Trends der Fondsbranche „Digitale Stärke im Vertrieb“

China-Aktien und ESG

China-Aktien und ESG | © Aberdeen

Arnd Seybold, Leiter Wholesale Business Development für Deutschland und Österreich bei Aberdeen Standard Investments © Aberdeen

DAS INVESTMENT: Bitte nennen Sie 2-3 Trends im Fondsvertrieb 2021.

Arnd Seybold: Für 2021 erwarte ich den weiterern Ausbau digitalisierter Angebote zum Austausch mit Kunden, die Zusammenarbeit mit Event-Anbietern, die innovative und richtungsweisende Angebote bedienen können und die Entwicklung geeigneter Formate um internationale Fondsmanager mit deutschen Fondsselektoren zusammen zu bringen.

Bitte nennen Sie 2-3 Anlagethemen Ihres Hauses, die 2021 besonders gefragt sein werden. 

Seybold: Nachhaltiges Investieren, Investieren in europäische Aktienunternehmen und Investieren in den chinesischen Inlandsmarkt für Aktien und Bonds.

Welches sind Ihre Tier-1-Produkte für 2021 je für den Retail-, Wholesale-, und institutionellen Vertrieb?

Seybold: Im Wholesale-Vertrieb bei Aktien European Equities, Small Caps, China A, Asien und im Anleihe-Bereich EMD ESG/SRI Funds. Bei institutionellen Anlegern sind es European Equities, Small Caps, EMD Corps, Credit ESG/SRI Funds und Real Estate Infrastructure.

Auf welche Zielgruppe legen Sie im Vertrieb 2021 einen Schwerpunkt?

Seybold: Die Schwerpunkte liegen in 2021 auf den gleichen Zielgruppen wie 2020. Im Wholesale-Vertrieb konzentrieren wir uns sehr stark auf die großen Bankvertriebe, Dachfondsmanager und unabhängigen Portfoliomanager und Family Offices, die es in Deutschland gibt. Im institutionellen Bereich bleiben wir ein attraktiver Produzent für Kunden aus den Bereichen Versicherung und Pensionsfonds.

Welcher Vertriebskanal leidet aufgrund von Corona?

Seybold: Wir sehen bislang nicht, dass ein Vertriebskanal aufgrund von Corona leidet. Unsere Kunden waren speziell in diesem Jahr sehr aktiv dabei, Produkte aus unserem Hause nachzufragen. Professionelle Anleger finden bei uns ein breites Angebot auch an Produkten mit speziellem fokussiertem Ansatz, immer sehr aktiv gemanaged. Das findet auch in der aktuellen Zeit weiter statt, wenn auch der Austausch eher über Telefon oder Email und weniger über persönliche Treffen stattfindet. Wir können auch bei Vertrieben, die Retailkunden betreuen, keine Anlagehemmung entdecken.

Wie ändert die neue Realität mit weniger persönlichen Kontaktmöglichkeiten den Fondsvertrieb? Verlagert sich der Vertrieb eher in den Bereich Marketing?

Seybold: Sicherlich kommt auf das Thema Kommunikation eine besondere Bedeutung zu. Als Aberdeen Standard Investments sind wir in der glücklichen Lage, da wir bereits seit vielen Jahren am Markt präsent sind, ein breites Kundennetzwerk zu haben. Diese Kunden betreuen wir in Zeiten, in denen wir sie nicht persönlich treffen können, problemlos über Telefon oder digital. Mit meinen Kollegen aus dem Marketing sind wir im ständigen Austausch, wie wir unseren Kunden auch in diesen Zeiten einfachen Zugang zum Know-how unseres Hauses geben können. Von einer Verlagerung würde ich hier aber nicht sprechen.

Wie viel Digitalisierung verträgt der Fondsvertrieb? Welche Bedeutung haben zwischenmenschliche Beziehungen im Vertrieb noch?

Seybold: Zwischenmenschliche Beziehungen haben aus unserer Sicht auch weiterhin eine wesentliche Bedeutung. Am Ende geht es ja darum, Vertrauen zu Aberdeen Standard Investments aufzubauen, zu unseren Produkten aber auch zu den Menschen, mit denen man zusammen arbeitet. Menschen, die ihr Vermögen anlegen möchten oder die für andere investieren, wollen, wünschen sich, neben möglichst wenigen Marktschwankungen, eine stabile Geschäftsbeziehung. Auch in schwierigen Marktsituationen benötigt man Vertriebsmitarbeiter von Produzenten, die auch dann ansprechbar sind.

Welche Meilensteine haben Sie sich beim Thema Nachhaltigkeit für 2021 gesetzt?

Seybold: Wir füllen bereits seit rund 3 Jahren sukzessive unser Produktportfolio mit dedizierten nachhaltigen Produkten. Ohnehin sind in jedem Investmentfonds von Aberdeen Standard Investments unsere hauseigenen ESG-Kriterien als Teil des Managementansatzes integriert. Daneben haben wir allerdings auch Produkte aufgelegt, die Sektoren und Unternehmen ausschließen, die wir als nicht nachhaltig erachten. Von daher gibt es neben den bekannten rechtlichen Meilensteinen in 2021 keine weiteren hauseigenen.

Neben liquiden Assets, welche Geschäfts- und Produktwelten im Alternative-Bereich werden Sie 2021 entwickeln?

Seybold: Der Bereich Private Markets ist bei Aberdeen Standard Investments ein sehr wichtiger Teil der Geschäfts- und Produktwelt. Hier sind aus unserem Hause insbesondere Angebote aus den Bereichen Infrastruktur, Real Estate und Private Equity zu nennen. Wir werden hier in 2021 sowohl vorgefertigte Angebote, aber auf Kundennachfrage auch individuelle Lösungen offerieren können.

Wie weit wird Ihrer Meinung nach die Fondsindustrie bei der Konsolidierung im Jahr 2021 sein?

Seybold: Schwer zu sagen. Wir glauben natürlich auch an eine weitere Konsolidierung und gerade das erwähnte Thema Nachhaltigkeit wird eines sein, dass die Margen- und Kostensituation gerade für aktive Asset Manager negativ beeinflusst. Wo wir dann am Ende 2021 stehen wird man sehen müssen.

Wie weit wird die Verschiebung zwischen aktiven und passiven Anlageprodukten in 2021 noch gehen?

Seybold: Grundsätzlich sehen wir diesen Gegensatz nicht. Beide Seiten habe ihre Rechtfertigung. In unseren Multi-Asset-Produkten nutzen wir ebenfalls aktive und passive Lösungen. Wir glauben allerdings das auch in 2021 wie schon in diesem Jahr, die aktiven Manager vor allem mit stark ausgeprägtem Qualitätsansatz, hauseigenem Research, integriertem ESG-Ansatz Vorteile gegenüber passiven Ansätzen ausspielen können. Es gab ja in 2020 einige Unternehmensbeispiele, bei denen eine ausgeprägte Analyse beispielsweise der Governance-Struktur vor Fehlinvestitionen geschützt hat, auch wenn es sich um Unternehmen in relevanten Indizes handelte. Gerade die strukturierte Einbindung von ESG-Kriterien kann dabei helfen, zukünftige Verlustbringer zu vermeiden.

In ihren Antworten, welche Trends den Fondsvertrieb im Jahr 2021 bestimmen dürften, weisen fast alle der gut 60 von DAS INVESTMENT befragten Vertriebsverantwortlichen auf zunehmende Digitalisierung und Nachhaltigkeit hin. Beide Trends sind nicht neu, erhalten jedoch in der Corona-Krise noch einmal deutlich Anschub. In Zeiten von Homeoffice und Kontaktverboten setzen immer mehr Fondsanbieter auf digitale Vertriebswege und Telearbeit. Persönliche Kontakte mit Kunden sind jedoch nach wie vor von herausragender Bedeutung für den Absatzerfolg, da ist sich die Fondsbranche einig.

Ein Grund, warum Nachhaltigkeit in der Fondswelt 2021 einen so hohen Stellenwert hat, dürften nicht zuletzt auch neue Regularien sein. In Europa sollen bald verbindliche Regeln für die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Finanzprodukten gelten. Am 21. März 2021 treten Regeln zur Offenlegung in Kraft, Fondsanbieter müssen Vorlagen für Informationen zur Nachhaltigkeit in Verkaufsprospekte aufnehmen. Davon profitieren sogenannte ESG-Fonds, die neben ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte und eine gute Unternehmensführung berücksichtigen.

Nahezu alle Vertriebsverantwortlichen haben an unserer Umfrage teilgenommen. Aufgrund der Menge wäre es schwierig , die Antworten in einem einzigen Artikel unterzubringen, weshalb wir Ihnen die Statements in einer mehrteiligen Bildstrecke vorstellen. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Alphabet (hier: Teil 1, A-C).

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