EZB-Ratsmitglied  Vitas Vasiliauskas. Foto: Getty Images

EZB-Ratsmitglied Vitas Vasiliauskas. Foto: Getty Images

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EZB kann noch immer Kaninchen aus dem Hut zaubern

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„Die Märkte sagen, die Europäische Zentralbank ist fertig, ihr Werkzeugkasten ist leer“, sagte Vasiliauskas, der die litauische Notenbank leitet, im Interview mit Bloomberg in Vilnius. „Aber wir sind jedes Mal Zauberer, wenn wir etwas nehmen und den Märkten geben - ein Kaninchen aus dem Hut.“

Unter Präsident Mario Draghi hat die Europäische Zentralbank ihren Willen gezeigt, mit ihrer Geldpolitik in unkonventionelle Bereiche vorzustoßen, darunter negative Zinsen, ultra-billige Langfristtender für Banken sowie ein Programm der quantitativen Lockerung, das sowohl ausgeweitet als auch verlängert wurde. Doch obwohl die 19 Mitgliedstaaten starke Wirtschaft wieder auf den Wachstumskurs eingeschwenkt ist, glänzt die Inflation weiter durch Abwesenheit. Zudem könnten noch immer neue Risiken wie die Konjunkturabschwächung in China und das Referendum in Großbritannien über einen Austritt aus der Europäischen Union der Erholung schaden.

Der 42-jährige Vasiliauskas, der am 7. April für eine zweite Amtszeit berufen wurde, lehnte einen Kommentar zu spezifischen Politikoptionen der Europäischen Zentralbank ab. Er wies aber die Vorstellung zurück, dass die Zentralbank nicht in der Lage wäre, auf Schocks wie eine plötzliche Verschlechterung der Weltwirtschaft zu reagieren.

Markt-Überraschung

„Solche Gespräche, solche Spekulationen gibt es vor jeder Sitzung“, sagte der Notenbanker. „Wir haben noch immer Instrumente und können den Markt überraschen. Im Moment sehe ich keinerlei Anlass für ein neues Kaninchen, weil wir umsetzen sollten, was vereinbart wurde, was angekündigt wurde.“

Der EZB-Rat hält seine nächste zinspolitische Sitzung am 2. Juni in Wien ab. Bei der letzten Sitzung in Frankfurt im April wurde die Geldpolitik unverändert belassen, nachdem im März Zinssenkungen beschlossen wurden sowie die Ausweitung des QE-Programms um ein Drittel auf 80 Milliarden Euro monatlich und die Umsetzung eines neuen Kreditprogramms für Banken.

Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums wuchs im ersten Quartal um 0,6 Prozent und damit doppelt so stark wie in den vorigen drei Monaten. Die Inflationsrate belief sich im vergangenen Monat derweil auf minus 0,2 Prozent und hat sich seit mehr als drei Jahren nicht mehr dem EZB-Zielwert von knapp unter zwei Prozent angenähert. Die Kernrate, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert und von der EZB als Richtschnur betrachtet wird, lag bei 0,7 Prozent, nach 1,0 Prozent im März.

Vasiliauskas sagte, er sei zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen bald ihre Wirkung entfalten werden.

„Wir werden das Jahr wahrscheinlich mit einer positiven Inflation beenden und sie wird sich im kommenden Jahr beschleunigen. Zudem rechne ich mit weiteren Zuwächsen im Jahr 2018“, sagte er. „Die Lage bessert sich in beiden Bereichen, beim BIP und bei der Inflation. Die geldpolitischen Entscheidungen der EZB haben viel bewegt.“

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