Rolf-Peter Hoenen

Rolf-Peter Hoenen

GDV: Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung sinken

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Das Geschäft in der Lebensversicherung ist laut GDV 2011 geprägt von einem Rückgang im Einmalbeitragsgeschäft: Die Einmalbeiträge belaufen sich im aktuellen Geschäftsjahr auf 22 Milliarden Euro (Vorjahr: 27 Milliarden Euro) ­– erreichen damit aber immer noch den historisch zweithöchsten Wert.

In der Folge reduzieren sich die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung insgesamt, also mit Pensionskassen und -fonds, voraussichtlich um 5,7 Prozent auf 85,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 90,4 Milliarden Euro). Die Zahl der Vertragskündigungen sind leicht zurückgegangen: Die Stornoquote liegt voraussichtlich bei etwa 3,5 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent).

Steigende Beitragseinnahmen in der Krankenversicherung

Die privaten Krankenversicherer können laut GDV mit einer Steigerung ihrer Beitragseinnahmen auf 34,9 Milliarden Euro rechnen, nach 33,4 Milliarden Euro 2010. Davon entfallen auf die Krankenversicherung voraussichtlich 32,8 Milliarden Euro (plus 5,1 Prozent) und auf die Pflegeversicherung 2,1 Milliarden Euro (plus 2,1 Prozent).

Im ersten Halbjahr 2011 lagen die Beitragseinnahmen in der privaten Krankenversicherung (PKV) bei 17,5 Milliarden Euro. 12,7 Milliarden Euro wanderten in die Krankheitsvollversicherung und 1,1 Milliarden Euro in die Pflegeversicherung. Das Beitragsvolumen für Zusatzversicherungen erreichte bis Mitte 2011 3,4 Milliarden Euro. Davon gingen 2,3 Milliarden Euro für Wahlleistungstarife, ambulante Tarife und Zahntarife.

Die ausgezahlten Versicherungsleistungen dürften bis Ende 2011 ein Volumen von 23,1 Milliarden Euro erreichen. Davon entfallen voraussichtlich 22,4 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung (plus 5,4 Prozent) und 0,7 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung (plus 7,3 Prozent). Im ersten Halbjahr 2011 zahlten die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung insgesamt 11,6 Milliarden Euro an Versicherungsleistungen aus: 11,2 Milliarden Euro in der Krankenversicherung und 0,4 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung.

Schaden- und Unfallversicherer: Beitragseinnahmen und Leistungen wachsen

Für die Schaden- und Unfallversicherung zeichnet sich 2011 eine positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen ab: Sie wachsen voraussichtlich um 2,5 Prozent auf 56,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 55,1 Milliarden Euro). Entscheidend hierfür ist die positive Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung. Hier setzt sich die Tendenz des Vorjahres fort; die Beitragseinnahmen steigen 2011 aller Voraussicht nach um 3,5 Prozent (Vorjahr: +0,5 Prozent). In allen Versicherungszweigen verzeichnen die Schaden- und Unfallversicherer 2011 voraussichtlich ein Plus in der Beitragsentwicklung.

Die Leistungen steigen nach dem bereits leistungsintensiven Vorjahr nochmals um voraussichtlich 0,7 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro. Ungeachtet des Ausnahmejahres des Elbehochwassers erreichen sie damit einen neuen Höchststand. Insbesondere bei den Kraftfahrtversicherern sowie Gewerbe- und Industrieversicherern steigen die Leistungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr.

„Eine Insolvenz Griechenlands hätte kaum Auswirkungen“

„Die Geschäftsentwicklung der deutschen Versicherungswirtschaft ist angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen zufriedenstellend. Für 2012 halten wir bei aller bestehenden Unsicherheit eine weitere Verbesserung der Beitragsentwicklung für die Gesamtbranche für möglich“, sagt GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen.

Zu den schwierigen Rahmenbedingungen gehört zum Beispiel die Euro-Krise. In Anleihen der sogenannten „PIIGS-Länder“ sind deutsche Versicherer dabei laut GDV nur wenig engagiert: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bezifferte den Anteil von Staatsanleihen aus Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien im März 2011 auf insgesamt 3 Prozent der Kapitalanlagen, mit einem Zehntel davon in Griechenland: „Damit hätte ein eventueller Zahlungsausfall Griechenlands kaum Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Kunden“, so Hoenen.

Deutlich stärker spüren die deutschen Lebensversicherer die anhaltende Niedrigzinspolitik. Dauerhaft niedrige Zinsen erschweren die Neuanlage deutlich. „Die in den vergangenen Jahren aufgebaute Liquidität von den Zentralbanken muss zügig wieder abgebaut werden“, so Hoenen.

Versicherer fordern schnelle Nachbesserungen bei Solvency II

Nachbesserungen fordern die Versicherer bei den neuen europäischen Eigenkapitalrichtlinien Solvency II. „Zwar wurde uns von europäischer Ebene zuletzt signalisiert, dass in wesentlichen Punkten praxistaugliche Lösungen gefunden würden – insbesondere bei der Bewertung langfristiger Garantien oder beim Berichtsrhythmus für kleine und mittlere Unter-nehmen“, so Hoenen. „Den Ankündigungen müssen nun aber auch Taten folgen.“ Ab 2013 sollen die neuen Regeln eingeführt werden.

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