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Anleiheexperte im Interview „Wir halten den US-Häusermarkt für interessant“

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Was halten Sie aktuell von Engagements in Immobilien?

Ivascyn: Der Wohnimmobiliensektor zählt schon seit vielen Jahren zu den bevorzugten Sektoren der Anleihestrategie und wir haben das Engagement in diesem Bereich aufgestockt. Aus den Marktschwankungen und mehreren Zwangsverkäufen im März ging der Wohnungsmarkt gestärkt hervor – mit Kurssteigerungen in weiten Teilen der USA und robusten oder stabilen Märkten in anderen entwickelten Ländern.

Das überrascht nicht: Der Sektor musste seit der letzten Finanzkrise strenge Regulierungsvorschriften befolgen. Sowohl die Ratingagenturen als auch die Investoren legen hier ein äußerst konservatives Verhalten an den Tag. Zu Beginn der Pandemie waren die Fundamentaldaten im Wohnungssektor also recht solide. Eigenheime sind durchaus erschwinglich, da die niedrigen Zinsen die Schuldenlast der Darlehensnehmer verringern und die jüngste Kurssteigerung zum Eigenkapitalaufbau beiträgt. Diese Dynamik schafft fundamental günstige Voraussetzungen für eine anhaltend attraktive Wertentwicklung.

Könnten Sie Ihren Ansatz näher erläutern?

Ivascyn: Die meisten unserer immobilienbezogenen Anlagen innerhalb des Anleiheportfolios sind nicht von weiteren Anstiegen der Wohnungspreise abhängig, obwohl diese zweifellos weiter anziehen könnten. Selbst bei einem Rückgang dürften die allgemein hohen Eigenkapitalquoten der Kreditnehmer dem Sektor aber Widerstandsfähigkeit verleihen.

Die meisten Non-Agency-MBS in der Anleihestrategie sind mit Deckungspools aus Krediten hinterlegt, die vor der letzten Finanzkrise vergeben wurden und deren Schuldner bereits beträchtliches Eigenkapital aufgebaut haben. Demnach handelt es sich um gut diversifizierte und bewährte Risikopools. Die überwiegende Mehrheit der Kreditnehmer kommt ihrem Schuldendienst weiter nach.

Inwieweit setzen Sie hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) ein?

Ivascyn: Wir halten Positionen in Agency-MBS, die gegenwärtig eine attraktive Alternative zu Engagements in US-Staatsanleihen mit einem günstigeren Renditeprofil darstellen. Denn obwohl ihre Kapitalflüsse unsicherer sind als jene von Staatsanleihen, profitieren sie von impliziten staatlichen Garantien. US-Agency Mortgage-Backed Securities, die von Ginnie Mae (GNMA) begeben wurden, sind durch die volle Vertrauens- und Kreditwürdigkeit der US-Regierung besichert. Für Wertpapiere, die von Freddie Mac (FHLMC) und Fannie Mae (FNMA) begeben sind, gilt das nicht. Sie bieten aber eine öffentliche Garantie für die fristgerechte Rückzahlung von Kapital und Zinsen.  Außerdem tritt die US-Notenbank vehement als Käufer von Agency-Hypothekenpapieren auf, um Liquidität im System zu halten. Das dürfte sich unserer Einschätzung nach fortsetzen. Unser Portfolioengagement in Agency-Hypothekenanleihen setzt sich nahezu vollständig aus qualitativ hochwertigen Pass-Through-Wertpapieren zusammen.

Sprechen wir über den Markt für Unternehmensanleihen – wo sehen Sie hier Chancen und was beunruhigt Sie?

Ivascyn: Der Sektor für Unternehmensanleihen hat sich merklich erholt, seit die US-Währungshüter den Markt mit reichlich Liquidität fluten. Das bedeutet, dass das allgemeine Beta derzeit weniger interessant ist als noch vor einigen Monaten. Erinnern Sie sich daran, dass die Fundamentaldaten des Sektors zu Beginn des Jahres 2020 relativ schwach waren – infolge von Jahren umfangreicher Kreditvergabe, sich verschlechternden Kreditbedingungen und geringen Anlegerschutzes. In diesem Jahr wurden abermals umfangreiche Kredite vergeben, wodurch sich der Verschuldungsgrad einiger der riskanteren Anwärter noch erhöht hat. In letzter Zeit kam es vermehrt zu Schieflagen und Umstrukturierungen, die mit sehr geringen Verwertungsquoten einhergingen.

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