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Atradius Kreditversicherer warnt vor Zahlungsverzug

Zwei Metallbauer bei der Arbeit
Zwei Metallbauer bei der Arbeit: Viele Unternehmen der Stahl- und Metallindustrie klagen über anhaltende Unterbrechungen ihrer Lieferketten. | Foto: Pexels

Angesichts der positiven Konjunkturentwicklung erwartet ein Großteil der deutschen Betriebe für das kommende Jahr ein Wachstum. Das ergab das aktuelle Zahlungsbarometer des Kreditversicherers Atradius, für den 200 Unternehmen aus der deutschen Chemie-, Stahl-/Metall- und Transportindustrie befragt wurden.

Allerdings belasten steigende Wertberichtigungen zunehmend die Chemie- und die Stahl-/Metallbranche. Viele Unternehmen aus diesem Bereich gaben zudem an, dass sie Zahlungen an Lieferanten zurückhalten, wenn sie selbst mit langsam zahlenden Kunden konfrontiert sind.

„Das birgt aber die Gefahr, dass sich der Kreislauf der schlechten Zahlungsmoral weiter schließt und ein Dominoeffekt entsteht, der sich über die gesamte Lieferkette ausbreiten kann“, warnt Thomas Langen, Senior Regionaldirektor Deutschland, Zentral- und Osteuropa bei Atradius.

Allerdings nahm der Wert überfälliger Rechnungen im Vergleich zum Vorjahr sogar ab. 37 Prozent des Gesamtwerts der Unternehmensrechnungen sind derzeit überfällig, im vergangenen Jahr waren das noch 40 Prozent. Das führt Langen auf die zögerliche Kreditvergabe zurück: 45 Prozent aller B2B-Verkäufe wurden in diesem Jahr auf Kredit getätigt, im Jahr 2020 waren es noch 55 Prozent.

Der Gesamtwert der Kredite, die nach 90 Tagen noch nicht beglichen waren, stieg jedoch. Dieser Wert nahm von 8 Prozent im letzten Jahr auf 10 Prozent zu. Fast alle diese Rechnungen wurden abgeschrieben.

„Alarmierend“ viele Zahlungsausfälle

Als „alarmierend“ bezeicheichnet Langen zudem die hohe Zahl der Zahlungsausfälle. In der Transportbranche sank der entsprechende Wert gegenüber dem Vorjahr zwar von 8 auf 7 Prozent – im Vergleich zu den Vorjahren sei dieser Wert allerdings immer noch hoch. In der Chemiebranche wurden in diesem Jahr 10 Prozent des Gesamtwerts der Rechnungen abgeschrieben, im vergangenen Jahr waren es noch 8 Prozent. „Vor allem für kleinere Unternehmen könnte es schwierig werden, mit solchen Verlusten zurechtzukommen“, erklärt Langen.

Auch in der Stahl- und Metallindustrie zogen die Wertberichtigungen deutlich an: Auf 11 Prozent gegenüber 7 Prozent im Vorjahr. „Dies ist ein enormer Betrag an entgangenen Umsätzen, der ein ernsthaftes Risiko für die Einnahmen und die Rentabilität der Branche darstellt“, sagt Langen.

In der Stahl- und Metallindustrie gab die Hälfte der befragten Unternehmen zudem an, dass sie über anhaltende Unterbrechungen ihrer Lieferketten besorgt sind. Sie befürchten, dass sich dies negativ auf die Entwicklung der Binnenwirtschaft auswirken kann. Dies könnte wiederum zu steigendem Risiko für Zahlungsausfälle bei B2B-Kunden und zu Liquiditätsengpässen führen.

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