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Fondsmanager fliegen auf Parfüm-Aktien

Der feine Duft von Burger

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Vanille, Veilchen oder Lavendel – so oder ähnlich riechen viele Duftwässerchen, die in den Kaufhäusern und Parfümerien dieser Welt erhältlich sind. Langweilig, dachte sich der Fast-Food-Riese Burger King und verkaufte deshalb am 1. April in seinen japanischen Schnellrestaurants ein ganz spezielles Parfüm: das streng limitierte und statt nach Chanel No. 5 nach Hamburgern duftende Flame Grilled Fragrance.

Der amerikanische Buletten-Brater scheint den Marketing-Gag nötig zu haben, denn nicht nur in Japan greifen immer weniger Menschen zu Whoppern, Pommes und Softdrinks. Auch in Europa und in weiten Teilen Asiens liegen die Umsätze deutlich unter den Erwartungen. In Deutschland flog zudem Mitte vergangenen Jahres ein Hygiene-Skandal in den Burger King-Filialen auf. Ein Umfeld, in dem die ausdrücklich nicht als Aprilscherz gemeinte Parfüm-Offensive medial naturgemäß auf wenig Wohlwollen stößt. „Der Duft, der Hunde provoziert“, ätzt beispielsweise FAZ Online und warnt Träger vor den Schleck-Attacken fremder Vierbeiner.

Die Lust auf unbeschwerten Hamburger-Genuss scheint nicht nur bei den Kunden am Boden zu liegen. Auch Investoren wollen von dem Unternehmen derzeit nicht viel wissen. Der Konzern war 2010 vom Private-Equity-Fonds 3G Capital übernommen und zunächst von der Börse genommen worden. Im April 2012 erfolgte die Rückkehr auf die Kursliste. Seitdem ist die Burger-King-Aktie um mehr als 100 Prozent gestiegen. Dennoch sucht man sie in den Fondsportfolios vergebens. Ganz anders beim großen Rivalen McDonalds – dessen Aktie ist in vielen Fonds unter den Top-5-Position zu finden, unter anderem im Blackrock Global Equity Income, im Nordea-Emerging Consumer Fund und im GS&P Global Value. Schade nur, dass McDonalds mit ganz ähnlichen Problemen kämpft und seit April 2012 auf Euro-Basis gerade einmal um 23 Prozent zulegte.

Boden gut machen die Geldprofis dagegen ganz allgemein mit Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Parfümen als Kerngeschäftsfeld konzentrieren. Beispiel Symrise: Der im niedersächsischen Holzminden ansässige Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen steht in seiner Branche seit Jahren für Erfolg. Erst Ende März wurde das Unternehmen bei den prestigeträchtigen Fi-Fi-Awards erneut ausgezeichnet: Chef-Parfümeurin Evelyne Boulanger hat für den französischen Beauty-Konzern L’Oréal das „Beste Damenparfüm im Massenmarkt 2015“ kreiert.

Auch bei den Geschäftszahlen liegt Symrise auf Kurs: Die Übernahme des französischen Rivalen Diana im vergangenen Jahr ermöglichte kräftige Zunahmen bei Umsatz und Nettogewinn. Zu den größten Positionen gehört die Aktie, die in den vergangenen drei Jahren um 180 Prozent zulegte, unter anderem im Allianz Aktien Europa, im DWS German Small/Mid Cap und im M&G Global Basics. M&G-Manager Randeep Somel, der die Aktie derzeit mit 4,7 Prozent gewichtet, sieht das Unternehmen in einer komfortablen Marktposition, um die Margen weiter auszudehnen: „Symrise zählt zu den Top 5-Unternehmen weltweit, die Duft- und Aromastoffe für den schnell wachsenden Konsumentenmarkt herstellen, und dominiert die Lieferung der zwei Hauptbestandteile Menthol und Vanille durch den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in Madagaskar.“

Der Duft-Weltmarktführer sitzt übrigens nicht in Frankreich, sondern im schweizerischen Vernier unweit des Genfer Sees. Givaudan ist an der Herstellung jedes vierten weltweit verkauften Duft- und Aromaartikels beteiligt. Die überlegene Marktstellung führt dazu, dass der Index-Anbieter Stoxx die Givaudan-Aktie unter den 20 stärksten europäischen Value-Titeln listet. Dementsprechend findet sich das Papier mit einem Anteil von 6 Prozent im Deka Stoxx Europe Strong Value 20 ETF. Für eine Givaudan-Aktie müssen Investoren die stolze Summe von umgerechnet knapp 1.700 Euro auf den Tisch legen. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass man sie in aktiv gemanagten Fondsportfolios nicht unter den Top-Holdings findet. Eine Ausnahme ist der Tresides Dividend & Growth AMI: Darin stellt Givaudan mit 2,5 Prozent den zweitstärksten Titel.

Ein außergewöhnlich starkes Geschäftsjahr in Japan erzielte der US-Parfümriese Estée Lauder. Neben dem US-Heimatmarkt sind die asiatischen Märkte für das Unternehmen traditionell bedeutsam. Die Marke verheißt Luxus und Reichtum – nicht verwunderlich deshalb, dass die Aktie in Fonds wie dem Julius Bär Luxury Brands (5,5 Prozent) oder dem NN Prestige & Luxe (4,9 Prozent) prominent vertreten ist. Ob auch der jüngst in Japan über die Burger King-Theken gereichte Hackfleisch-Duft aus dem Hause Estée Lauder stammt, bleibt allerdings reine Spekulation.

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