Andy Kastner

Andy Kastner

„Am Ende zählt einzig und allein das Stockpicking“

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DAS INVESTMENT.com: Sie bilden in Ihrem Fonds Aktien-Paare – den einen Wert kaufen Sie, im anderen gehen Sie short. Das klingt nach der klassischen Hedge-Fonds-Idee, wie sie Alfred Winslow Jones 1949 zum ersten Mal umgesetzt hat.

Andy Kastner:
Die Grundidee ist die gleiche – auch wir wollen eine von Marktbewegungen unabhängige Rendite erzielen. Wir investieren jedoch nicht nur marktneutral, sondern eliminieren weitgehend auch Sektor-, Währungs-, Stil- und Länderrisiken. Am Ende zählt einzig und allein das Stockpicking.

DAS INVESTMENT.com: Wie setzen Sie Ihre Strategie konkret um? Physische Leerverkäufe im Ucits-III-Mantel sind nicht erlaubt.

Kastner: Wir nutzen sogenannte Total Return Swaps. Über einen Swap-Broker bauen wir sowohl Long- als auch Short-Positionen auf, wobei lediglich die Gewinne beziehungsweise Verluste ausgetauscht werden. Der große Vorteil liegt darin, dass das zugrunde liegende Fondskapital stets liquide ist. Wir investieren dieses in sehr kurzfristige, hochwertige Geldmarktanlagen.

DAS INVESTMENT.com:
Wie wählen Sie die einzelnen Paare aus?

Kastner: Wir durchleuchten rund 800 europäische Aktien und erstellen eine auf Fundamentaldaten, Bewertungen und Momentum-Indikatoren basierende Liste der attraktivsten und der unattraktivsten Titel. Danach folgt eine sorgfältige qualitative Analyse: Wie fähig ist das Management des betreffenden Unternehmens, wie steht es mit seiner Innovationskraft und wie ist es am Markt positioniert? Erst danach beginnen wir, jeweils innerhalb einer Branche verschiedene Paare von Aktien zu bilden, die wenig miteinander korrelieren.

DAS INVESTMENT.com:
Haben Sie ein Beispiel?

Kastner: Ein aktuelles Long-Short-Paar ist Renault gegen Peugeot. Renault verfügt im Vergleich über eine bessere Bilanzqualität, erzielt höhere Eigenkapitalrenditen und dürfte von der Beteiligung an Nissan eine Dividendenzahlung erhalten.

DAS INVESTMENT.com: Was machen Sie, wenn sich zwei Aktien genau andersherum entwickeln als von Ihnen erwartet?

Kastner:
Hat sich bei einem der beiden Kandidaten fundamental etwas geändert, überprüfen wir die Situation und veräußern im Zweifel die Long-Short-Position. Glauben wir dagegen, dass die Kursentwicklung wieder drehen wird, halten wir an ihr fest. Spätestens bei einem Verlust von 15 Prozent kommt allerdings ein Stop-Loss zum Tragen.

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