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Ab ins Grüne

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Die Anlagestrategien der als nachhaltig geltenden Fonds unterscheiden sich stark. Vor dem Einstieg lohnt darum ein Blick in den Prospekt.

„Wir müssen fairer mit der Umwelt umgehen und über die Konsequenzen unseres Handelns nachdenken“, sagt Bozena Jankowska. Die Leiterin des Nachhaltigkeits- Research der Londoner Vermögensverwaltung RCM, einer Tochter der Allianz, gründete 2004 zusammen mit Vertretern anderer Finanzhäuser und einigen Großinvestoren die „Enhanced Analytics Initiative“ (EAI). Das Ziel der Initiative: Umwelt- und Sozialfaktoren sollen systematisch in die Finanzanalyse integriert werden.

Jankowska muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, auch im eigenen Haus: Nachhaltige Kriterien werden bei dem von ihr betreuten Allianz-Dit Global Eco Trends nicht berücksichtigt. Dafür investiert sie mindestens 75 Prozent ihres Portfolios in die als nachhaltig geltenden Branchen alternative Energien, Energieeffizienz, Abfallwirtschaft, Recycling, Umweltqualität und Wasser. Auch dies jedoch nicht mit letzter Konsequenz: Die Unternehmen müssen nur einen Teil ihres Geldes in diesen Sektoren verdienen. Das vorrangige Anlageziel ist rein finanziell: langfristiges Kapitalwachstum.

Kurzfristig hat Jankowska dies nicht geschafft. Mit einem Minus von nur 6 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten ist der 2006 aufgelegte Allianz-Dit Global Eco Trends dennoch der beste internationale Nachhaltigkeitsfonds auf dem deutschen Markt. Und mit Nettozuflüssen von 62,5 Millionen Euro war er nach den Berechnungen des deutschen Fondsverbands BVI auch der beliebteste im ersten Halbjahr 2008.

„Für die im Vergleich gute Performance haben vor allem die Unternehmen aus dem Bereich alternative Energien gesorgt“, sagt Jankowska. Ihren Performance-Bringern bleibt sie treu: Allein fünf Firmen aus dem Bereich alternative Energien sind unter den zehn größten Positionen zu finden. Alles wird grün

Geht es nach Christian Zimmermann von Pioneer Investments, dürften sich die EAI und die Forderungen von Jankowska bald erübrigt haben. „In zehn Jahren werden wir die Nachhaltigkeitsdebatte nicht mehr führen, weil sich alle Unternehmen dem Umfeld angepasst haben“, so der Manager des Pioneer Global Ecology.

Der 1990 als Activest Ecotech aufgelegte und 2007 umbenannte Aktienfonds gehört zu den ersten nachhaltigen Produkten auf dem deutschen Markt. Mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro ist er zudem der größte internationale Nachhaltigkeitsfonds hierzulande. Langfristiges Kapitalwachstum hat er bereits erzielt: Mit einem Plus von 108 Prozent in den vergangenen fünf Jahren steht er an der Spitze der Kategorie. Kurzfristig liegt er mit minus 13 Prozent über ein Jahr auf Platz 4.

Die Unternehmen in Zimmermanns Portfolio stellen umweltfreundliche Produkte oder Technologien her und tragen dazu bei, eine sauberere Umwelt zu schaffen. Bis sich seine Vorhersage erfüllt hat, holt Zimmermann allerdings lieber das Urteil der Rating-Agenturen Oekom Research und E.Capital Partners ein, bevor er die 80 bis 120 Unternehmen für sein Portfolio nach finanziellen Kennzahlen aussucht.

Allein Oekom berücksichtigt über 100 ökologische und soziale Kriterien, die sich von Branche zu Branche unterscheiden. Zusätzlich gelten Ausschlusskriterien: Verboten sind Unternehmen aus den Bereichen Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Rüstung und Pornografie sowie Firmen, die Kinderarbeit nutzen und gegen Menschenrechte oder Arbeitsrecht verstoßen. E.Capital nimmt zudem noch Firmen auf, die in problematischen Sektoren zu den Marktführern in Sachen Nachhaltigkeit zählen.

Nachhaltige Bankverbindung

Diesen sogenannten Best-in-class-Ansatz hat die Schweizer Privatbank Sarasin nach eigenen Angaben als erster Anbieter auf die Finanzanalyse angewandt. Es werden dabei die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche gekauft, unabhängig davon wie umweltzerstörerisch oder sozial unverantwortlich diese auch sein mag.

Die Schweizer zählen zu den Pionieren auf dem europäischen Markt für ökologisch und sozial korrekte Investments. Beim im Juni 1999 aufgelegten Aktienfonds Sarasin Sustainable Equity Global haben sie den Best-inclass- Ansatz noch etwas verfeinert: Branchen, die aus der Nachhaltigkeitsperspektive besonders kritisch sind, werden von vorneherein ausgeschlossen. Dazu zählen die Sektoren Rüstung, Glücksspiel oder Pornografie.

Das Nachhaltigkeits-Research für die aktuell 61 Titel im Portfolio kommt aus dem eigenen Haus. Wie nachhaltig die Unternehmen letztendlich sein müssen, um auf die Einkaufsliste von Fondsmanagerin Catrina Vaterlaus zu kommen, ist von Branche zu Branche verschieden: „Im Software-Sektor beispielsweise reicht es aus, wenn eine Firma ein durchschnittliches Nachhaltigkeits-Rating hat. Im Bereich der stark umweltschädigenden Erdölverarbeitung aber muss das Unternehmen aus Nachhaltigkeitssicht top sein“, erklärt Vaterlaus.

Zum Schluss prüft auch sie die finanziellen Kennzahlen der Firmen. In den vergangenen drei Jahren hat Vaterlaus allerdings keinen besonders grünen Daumen bei der Titelauswahl bewiesen. Mit einem Minus von 1,6 Prozent liegt sie deutlich unter dem Durchschnitt der Kategorie und auch hinter ihrem Vergleichsindex, dem MSCI Welt. Grund dafür war unter anderem die Untergewichtung in den Bereichen Material, Versorger und Telekommunikation.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt: Aktuell spielen Finanzwerte mit 28 Prozent in ihrem Portfolio die Hauptrolle. Angesichts der noch nicht ausgestandenen Kreditkrise kann es hier durchaus zu weiteren Rückschlägen kommen.

Die strengsten Kriterien nutzt das Management des 1996 gestarteten Klassikers Ökovision von Ökoworld. Die Luxemburger Investmentgesellschaft ist die einzige in Europa, die ausschließlich nachhaltige Fonds verwaltet. Ähnlich wie beim Pioneer Global Ecology spielt der Bestin- class-Ansatz nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen gibt es Eintritts- und Ausschlusskriterien: Investiert wird beispielsweise in Unternehmen aus den Bereichen alternative Energien, umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen, ökologisch erzeugte Nahrungsmittel oder Umweltsanierung.

Ausgeschlossen sind die Atomindustrie, die Sektoren Chlor-Chemie, Gentechnik und Militärtechnologie sowie Firmen, die an der Natur Raubbau betreiben, Tierversuche oder Kinderarbeit nutzen. Der Anlageausschuss, dem Vertreter aus Umwelt- und Sozialverbänden angehören, ist die erste Instanz bei der Titelauswahl. 200 bis 300 Firmen stellt er dem Fondsmanagement für den Aufbau des Portfolios zur Verfügung.

Manager Stewart Armer von Fortis Investment sucht anschließend nach finanziellen Kriterien die 60 bis 80 Titel für den Fonds aus. Der Anlageausschuss tagt viermal im Jahr; in der Zwischenzeit kann Armer bei Umschichtungen nur aus der jeweils aktuellen Liste wählen.

Mehr Nachhaltigkeit, weniger Rendite: In den vergangenen zwölf Monaten verlor der Ökovision 20 Prozent und ist damit der schlechteste unter den vier Testkandidaten. Über drei Jahre liegt er jedoch weit über dem Durchschnitt der Kategorie und dem MSCI Welt.

Vorsicht, Klumpenrisiko

Eines haben alle vier Testkandidaten gemeinsam: Sie haben durch die Bank Wachstumswerte übergewichtet, also Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten für Umsatz- und Gewinnwachstum. Der Schwerpunkt liegt dabei überwiegend auf großen Firmen.

Da alle vier Portfolios über viele Branchen und Länder gestreut sind, eignen sie sich durchaus als Basisinvestment. Allerdings kann es im Depot deshalb auch zu Überschneidungen einerseits mit herkömmlichen europäischen und internationalen Aktienfonds und andererseits mit Produkten für spezielle Themen wie erneuerbare Energien oder Klimawandel kommen.

Fazit: Am besten vereint der Pioneer Global Ecology die finanzielle mit der nachhaltigen Rendite. Wem das Finanzielle nicht ganz so wichtig ist, der ist hingegen mit dem Ökoworld Ökovision Classic besser beraten.

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