Kampf dem Gleichschritt

Die weltweiten Aktienmärkte bewegen sich gefährlich synchron. Um Aktienrisiken deutlich zu senken, reicht es nicht mehr aus, einfach nur verschiedene Regionen und Branchen zu kombinieren.

In den Pressemitteilungen klang alles noch beruhigend: „Die schwache Korrelation vor allem gegenüber Aktien ermöglicht Investoren eine effiziente Diversifikation“, sagte beispielsweise Fondsmanager Thomas Körfgen von SEB Asset Management im März 2006. „Eine geringe Abhängigkeit von Zins- und Dividendentiteln“ bescheinigte Fidelity derselben Anlageklasse einen Monat zuvor. Beide bezogen sich auf die in Deutschland recht neue Anlageklasse der Immobilienaktien. Und beide lagen falsch.

Immo-Aktien hängen am Markt


Im gesamten Jahr 2006 bewegte sich der globale Immobilienaktienindex Epra/ Nareit Global mit dem deutschen Aktienindex Dax nahezu im Gleichschritt 2007 entwickelte er sich sogar unterdurchschnittlich. Von diesem Unterschied einmal abgesehen, machten die weltweiten Immobilienaktien jeden Kursrutsch der breiten Aktienmärkte mehr oder weniger stark mit. Warum sollten auch die gängigen marktbestimmenden Faktoren, Angst und Gier, ausgerechnet vor Immobilienaktien haltmachen? Die Anlageklasse mag zwar eine interessante Beimischung in einem Aktienportfolio bleiben. Um das gesamte Aktienmarktrisiko abzumildern, eignet sie sich aber nicht.
Das Beispiel verdeutlicht ein Problem, das eine gute Asset Allocation lösen soll. Sie soll das Vermögen auf mehrere Anlage- klassen verteilen, die sich möglichst unabhängig voneinander bewegen. Auf diese Weise wird das Depot geschützt, wenn die Herde der Großanleger die Aktienkurse mal wieder in den Keller treibt. Das Stichwort lautet hierbei Korrelation, also das Verhältnis, wie sich die Kurse zweier Anlagen zueinander bewegen. Der Wert 1 steht für einen exakten Gleichlauf, die Zahl minus 1 signalisiert totalen Gegensatz. Eine Null bedeutet Unabhängigkeit voneinander.

Negative Korrelation ist positiv

Wie schön wäre es doch, wenn bei einem Aktien-Crash ein anderer Teil des Depots an Wert gewinnen und so die Verluste ausgleichen würde. Dafür wäre mindestens eine negative Korrelation nötig. Doch eine Analyse des Chicagoer Vermögensverwalters Ibbotson Associates zeigt die Grenzen des Machbaren. Die Spanne der Korrelationen verschiedener Anlageformen reicht nur von knapp unter 1 bis leicht negativ. Genau gegeneinander laufende Geldanlagen gibt es überhaupt nicht. Erst recht nicht am Aktienmarkt.
So zeigte Ibbotson-Investmentvorstand Peng Chen in seinem Vortrag auf der Investmentkonferenz der Rating-Agentur Morningstar, dass die globalen Aktienbörsen sich mehr und mehr im Gleichschritt bewegen. „Das liegt daran, dass die weltweite Wirtschaft und das Finanzsystem zusammenwachsen“, sagte er. So könne man beispielsweise bereits chinesische Aktien in New York kaufen.
Besonders stark wird der Gleichlauf in Krisenzeiten. Also gerade wenn eine niedrige Korrelation besonders angebracht ist, fliegen den Anlegern neuerdings alle Aktienmärkte gleichzeitig um die Ohren – und damit auch die Immobilienaktien. Aufgabe einer guten Asset Allocation ist es unter anderem, die kurzfristigen Kurseinbrüche aufzufangen. Und dabei haben Anleger mit einem reinen Aktiendepot schon verloren.
In diesem Punkt ist der Unterschied zwischen Immobilienaktienfonds und klassischen offenen Immobilienfonds bedeutend. Letztere verrichten ungeachtet von Börsenstimmungen ihre Arbeit. Die Probleme mit Immobilienbewertungen, die es in den vergangenen Jahren gab, waren anderer Art und hatten mit dem Aktienmarkt nichts zu tun. Diese echte Unabhängigkeit stabilisiert jedes Portfolio.
Den besten Gegenpol zu Aktien bilden jedoch noch immer Staatsanleihen. Von Aktienfans häufig als langweilig verpönt, fangen sie einen guten Teil der Aktienverluste auf. Der Grund: Wenn es weltweit an den Aktienmärkten kriselt, muss das abgezogene Geld irgendwo hin. Im Regelfall fließt es dann in den sicheren Hafen – in Staatsanleihen. Deren Kurse bleiben deshalb nicht nur stabil, sie steigen sogar.
Ein gutes Beispiel ist die Zeit nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001. Als die Aktienmärkte um 20 Prozent in die Tiefe rauschten, legte der Bundesanleihenindex Rex-P um knapp ein Prozent zu. Das Gleiche im vergangenen Sommer: Obwohl die Finanzkrise den Vornamen „Kredit“ trug und weltweit die Investoren den Blues von platzenden US-Baukrediten spielten, zogen die Kurse von Staatsanleihen an. Von Jahresmitte bis Ende Oktober korrelierten der Dax und der Rex-P mit dem Wert -0,26. So geht Sicherheit.

Leidlich unabhängig: Rohstoffe

Als weitere sinnvolle Beimischung gelten Rohstoffe. „Früher korrelierten sie sogar leicht negativ mit Aktien, weil höhere Rohstoffpreise auch höhere Kosten für die Unternehmen bedeuteten“, sagt Gerrit Weber, der das Produktmanagement des Private Bankings der Commerzbank leitet. In der Praxis bedeutete das: Wenn früher das Öl am Weltmarkt teurer wurde, dann stiegen die Einkaufspreise für den Chemiekonzern BASF. Die Gewinnmarge sank daraufhin – die Aktie auch. Diese Zusammenhänge seien heute nicht mehr ganz so stark ausgeprägt, sagt Weber, weil solche fundamentalen Preisfaktoren zunehmend in den Hintergrund träten. Dagegen bestimmten mehr und mehr die internationalen Geld- und Anlageströme die Preisbildung.
Das bringt die Gefahr mit sich, dass Rohstoffe Kurseinbrüche am Aktienmarkt immer stärker nachvollziehen werden. Denn wenn internationale Anleger mehr und mehr Naturgüter in ihre Portfolios einbinden, werden sie sie auch in Paniksituationen zusammen mit anderen Risikopositionen, also Aktien, rauswerfen. Schon jetzt gibt es vereinzelt erstaunliche Parallelen zwischen Aktien- und Rohstoffpreisen.

Auf den Energiegehalt achten

Doch wie bindet man die Gaben der Natur am besten ins Depot ein? Die meisten Rohstoffindizes kranken daran, dass sie klumpen. So besteht der Rogers International Commodity Index (Rici) von Rohstoff- Papst und Weltenbummler Jim Rogers derzeit zu 44 Prozent aus Energieträgern wie den verschiedenen Ölsorten und Benzin. Gold fristet dagegen mit 3 Prozent nur ein Nischendasein. Bei anderen Indizes sieht es nicht wesentlich anders aus.
Weniger energielastig und trotzdem investierbar ist der Goldman Sachs Commodity Index Ultra-Light Energy. Er besteht zu gut einem Drittel aus Agrarprodukten und zu 23 Prozent aus Energieträgern. Den passenden Investmentfonds gibt es von Axa Investment Managers und BNP Paribas unter der französischen Marke Easy-ETF. Ob Hedge-Fonds ein Anlageportfolio verbessern oder zumindest absichern können, ist umstritten. Ibbotson-Mann Peng Chen ermittelte, dass Hedge-Fonds seit 1990 mit dem Wert 0,7 mit amerikanischen Aktien und mit 0,6 mit deutschen Aktien korrelieren. „Sie sind kein perfekter Schutz gegen Aktienrisiken“, folgert er daraus.
Dabei rühmen sich Hedge-Fonds vor allem, unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen Gewinne erzielen zu können. Das stimmt nur bedingt. In ausgeprägten Trends ist es in der Tat relativ egal, in welche Richtung sich die Aktien- und Rentenmärkte bewegen. So schützten Hedge-Fonds etwa während des langwierigen Aktien-Crashs 2000 bis 2003 tatsächlich die Depots der Anleger, indem sie Gewinne einfuhren. Weil solche Phasen bestimmt wieder auftreten werden, sind Hedge-Fonds in einem Anlegerdepot nicht sinnlos. Welche Strategien sich dafür eignen, hat Michael Busack vom Hamburger Hedge-Fonds-Spezialisten Absolut Research herausgesucht.

Hedge-Fonds sind nicht krisenfest

Die Grenzen von Hedge-Fonds zeigen sich hingegen bei kurzen Gewittern am Aktienmarkt – beispielsweise im Mai 2006 oder im vergangenen Sommer. Da bekamen Hedge- Fonds-Anleger eine Dusche ab – auch wenn sie nicht so kalt war wie die am Aktienmarkt. So schloss jeder Strategie in dex von Credit Suisse/Tremont den vergangenen August im negativen Bereich ab. Auch in den Frühjahrsturbulenzen 2005 und 2006 verzeichneten die meisten Strategien Verluste. Hedge- Fonds benötigen mitunter Wochen, um sich auf neue Marktsituationen einzustellen. In richtungslosen Märkten wirken sie daher etwas hilflos. Vor Wackelbörsen schützen Renten und Rohstoffe also effektiver als ein Hedge-Fonds-Portfolio.