Kai Bald

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Reformeifer

Weltbank: „2014 könnte China die USA als größte Wirtschaftsnation ablösen“

Autor des Beitrags ist Kai Bald, Leiter öffentlicher Vertrieb für passive Anlageprodukte bei Deutsche Asset & Wealth Management.

Den Berechnungen des International Comparison Program (ICP) der Weltbank zufolge, könnte China bis Ende des Jahres hinsichtlich der Wirtschaftsleistung unter Berücksichtigung der inländischen Kaufkraft zur Wirtschaftsmacht Nummer 1 der Welt aufsteigen. Dank des enormen Wirtschaftswachstums hat sich China im Jahr 2011 auf Rang 2 hinter den USA vorgearbeitet. Weil das Wirtschaftswachstum auch 2012 und 2013 deutlich über dem der USA lag, gehen die Experten davon aus, dass die Volksrepublik schon Ende dieses Jahres an die Weltspitze vorrücken kann.

Enttäuschte Wachstumserwartungen

Das Besondere an dieser Nachricht ist, dass China die Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung zuletzt eher enttäuschte. In einer rund 30 Jahre währenden Phase überdurchschnittlichen Wachstums entwickelte sich das Reich der Mitte zum Export-Weltmeister und zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Davon profitierten nicht zuletzt auch Anleger, in dem sie – zumindest in der Vergangenheit – mit attraktiven Erträgen belohnt wurden.

Doch der Export-Motor, der das Wachstum antrieb, ist derzeit  ins Stottern geraten. Die Erwartungen mussten zuletzt wiederholt revidiert werden. Laut unserem Investmentchef von Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM), Asoka Wöhrmann, soll Chinas Wirtschaft – nach 7,8 Prozent im Jahr 2012 und 7,5 Prozent in 2013 – in diesem Jahr um 7,2 Prozent wachsen und im Jahr 2015 um 7,0 Prozent. Da verwundert es nicht, dass Anleger ob der verringerten Chancen ihr Kapital abziehen. An der Börse war 2013 und auch in diesem Jahr bislang wenig zu verdienen.

China setzt auf Reformen

Für die Regierung in Peking ist die Entwicklung nicht überraschend. Sie arbeitet schon länger am Umbau der Wirtschaft. Bereits im März 2011 hat der Nationale Volkskongress den zwöften Fünf-Jahres-Plan verabschiedet, der beispielsweise vorsieht, die Inlandsnachfrage zu stärken und die Abhängigkeit von Exporten zu reduzieren.

Es besteht die Chance, dass Chinas Reformen wie die Zulassung von Privatbanken, die weitere Öffnung des Kapitalmarkts für internationale Investoren sowie die Stärkung von Eigentumsrechten, der Aufbau einer effizienten Kartellbehörde und die Neuregelung des Steuersystems das Land auf einen nachhaltigen und stabilen Wachstumskurs bringen.

Diese Entwicklungen und die jüngste Weltbank-Studie sind Nachrichten, die Investoren wieder stärker für China interessieren dürften. Die Kombination aus verbesserter Infrastruktur, größerer Rechtssicherheit und stabilen Wachstumsaussichten ist in aller Regel Balsam für die Anlegernerven.

China-Investments prüfen

Anleger tun gut daran, die Aussichten für chinesische Investments zu prüfen. Denn obwohl die Börsenentwicklung zuletzt eher enttäuschte, könnten chinesische Aktien von den eingeschlagenen Reformen und der Kapitalmarktöffnung profitieren. Schließlich handelt die Börse die Zukunft.

Eine effiziente und flexible Möglichkeit, hierzulande an dieser möglichen Entwicklung zu partizipieren, ist beispielsweise ein Investment in einen an der Deutschen Börse notierten physisch replizierenden Exchange Traded Fund (ETF) auf chinesische A-Aktien.

Neuer Marktzugang

In chinesische A-Aktien an den Börsen von Schanghai und Shenzhen konnte bis vor kurzem nicht direkt über physisch replizierende ETFs investiert werden. Das ist zunächst verwunderlich, da es sich doch um einen der größten Aktienmärkte der Welt handelt. Nahezu 2.500 A-Aktien sind nach Angaben des Indexunternehmens China Securities Index an den beiden Börsen notiert, die Marktkapitalisierung liegt bei mehr als 3.900 Milliarden US-Dollar. Nach den USA und Japan ist dies der drittgrößte Aktienmarkt weltweit.

Der Markt für A-Aktien ist zudem dreimal so groß wie der bekanntere, in Hongkong notierte Markt für H-Aktien und kann damit als das bessere Abbild der Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft gelten. Allerdings war es bisher aufgrund der Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren nur möglich, über indirekte, synthetische ETF die Wertentwicklung von A-Aktien-Indizes abzubilden.

Erst das Ende 2011 eingeführte Renminbi Qualified Foreign Institutional Investor Programm (RGFII) erlaubte tägliche direkte Investments und somit auch physisch replizierende ETFs. Die Erweiterung des RGFII im Jahr 2013 gestattete schließlich auch, A-Aktien ETFs außerhalb Hongkongs aufzulegen.

Einer davon, der db x-trackers Harvest CSI300 Index Ucits ETF (WKN: DBX0M2), ist das Ergebnis einer Kooperation von DeAWM und dem chinesischen Partnerunternehmen Harvest Global Investments. Er ist als erster physisch replizierender A-Aktien-ETF in Europa an der Deutschen Börse notiert. Der ETF bildet den CSI-300-Index ab, der als wichtigster Index für das Segment der chinesischen A-Aktien gilt. Der ETF eignet sich für risikoaffine Anleger, die in der Lage und bereit sind, Risiken aus dem chinesischen Aktienmarkt und dem Währungsrisiko gegenüber Euro/Renminbi zu akzeptieren. 

Zwei wesentliche Argumente sprechen dafür, dass es sich lohnen kann, einen physisch replizierenden A-Aktien-ETF für eine Investition in Betracht zu ziehen: Die Reformbemühungen Chinas geben Hoffnung für ein künftig qualitativ hochwertigeres Wirtschaftswachstum. Zudem könnte die Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte dazu führen, dass verstärkt internationales Investorenkapital an die chinesischen Inlandsbörsen fließt. Es bleibt zu hoffen, dass China jetzt am eingeschlagenen Politik- und Wirtschaftskurs festhält und Investoren auch in Zukunft darauf vertrauen können.

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