LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
Aktualisiert am in AnalysenLesedauer: 10 Minuten

Aktiv gegen passiv Aktiver Fonds versus ETF – wer hat das bessere Wasser-Investment?

Aktiv oder passiv in das Thema Wasser investieren
Aktiv oder passiv in das Thema Wasser investieren: Fonds-Finanz-Spezialist Daniel Arndt hat zwei Fonds miteinander verglichen. | Foto: Fotomontage Jessica Hunold / Canva

Welcher Wasser-Fonds erfüllt die Erwartungen seiner Anleger besser? Um diese beiden Produkte geht es in unserem heutigen Aktiv-passiv-Vergleich:

iShares Global Water ETF (IE00B1TXK627)

BNP Paribas Aqua (LU1165135440)

Europa ächzt unter der schlimmsten Dürre seit 500 Jahren. Fast die Hälfte des Kontinents ist von großer Trockenheit bedroht. In anderen Regionen ist die Lage sogar noch schlimmer. Im Südwesten der USA herrscht seit 23 Jahren eine „Megadürre“, und auch am Horn von Afrika spitzt sich die Wasserkrise zu. Der menschengemachte Klimawandel führt zu anhaltender Trockenheit, die auf einen steigenden Wasserverbrauch trifft, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Zusätzlich verschärfen eigentlich lösbare Probleme wie Wasserverschwendung und marode Infrastruktur das Problem.

Weltweit werden massive Investitionen in eine nachhaltigere Wasserinfrastruktur benötigt. Die Nachfrage nach Investitionen in Unternehmen, die innovative Lösungen zur Bewältigung der Wasserkrise anbieten, nimmt zu. Wir haben je einen beliebten aktiven Fonds und einen passiven ETF im Wassersegment näher analysiert. Mit beiden Produkten konnten Anleger den breiten Aktienmarkt in den letzten Jahren deutlich übertreffen.

Weder der Fonds noch der ETF investieren direkt in die Ressource Wasser. Somit werden Anleger nicht zu Profiteuren der Knappheit, sondern tragen zur Problemlösung bei.

Der Passive: iShares Global Water ETF

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

ISIN: IE00B1TXK627
Kategorie: Aktien Wasser
Fondsgesellschaft: Blackrock Asset Management Ireland 
Index: S&P Global Water 50 Index

ETFs sind bei Anlegern beliebt wie nie. Dafür gibt es vielerlei berechtigte Gründe. Nur wenige Anleger wagen jedoch den Schritt über die Faktoren Kosten und Anlagethema hinaus, obwohl gerade die Konstruktion des zugrundeliegenden Indexes oft entscheidend für den Anlageerfolg ist. Ein Beispiel unvorteilhafter Indexkonstruktion thematisierten wir bereits in dem ersten Beitrag von „Aktiver Fonds versus ETF anhand des MSCI World Information Technology Index, dessen Top-zwei-Positionen 40 Prozent des Index ausmachen.

Beim iShares Global Water, der den S&P Global Water 50 Index abbildet, müssen sich Anleger hingegen keine Sorgen über eine unvorteilhafte Indexkonstruktion machen. Der ETF ist mit knapp zwei Milliarden Euro Fondsvolumen und einer Historie von 15 Jahren der beliebteste und zugleich älteste Wasser-ETF Europas. Er steht als Paradebeispiel für ein ausgewogen zusammengestelltes passives Investment. Das Produkt des Anbieters iShares enthält 50 der börsenliquidesten Unternehmen, die in der Wasserwirtschaft tätig sind. Die Portfolio-Positionen werden vollständig physisch abgebildet und sind nach ihrem Börsenwert gewichtet.

Damit eine Aktie ihren Weg in den ETF findet, muss sie in einem der beiden Sub-Sektoren Wasserversorger und -infrastruktur sowie Wasserausrüstung und -materialien tätig sein. Maximal darf ein Unternehmen 10 Prozent des ETFs ausmachen, aber nur, wenn tatsächlich das Hauptgeschäftsfeld dem Wassersektor zuzuordnen ist. Unternehmen mit einem anteiligen Wassergeschäft dürfen höchstens ein Gewicht von 5 Prozent einnehmen. Diese Regeln schützen den Anleger zum einen vor dem übermäßigen Einfluss einzelner, sehr hoch gewichteter Aktien. Zum anderen wird dadurch ein konsequenter Fokus auf den Wassersektor sichergestellt. Entsprechend handelt es sich bei den größten Positionen American Water Works (circa 10 Prozent), Xylem (ca. 8 Prozent) und Essential Utilities (ca. 6 Prozent) um klassische Wasseraktien.

Ausgewogene Länderstruktur

Die Länderstruktur des ETFs ist ausgewogen, denn nur 55 Prozent der Aktien sind in den USA domiziliert, während der bei Anlegern beliebte MSCI World mit seinem 70-prozentigen US-Aktienanteil eine Unwucht aufweist. Er wird darüber hinaus seinem Namensbestandteil „global“ gerecht, denn er scheut mit Investments in Aktien aus China (2,5 Prozent) und Brasilien (1,7 Prozent) auch nicht Engagements in Schwellenländer. Der MSCI World oder dessen Sub-Indizes investieren hingegen nur in entwickelten Nationen. Obwohl die Ländergewichtung seit Jahrzehnten ein Standardmaß der Finanzbranche ist, hat die regionale Aufteilung für Anleger ökonomisch eine untergeordnete Bedeutung – im Gegensatz zum Umsatzanteil. Beim iShares-ETF sind die enthaltenen Unternehmen stärker in ihren Heimatmärkten aktiv als bei MSCI World ETFs.

 

Die Wasserfirmen erwirtschaften mit einem Anteil von 54 Prozent mehr Umsatz in den USA, als die im MSCI World enthaltenen globalen Akteure, die trotz der hohen US-Allokation nur auf 49 Prozent US-Umsatzanteil kommen. Dies ist insofern einleuchtend, als das zum Beispiel Wasserversorger und ähnliche Firmen tendenziell regional statt global tätig sind. Die Fondskosten des Wasser-ETFs fallen mit 0,65 Prozent deutlich höher aus als bei einem breiten Aktienmarktinvestment à la MSCI World (ca. 0,2 Prozent per annum), aber natürlich deutlich geringer als bei aktiven Produkten (ca. 2 Prozent p. a.). Kurioserweise wird der ETF von iShares nicht als nachhaltiger Fonds eingestuft, was uns bei einem Wasser-Themenfonds verwundert.

Im Nachhaltigkeitsranking von Morningstar Sustainalytics erhält der ETF 3 von 5 Globen. Bei MSCI ESG erzielt er mit AAA sogar die höchste Bewertung. Somit fallen die Nachhaltigkeitsbewertungen durchschnittlich bis sehr gut aus. Da dem ETF jedoch eine echte Nachhaltigkeitsstrategie fehlt, dürften diese Ergebnisse zufälliger Natur zu sein.

So hat sich der ETF entwickelt

Der iShares Global Water ETF hat sich seit Auflage im Jahr 2007 als äußerst verlässliche Option für Anleger erwiesen. Mit einem Wertzuwachs von 244 Prozent bzw. 8,7 Prozent p. a. konnte der ETF seine langjährig verfügbaren aktiven Mitbewerber, z. B. den beliebten Pictet-Water (7,5 Prozent p. a.), aber auch den Durchschnitt der Vergleichsfondskategorie (6,7 Prozent p. a.) deutlich hinter sich lassen. Der Index, der bekanntlich keine Kosten besitzt, übertraf den ETF um 0,8 Prozentpunkte p. a. Berücksichtigt man die ETF-Kosten, gibt es zwar immer noch einen Performanceunterschied. Dieser fällt mit 0,15 Prozentpunkten p. a. aber denkbar gering aus. Auch über die letzten drei und fünf Jahre behielt der ETF seinen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb.

Dass der Erfolg des ETFs nicht auf Zufallstreffern beruht, zeigt sich auch dadurch, dass er seit Auflegung in 10 von insgesamt 14 Kalenderjahren den durchschnittlichen aktiven Wasserfonds geschlagen hat. Dafür mussten Anleger jedoch etwas höhere Risiken, zum Beispiel in Form von Volatilität und zwischenzeitlich höheren Kursverlusten hinnehmen. Das Risikomaß Beta von 1,16 zeigt an, dass der ETF stärker schwankt als die Vergleichskategorie. Die Messwerte Up- und Down-Capture-Ratio (beide ca. 114 Prozent) zeigen zudem, dass sich der ETF im Vergleich mit dem Kategoriedurchschnitt bei steigenden und fallen Kursen dynamischer verhält.

Tipps der Redaktion