Lesedauer: 3 Minuten

Zu teuer Deutsche Bank warnt vor Gefahren bei China-Aktien

Smiths Warnungen vor staatlichen Eingriffen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt leiteten einen Stimmungsumschwung bei Geld-Managern ein - weg von staatlich kontrollierten Banken, Rohstoffunternehmen und Industriekonzernen. Investoren stecken stattdessen Geld in Unternehmen aus der Privatwirtschaft des Landes, die vor allem Konsumgüter und Dienstleistungen anbieten. Das hat in diesem Monat die Bewertungen der Unternehmen im MSCI-Inc.-Index für die chinesische Technologieaktien auf das Siebenfache jener für Finanzfirmen anstiegen lassen - der größte Abstand seit dem Jahr 2001. “Es sind eher die hohen Bewertungen im Rest des Marktes als die niedrigen Bewertungen für staatliche Firmen, die ich sehr riskant finde”, sagte Schwellenland-Experte Smith im Interview im Bloomberg News in London. Investoren haben “sich in eine relativ kleine Anzahl von Aktien gedrängt”. Nicht-staatliche Unternehmen wie Tencent Holdings, die größte Internetfirma in Asien, und der Milchpulverproduzent Biostime International Holdings Ltd. haben starke Kursanstiege bei ihren Aktien erlebt. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die Wetten der Investoren darauf, dass die Titel besonders deutlich vom Übergang der Volkswirtschaft hin zu Ausgaben für Konsumgüter und Dienstleistungen profitieren werden. Smith hatte langfristigen Investoren im Dezember 2010 zum Untergewichten von Schwellenländer-Aktien aus Staaten wie China geraten. Er verwies auf Bedenken zu staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft sowie auf eine Konjunkturabkühlung. Seit damals ist der MSCI Emerging Markets Index um rund 13 Prozent zurückgefallen, während der Hang Seng China Enterprises Index sogar 25 Prozent verlor. Zum Vergleich: der MSCI World Index für Industrienationen konnte im selben Zeitraum einen Anstieg von 35 Prozent verzeichnen. Branchenindizes für Rohstofffirmen, Industriekonzerne und Finanzdienstleister im MSCI China Index gaben zwischen 22 und 42 Prozent nach - gleichzeitig ging es bei Technologieaktien um rund 150 Prozent nach oben. Das gleiche Muster lässt sich beim CSI 300 Index für Aktien in Schanghai und Shenzhen sowie beim Hang-Seng-Index ablesen. Im Februar stieg der kombinierte Marktwert von Aktien aus den Bereichen Technologie, Gesundheitswesen, Telekommunikation und Konsumgüter im CSI 300 im Vergleich zum Gesamtindex auf das höchste Niveau seit mindestens 2007. Gleichzeitig fielen Sub- Indizes für Rohstoff- und Energieunternehmen in diesem Monat auf Rekordtiefs zurück. Der Bewertungsunterschied zwischen staatlich kontrollierten und privatwirtschaftlichen Unternehmen ist angesichts einer verschwommenen Trennlinie zwischen den beiden Sektoren zu hoch, sagte Analyst Smith weiter. “In vielen Fällen sind die Unternehmen angeblich privat”, erklärte Smith. “Doch wenn man sie sich genauer ansieht, ist der Staatseinfluss ziemlich groß.” Mit seiner Beobachtung steht der Deutsche-Bank-Mann nicht alleine da. Ähnliches war in dieser Woche ebenfalls in einer Notiz der Analysten Hanfeng Wang, Qiusuo Li und Yutong Hou von China International Capital Corp. zu lesen. “Sektoren, die für die ’alte Wirtschaft’ stehen, haben extrem geringe Bewertungen, wohingegen die Sektoren der ’neuen Wirtschaft’ ihre Bewertungen ausgedehnt haben und stark von institutionellen Investoren gehalten werden”, schrieben sie. Tencent ist die teuerste Aktie im MSCI China Index mit einer Bewertung bei dem 17-fachen der Netto-Aktiva. Dahinter folgen Biostime mit 15 und der Snack-Hersteller Want Want China Holdings Ltd. mit 12. Die staatlich kontrollierten Industrial & Commercial Bank of China und Petro China werden hingegen in etwa auf dem Niveau ihrer Netto-Aktiva gehandelt.
Mehr zum Thema