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Rückenwind für Index-ETFs: EZB-Präsident Mario Draghi stellt zum Abschied eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht. | © Getty Images

Depotstände Juli 2019 ETF-Wetten: „Wie isses nun bloß möglich“

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Wer jemals den ZDF-Zweiteiler „Tadellöser & Wolff“ nach dem gleichnamigen Roman von Walter Kempowski gesehen hat, dem wird ein Zitat nie wieder aus dem Kopf gehen. „Wie isses nun bloß möglich“ philosophiert Mutter Kempowski bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit im Rostock der Jahre 1939 bis 1945. Oder mitunter auch leicht abgewandelt „Wie isses nun zu glauben“.

Wie isses nun bloß möglich? Eine Frage, die sich mit Blick auf die Ergebnisse einiger Investmentfonds im ersten Halbjahr 2019 förmlich aufdrängt. Zum Beispiel beim iShares Euro Aggregate Bond. Der ETF aus dem Hause Blackrock zeichnet die Wertentwicklung eines Korbes europäischer Staats- und Unternehmensanleihen mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von etwas mehr als acht Jahren nach. Was ihn auf dem Papier zu einem geborenen Verlierer macht. Denn wenn der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) wie seit Jahren schon bei null steht, kann die nächste große Zins-Bewegung eigentlich nur nach oben gehen. Mit empfindlichen Kursverlusten für Alt-Anleihen, die dann kein Mensch mehr im Depot haben will.

Doch weit gefehlt. Erst vor wenigen Wochen stellte EZB-Präsident Mario Draghi eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht und trieb damit die Renditen an den europäischen Anleihemärkten noch tiefer in den Keller. Vom deutschen Finanzminister begebene Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit etwa rentieren derzeit mit minus 0,4 Prozent. Alt-Papiere erzielten so in den vergangenen Monaten weitere Kursgewinne und bescherten dem iShares Euro Aggregate Bond ein Halbjahres-Plus von mehr als 6 Prozent. Parallel dazu fließt weltweit wieder reichlich Geld in die Aktienmärkte. Nach Hoffnungen auf eine baldige Leitzins-Senkung vor allem in den USA: Käufer von ETFs auf den zu mehr als 60 Prozent aus US-Titeln bestehenden MSCI World können sich so seit Anfang Januar über Zuwächse von fast 20 Prozent freuen.

Beides erwischte DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf bei seiner Ende 2016 mit dem „Capital“-Kollegen Christian Kirchner abgeschlossenen ETF-Wette auf dem völlig falschen Fuß. Wachtendorf rechnet bis Ende 2026 – so lange läuft der Wettstreit – mit Verlusten beim iShares Euro Aggregate Bond und einer eher unterdurchschnittlichen Entwicklung im MSCI World (siehe  „Das Wunder-Portfolio der FAZ“).

Ein Marktumfeld, in dem aktiv gemanagte Mischfonds gegenüber an ihrem Index klebenden ETFs klar im Vorteil wären. So aber hinken die von Wachtendorf ins Rennen geschickten Aktivposten Nordea Stable Return und Carmignac Patrimoine Kirchners ETF-Gespann weiter hinterher. Gegenüber Januar 2019 hat sich der Rückstand von 9,4 auf 15,7 Prozentpunkte erhöht. Oder, in absoluten Zahlen ausgedrückt: Um doch noch an der Konkurrenz vorbeizuziehen, muss das Mischfonds-Depot in den verbleibenden siebeneinhalb Jahren einen Rückstand von 7.836 Euro aufholen (siehe Tabelle 1 auf der nächsten Seite).

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