Muammar al-Gadaffi bei einem Fernseh-Auftritt. <br> Quelle: Getty Images

Muammar al-Gadaffi bei einem Fernseh-Auftritt.
Quelle: Getty Images

Gaddafi setzte auf Siemens-Aktien

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Gaddafi, der dem Internationalen Strafgericht zufolge keinen Unterschied zwischen seinem persönlichen Vermögen und den materiellen Ressourcen seines Landes macht, soll sich mit seinem Staatsfonds LIA an hochriskanten Derivate-Geschäften beteiligt und dabei herbe Verluste erlitten haben. Das berichtet die britische Nichtregierungsorganisation Global Witness. Dem auf den 30. Juni 2010 datierten Bericht der Organisation  zufolge soll der libysche Staatsfonds in den vergangenen Jahren Aktienderivate im Wert von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar gekauft haben (Seite 14). Doch Gadaffis Wette auf den Kursverlauf von Eni-, EDF-, Citigroup- und anderen Aktien ging nicht auf: Mittlerweile ist das Derivate-Portfolio des Diktators lediglich 19,88 Millionen Dollar wert. Wesentlich besser fuhr Gaddafi mit seinen Aktieninvestments. Laut dem Global Witness-Report setzte er hauptsächlich auf italienische und deutsche Unternehmen, die jeweils mehr als 20 Prozent seines Portfolios ausmachten. Siemens beispielsweise ist mit 9,2 Prozent des Aktienportfolios die drittgrößte strategische Position des libyschen Staatsfonds (Seite 6). Die Aktien, die der LIA zu einem Buchwert von 476 Millionen Dollar gekauft hatte, waren im Berichtsquartal bereits knapp 481 Millionen Dollar wert. Auch Papiere von Allianz, Bayer, BASF, RWE, Eon und der Deutschen Telekom finden sich in Gaddafis Portfolio. Gewinne erzielte der Diktator unter dem Strich jedoch auch mit seinem Aktienportfolio nicht: Seine Aktien, deren Buchwert bei 6,8 Milliarden US-Dollar lag, waren im Berichtsquartal nur 5,2 Milliarden Dollar wert.

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