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„Mindestens 20 bis 30 Prozent sollten grün investiert werden“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Rieckmann, für die meisten Investoren ist Sicherheit derzeit das Auswahlkriterium Nummer 1 in Sachen Geldanlage. Gibt es dafür geeignete Produkte im grünen Bereich? Ingo Rieckmann: Ja, auf jeden Fall. Eine stabile und von den klassischen Kapitalmärkten losgelöste Rendite bieten Mikrofinanzfonds wie beispielsweise der Wallberg Global Microfinance Fund. DAS INVESTMENT.com: Inwiefern investieren Anleger hier nachhaltig? Rieckmann: Sie bekämpfen die Armut in der Welt, vorwiegend in den Schwellenländern. Die Mikrofinanzfonds vergeben Darlehen an Mikrofinanzinstitute, die das Geld an Kleinstunternehmer weitergeben. Diese bauen sich damit eine eigene Existenz auf, beispielsweise als Gemüsebauer, Straßenkoch oder Näher, und können dadurch ihren Kindern den Schulaufenthalt und der Familie eine verbesserte Lebensgrundlage erarbeiten. DAS INVESTMENT.com: Bin ich damit nicht im Sub-Sub-Sub-Prime-Segment unterwegs und gehe noch ein viel höheres Risiko ein als mit einem nachhaltigen Aktienfonds? Anlageberater Ingo Rieckmann Rieckmann: Nein, denn die Mikrofinanzinstitute vergeben keine Konsumkredite, sondern Darlehen für die Deckung eines lokal messbaren Bedarfs, also für Produkte, die man nicht substituieren kann. Die Krise macht sich hier so gut wie gar nicht bemerkbar. DAS INVESTMENT.com: Aber verdienen kann ich damit auch nichts. Rieckmann: Selbstverständlich können Sie das; rund 5 Prozent im Jahr sind durchaus zu erwarten. DAS INVESTMENT.com: Gibt es auch Produkte für risikoscheue Anleger, die im klassischen Sinne nachhaltig sind? Rieckmann: Wem Mikrofinanz zu exotisch ist, dem würde ich einen Mischfonds empfehlen, beispielsweise den Sarasin Oekoflex. Diese Produkte können sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und dadurch die starken Schwankungen an den Aktienmärkten umgehen. DAS INVESTMENT.com: Was halten Sie von grünen Garantiefonds? Rieckmann: Nachhaltige Garantiefonds sind für sicherheitsorientierte Kleinanleger geeignet, deren Anlagevolumen zu gering ist, um eine vernünftige Streuung zu gewährleisten. Aktuell kann man feststellen, dass es deutlich verbesserte Garantiefonds gibt. Diese zahlen am Ende der Laufzeit mindestens den gesamten eingesetzten Betrag zurück. Man sollte jedoch darauf achten, dass  der Fonds mit einer Höchststandssicherung arbeitet. DAS INVESTMENT.com: Was würden Sie den etwas risikofreudigeren Anlegern raten? Rieckmann: Das Selbe und noch etwas mehr. Dem risikofreudigen Anleger, der einige Performance-Schwankungen aussitzen kann, empfehle ich die Karte Wasser und erneuerbare Energien am Aktienmarkt zu spielen. Allerdings nicht über Einzelinvestments, sondern eher über einen Fonds wie beispielsweise den Sarasin Sustainable Water oder den Sarasin New Power. Vor allen Dingen Wasser ist das Zukunftsthema schlechthin. Da darf man als langfristiger Anleger auch früh investiert sein. DAS INVESTMENT.com: Und was halten Sie von direkten Investments, also beispielsweise Beteiligungen an Wind- und Solaranlagen? Rieckmann: Sehr viel. Das ist etwas für Anleger, die über die Wertpapieranlage hinaus in zukunftsweisende Sachwerte investieren wollen. Aufgrund der Mindestzeichnungssummen ist hier allerdings einiges an Kapital notwendig, welches zudem langfristig gebunden sein darf. Wenn das bei Anlegern möglich ist, sind Direktinvestments oder auch Zweitmarktanteile sehr interessant. Gerade bei Zweitmarktfonds weiß man, ob das Investment in den vergangenen ein, zwei Jahren schon funktioniert hat. DAS INVESTMENT.com: Was ist derzeit grundsätzlich sicherer, nachhaltig oder nicht nachhaltig zu investieren? Rieckmann: Wer die Gewinner von Morgen im Depot haben will, muss im Bereich Wasser, erneuerbare Energien und umweltgerechtem Managen investiert sein. Darum rate ich auch nicht nachhaltig orientierten Anlegern, mindestens 20 bis 30 Prozent ihres Portfolios grün zu investieren. Dabei sein ist alles.

Info: Unter einem grünen Investment versteht man neben den nachhaltigen Anlagen, also Investitionen in Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die Ressourcen sparsam einsetzen, Gesundheits- und Sicherheitsstandards einhalten, Mindestlöhne berücksichtigen und Mitarbeiter nicht aufgrund von Geschlecht, Nationalität oder Behinderung diskriminieren, auch Investitionen in Umwelttechnologie, englisch Cleantech. Unter diesem recht vagen Begriff wird branchenübergreifend alles gehandelt, was hilft, Luft, Boden und Wasser vor schädlichen Einflüssen zu schützen oder Schäden zu minimieren. Solar, Windkraft, alternative Treibstoffe, Recycling oder Wasseraufbereitung sind nur einige Bereiche, die dazuzählen.

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