Wevest-Investmentchef Björn Siegismund: „Das Geld bei einer Bank anzulegen hielten wir für keine gute Idee“.

Wevest-Investmentchef zum Wertspeicher-Portfolio

„Als Vorbild dient der Stiftungsfonds der Yale-Universität“

Herr Siegismund, warum ein Wertspeicher-Portfolio, was sind die Hintergründe?

Der Ursprung der Entstehung des Wertspeicher-Portfolios geht auf ein Frage zurück, die mir Anfang 2015 der Vorstand unserer Unternehmensmutter stellte: Wie können wir die liquiden Mittel unserer eigenen Unternehmensgruppe sicher und werterhaltend anlegen? Das Zinsniveau war damals schon extrem niedrig und das Geld einfach bei einer Bank anzulegen hielten wir in Anbetracht der Insolvenzrisiken im Bankensystem und der stark zurückgeschraubten Einlagensicherung für keine gute Idee.

Was haben Sie stattdessen vorgeschlagen? 

Das Geld nicht anzulegen hätte einen sicheren Verlust bedeutet. Denn ein Vermögen von 100.000 Euro verliert aktuell auf dem Festgeldkonto durchschnittlich über 1.500 Euro reale Kaufkraft pro Jahr. Zugleich war mir durch meine über 20-jährige Erfahrung als Portfoliomanager und Vermögensverwalter bewusst, dass es für alle Anlageklassen – unabhängig ob es Aktien, Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen sind – gute und schlechte Marktbedingungen gibt. Und es ist annähernd sicher, dass für jede Anlageklasse zu einem bestimmten Zeitpunkt eine ruinöse Situation eintreten wird. Dominiert diese Anlageklasse das Portfolio, dann zerstört sie es. Das belegen auch alle historischen Daten.

Was bedeutet das für ein Portfolio, das auf den langfristigen Kapitalerhalt ausgerichtet ist?

Es bedeutet, dass ein reines Aktien- und Anleihenportfolio nicht ausreichend diversifiziert ist, um einen langfristigen Kapitalerhalt sicherzustellen. Deshalb ist das Wertspeicher-Portfolio deutlich stärker gestreut und setzt auf zusätzliche Anlageklassen.

Welche Erfahrungen und Anlagetheorien liegen dem Wertspeicher-Portfolio zugrunde?

Seinen Ursprung hat das Wertspeicher-Portfolio noch in meiner Zeit beim BVV, dem Pensionsfonds des Bankgewerbes in Deutschland. Als ich dort 2004 die Verantwortung für das Portfolio übernahm, bestand dieses hauptsächlich aus Aktien- und Anleihen. Das Anlagemanagement von Pensionsfonds und Versorgungswerken zielt grundsätzlich darauf ab, zur Erfüllung der versicherungstechnischen Verpflichtungen eine stabile Verzinsung auf hohem Niveau bei gleichzeitig hoher Sicherheit zu erreichen. Mit dem damaligen passiven Portfolioansatz wurde dieses Ziel allerdings nicht mehr zufriedenstellend erreicht. Die erzielbaren Renditen gingen immer weiter zurück und die Wertschwankungen waren vergleichsweise hoch.

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