Bric-Staaten trotzen lahmender US-Wirtschaft

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Die vier Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China haben weitaus größeres Potenzial, sich von einer lahmenden US-Wirtschaft abzukoppeln, als beispielsweise Europa oder Japan. Diese Meinung vertritt das globale Analysten-Team von Goldman Sachs rund um den Schöpfer des Bric-Begriffs, Jim O`Neill, in einem aktuellen Bericht. Wichtigste Schlüsselgröße für eine erfolgreiche Abkopplung ist demnach der inländische Konsum. Dass dieser in Europa und Japan in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau verharrte, lässt viele Marktteilnehmer an einer relativen Stärke dieser Regionen zweifeln. 

Anders die Bric-Staaten. Hier ist die Binnennachfrage weiterhin stark und würde bei einer weiteren Zunahme auch eine wichtige Stütze für Europa und Japan bedeuten. So könnten die nachlassenden Exporte gen USA durch die gesteigerte Nachfrage aus den Bric-Staaten mehr als aufgefangen werden. Deutschland und Japan exportieren schon heute mehr Güter in die vier Boom-Länder als in die USA. Da die Bric-Staaten mittlerweile 15 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf sich vereinen und dieser Anteil rasant zunimmt, wird die Entwicklung der Inlandsnachfrage dieser Länder einen stark wachsenden Einfluss auf die Weltwirtschaft haben. 

Angesichts der jüngsten Konsumdaten aus China scheint das Argument, das Land sei noch zu klein, um die rückläufige Binnennachfrage der US-Bürger zu kompensieren, überholt. Zwar steuert die USA aktuell mehr als vier Mal so viel zum globalen BIP bei wie China. Die chinesischen Konsumenten, deren Ausgaben im Juni um mehr als 15 Prozent gestiegen sind, stützen das globale Wachstum derzeit jedoch stärker als die amerikanischen Endverbraucher, deren Ausgaben wahrscheinlich real gefallen sind. Nimmt man die anderen Bric-Staaten hinzu, kann deren gemeinsame Stärke eine nachhaltige Abkopplung vom Rest der Welt erklären. 

Die Entwicklung der Bric-Länder ist auch der Hauptgrund, warum die Analysten von Goldman Sachs ihre globale Wachstumsprognose von Ende 2007 für die Jahre 2008 und 2009 nur geringfügig von 4,0 auf 3,9 Prozent beziehungsweise von 4,2 auf 3,8 Prozent nach unten korrigiert haben. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass, anders als die Medien dieser Tage berichten, auch die Konsensschätzungen für das weltweite BIP-Wachstum 2008 in den letzten Monaten lediglich von 4,1 auf 3,8 Prozent angepasst wurde. 

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