Chris Hart ist Fondsmanager bei Robeco und leitet seit sechs Jahren den Global Premium Equities Fonds

Chris Hart ist Fondsmanager bei Robeco und leitet seit sechs Jahren den Global Premium Equities Fonds

Robeco-Kommentar

„Sieben Argumente für US-Aktien“

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Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Weltregionen variiert stark. Die USA geben derzeit ohne Zweifel den Ton für das Weltwirtschaftswachstum an. Europa bleibt auf Sparkurs und Asien entwickelt sich derzeit eher seitwärts. Die makroökonomische Entwicklung ist jedoch eher von untergeordnetem Interesse. Mich überzeugt vor allem die fundamentale Stärke amerikanischer Unternehmen.

Grundsätzlich sind für mich diejenigen Aktien interessant, die folgendes mitbringen: eine attraktive Bewertung verglichen mit anderen Anlagealternativen, starke Fundamentaldaten und eine positive, dynamische Geschäftsentwicklung.

Dieser Auswahlprozess führt aktuell zu einer deutlichen Übergewichtung amerikanischer Unternehmen im Robeco BP Global Premium Equities. Zwar haben die US-Aktienindizes zuletzt neue Höchststände erreicht. Die für 2015 prognostizierte Gewinnentwicklung der Unternehmen, stimmt mich jedoch positiv.

Gründe für Optimismus gibt es genug. Viele US-Firmen verfügen – erstens – über sehr viel Liquidität. Wir mögen Unternehmen, die in der Lage sind, hohe freie Cashflows zu erwirtschaften. Die Einschätzung der Notenbanken, dass die Unternehmen insgesamt zu wenig investieren, kann ich nicht teilen. Die Unternehmen besitzen ein Sachanlagevermögen, das mehr als ausreichend ist, um Erträge an ihre Aktionäre ausschütten zu können.

Hohe Ertragskraft, günstige Energie und Nachholbedarf beim Konsum

In den letzten zehn Jahren sind bereits in großem Umfang Kapazitäten aufgebaut worden, die nach wie vor nicht in vollem Umfang ausgelastet sind. Die Ertragskraft der meisten Unternehmen ist dennoch – zweitens – heute höher als jemals zuvor. Dies lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die Unternehmen offensichtlich in der Lage waren, ihr Betriebsvermögen immer produktiver einzusetzen.

Natürlich gibt es auch pessimistische Stimmen, die der Auffassung sind, dass sich die Ertragskraft der Unternehmen 2015 wieder in Richtung ihres Mittelwertes zubewegen wird. Dieser Meinung sind wir nicht. Wir sehen keinen Grund, dass in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren die Ertragskraft von US-Unternehmen nennenswert abnehmen sollte.

Schließlich kommen derzeit in den USA mehrere günstige Faktoren zusammen, die mindestens drei weitere Argumente liefern: niedrige Energiepreise, Verbraucher, die in den letzten fünf Jahren gespart haben und jetzt vielleicht wieder mehr Geld ausgeben werden, und ein Wohnimmobilienmarkt, der seinen Boden gefunden hat. All das ist positiv. In den USA gibt es einen erheblichen Nachfragestau, der in den letzten Jahren durch strukturelle Gegebenheiten entstanden ist, die zum Teil auch politischer Natur waren.

Neue politische Verhältnisse fördern Beschäftigungswachstum


Diese Blockade könnte sich jetzt etwas lösen. Seit den Kongresswahlen am 4. November haben die Republikaner nicht mehr nur die Mehrheit im Kongress, sondern auch im Senat. Der Wahlausgang hat die US-Exekutive geschwächt.

Das ist eine gute Nachricht für die Unternehmen, deren Belastung durch Regulierungsvorschriften in den letzten sechs Jahren stärker zugenommen hat als jemals zuvor. Kleine und mittelgroße Unternehmen haben sich mit Investitionen und Neueinstellungen zurückgehalten, weil sie nicht wussten, wie hoch ihre Kosten in sechs Monaten sein würden. Die nunmehr deutlich wirtschaftsfreundlichere Legislative – ein sechstes Argument – kann diese Belastung wieder abbauen und so zu stärkerem Beschäftigungswachstum beitragen.

Kreditwachstum lässt Unternehmensgewinne sprudeln

Ein weiterer Grund – siebtens – von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung der USA auszugehen, ist das anziehende Kreditwachstum, das sich auch 2015 sehr positiv bemerkbar machen wird. Banken vergeben wieder in bedeutendem Umfang Kredite an Verbraucher und kleine und mittelgroße Unternehmen.

Das ist einer der Gründe, warum die Unternehmensgewinne so kräftig sprudeln. Und auch einer der Gründe, warum der Bankensektor profitieren wird. Das Kreditwachstum sowie die geringen strukturellen Probleme in einem wieder soliden Finanzsystem machen Banktitel attraktiv. Uns gefallen die Regionalbanken, die bei der Kreditvergabe an kleine und mittelgroße Unternehmen sozusagen an vorderster Front stehen. Denn sie sind es, die für reales Wirtschaftswachstum sorgen. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht allein die Geldpolitik ist, auf die man achten sollte: Vergessen wir die Fed. Was wirklich zählt ist das Kreditwachstum.

Ich fürchte die Wende in der Notenbankpolitik nicht. Das Ende des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed wird sich 2015 gar nicht so stark auswirken. Wie ein Blick auf die Zinsterminkurve für zehnjährige US-Treasuries zeigt, sind Zinserhöhungen zwischen 50 und 60 Basispunkten bereits eingepreist.

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