrepublik allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 83 Tonnen Anlage-Gold über den Tresen. Im Jahresvergleich bedeutete dies ein Plus von 120 Prozent. Die Shops von Pro Aurum, dem größten Edelmetall-Händler in Deutschland, mussten zwischenzeitlich schließen, weil sie schlichtweg ausverkauft waren.

Es waren aber nicht in erster Linie diese Käufe, die den Gold-Preis auf neue Rekordhochs getrieben haben, sondern vor allem die mit dem Edelmetall unterlegten Indexfonds. In den ersten sechs Monaten flossen laut World Gold Council ETFs 47 Milliarden Dollar zu, die sie in das Edelmetall investieren mussten. Damit stieg die von ETFs gehaltene Menge von Gold auf einen Rekordwert.

Für den Run auf das Edelmetall gibt es mehrere Gründe. So hat Gold in der Corona-Krise wieder seinen Status als sicherer Hafen erlangt. Das gilt auch angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen zum Beispiel zwischen den USA und China. Dazu kommen noch die weltweit niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen. Dadurch haben sich die sonst üblichen Opportunitätskosten des zins- und dividendenlosen Edelmetalls in Gewinne gewandelt. Schließlich notierte der US-Dollar zuletzt aufgrund der sich in den Vereinigten Staaten ausbreitenden Corona-Pandemie, der politischen Unsicherheiten und gesunkener Zinsen schwächer, was den Goldpreis zusätzlich unterstützte.

Rally wahrscheinlich noch nicht zu Ende

Die Kurstreiber der vergangenen Wochen dürften auch in der zweiten Jahreshälfte und 2021 für weiter steigende Notierungen sorgen. Dafür könnten auch Umschichtungen sorgen. Aktuell gibt es Anleihen in Höhe von 14 Billionen US-Dollar, die negativ rentieren. Dem stehen 200.000 Tonnen Gold mit einem Wert von ebenfalls rund 14 Billionen Dollar gegenüber. Da bräuchte es gar nicht so viele Anleger, die vom Renten- in den Goldmarkt wechseln, damit die Preise weiter steigen. Die Bank of America hat bereits 3.000 US-Dollar als Kursziel bis Ende 2022 ausgerufen.

Die erwartete Fortsetzung der Rally könnte jedoch immer wieder von Korrekturen unterbrochen werde. Denn es gibt nicht nur gute Nachrichten für Gold-Anleger. So verläuft die Schmucknachfrage aufgrund der aktuellen Preise derzeit eher verhalten. Grundsätzlich denkbar wäre auch, dass die Notenbanken wieder auf eine striktere Geldpolitik umschwenken, was allerdings im derzeitigen konjunkturellen Umfeld eher unwahrscheinlich scheint. Auch ein wieder erstarkender Dollar könnte den Goldkurs belasten. Schließlich wäre bei einer Annäherung zwischen den USA und China mit einer Korrektur des Goldpreises zu rechnen. Und der Dollar könnte wieder fester notieren, wenn die USA bei der Bekämpfung der Pandemie Fortschritte machen würden.

Steuerschock für Xetra-Gold

Zeitgleich zum All-Time-High wurde bekannt, dass in Deutschland ab 2021 die Besteuerung von mit Gold gedeckten Schuldverschreibungen geändert werden soll. Die bekannteste ist Xetra-Gold. Bisher wurden diese Wertpapiere, die eine physische Auslieferung des Edelmetalls verbriefen, steuerlich wie physisches Gold behandelt. Mögliche Kursgewinne konnten Anleger somit nach einer zwölfmonatigen Haltefrist steuerfrei vereinnahmen. Ab 2021 sollen diese Erträge nun auch unter den Abzug der Abgeltungssteuer fallen. Die geplante Änderung handelt es sich allerdings noch um einen ersten Referentenentwurf, der noch nachgebessert werden könnte.

Mehr zum Thema
Edelmetall auf RekordjagdDer Beginn einer goldenen DekadeWachtendorf-KolumneGold oder Technologie? Eine klare Sache ...Börsenexperte Robert Halver„Gold und Silber lieb' ich sehr ...“