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Euro: 2011 wird zum Schicksalsjahr

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Nach den jüngsten Prognosen wird die Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr um 2,5 Prozent wachsen und mehr Jobs sowie spürbar höhere Einkommen bringen. Auch die Lage der Weltwirtschaft ist so schlecht nicht: China, Indien und Brasilien wachsen weiter, wenn auch mit etwas geringerem Tempo. Die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten in eine Rezession zurückfallen und den Rest der Welt mit sich reißen, ist gesunken.

Das sind eigentlich Gründe genug für uneingeschränkte Zuversicht – wäre da nicht der Euro. Vermutlich wird 2011 zum Schicksalsjahr der Gemeinschaftswährung. Denn der Euro ist nicht nur eine Währung, sondern als Politikum derzeit das mit Abstand größte Risiko für die weitere Entwicklung. Inzwischen ist mit Frankreich sogar ein Kernland der EU ins Visier der Spekulanten geraten. Im Dezember erreichten die Kosten für die Ausfallversicherung französischer Staatsanleihen Rekordwerte, nachdem wachsende Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Landes laut geworden waren. Präsident Nicolas Sarkozy unterstrich den Kampfeswillen der Politik mit den Worten: „Der Untergang des Euro wäre das Ende Europas“. Offenbar ist man bereit, den Euro zu verteidigen – koste es, was es wolle.

Vorübergehende Entspannung brachte ein Hilfsangebot aus China, das „konkrete Maßnahmen“ ankündigte, um einigen EU-Mitgliedsstaaten aus ihrer ernsthaften Schuldenkrise zu helfen. Details nannte der chinesische Vizepremierminister Wang Qishan nicht, doch die Finanzmärkte gehen davon aus, dass es sich – wie im Falle Griechenlands und Portugals – um den Ankauf von Staatsanleihen handelt. China hat zudem versichert, diese Bonds länger halten zu wollen und so den immer noch angespannten Markt für europäische Staatsanleihen zu stabilisieren.

Gleichwohl sind die Probleme damit nicht gelöst. Das Dauerthema Schuldenkrise schwebt weiter bedrohlich über allem. Nur wenn es in den kommenden sechs bis neun Monaten gelingt, Spanien zu verteidigen und Zweifel an Frankreichs Kreditwürdigkeit auszuräumen, nur wenn sich der Euro-Rettungsschirm als glaubwürdig erweist und der europäische Stabilitätspakt tatsächlich reformiert wird, wird der Euro erst einmal aus der Schusslinie kommen.

Fazit: Die deutsche Wirtschaft floriert, aber sie tut es in einem weltweiten Umfeld, das nach wie vor nicht nachhaltig stabil ist. Ob das Jahr 2011 wirklich so gut wird, wie es jetzt scheint, hängt wesentlich von der Bereitschaft und Fähigkeit der Politik ab, die Probleme rund um den Euro zu entschärfen.

Zum Autor: Friedrich Huber ist geschäftsführender Gesellschafter der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München.

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