EZB-Chef Mario Draghi. Foto: Getty Images

EZB-Chef Mario Draghi. Foto: Getty Images

EZB-Ratsmitglieder skeptisch

Das spielte sich beim EZB-Zinsentscheid ab

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Eine Handvoll der 25 EZB-Ratsmitglieder war skeptisch, dass eine Verstärkung der quantitativen Lockerung sowie Käufe von Unternehmensanleihen dazu beitragen würden, die Inflation im Euroraum anzukurbeln, berichten die informierten Personen. Die Einführung neuer langfristiger Kredite für die Banken war demzufolge jedoch nicht umstritten, allerdings sprachen sich einige Zinsentscheider für eine deutlichere Reduzierung des Einlagensatzes aus. Ein EZB-Sprecher wollte keine Stellung dazu nehmen. 

Nach der Sitzung des Zentralbankrates in Frankfurt stellte Draghi am Donnerstag ein Maßnahmenpaket vor, das seiner Auffassung nach beweist, dass die Notenbank noch Munition zur Verfügung hat. Die unterschiedlichen Meinungen der Ratsmitglieder unterstreichen, dass es in der EZB weiterhin divergierende Auffassungen und Widerstand gegen weitere Maßnahmen geben dürfte.

Draghi erklärte bei der Pressekonferenz, die "überwältigende Mehrheit" der Ratsmitglieder habe das Maßnahmenpaket unterstützt. 

Die EZB wird mindestens bis März 2017 monatlich 80 Mrd. Euro an Anleihen kaufen statt wie bisher 60 Mrd. Euro pro Monat. Außerdem wird sie den Banken langfristige Kredite anbieten, die auch mit negativen Zinsen ausgestattet sein können und die teilweise bis 2021 laufen. Der  Einlagensatz wurde um zehn Basispunkte gesenkt auf minus 0,4 Prozent und der Haupt-Refinanzierungssatz auf Null Prozent.

Die Einführung der neuen Kredite, die an die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und private Haushalte gekoppelt sind, war laut einer Person aus dem Umfeld der Entscheidung nicht umstritten. Die kompletten Details des Programms müssen noch festgelegt werden. Unternehmensanleihen, bei denen die Kriterien für eine Aufnahme in das EZB-Kaufprogramm noch ausgearbeitet werden müssen, werden voraussichtlich nur einen geringen Teil der Käufe ausmachen, berichten zwei informierte Personen.

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