Lesedauer: 6 Minuten

Bit-Capital-Gründer Jan Beckers im Interview „An Ideen und Gelegenheiten mangelt es uns nicht“

Tech-Fondsmanager Jan Beckers
Tech-Fondsmanager Jan Beckers: „Wir verfolgen einige Unternehmen seit mehr als zehn Jahren.“ | Foto: Bit Capital

DAS INVESTMENT: Ihr Fonds Bit Global Internet Leaders taucht seit einiger Zeit regelmäßig in Fonds-Bestenlisten auf. Wie kommt die herausragende Performance zustande?

Jan Beckers: Ich habe mich in den letzten 15 Jahren fortlaufend mit Technologiewerten auseinandergesetzt, als Gründer und Investor. Das gibt uns einen großen Erfahrungsvorsprung vor Investoren, die damit erst in letzter Zeit begonnen haben. Wir haben ein gutes Team aufgebaut, mit Digital- und Aktienmarktverständnis, betreiben Datenanalyse und entwickeln unterstützende Software-Tools. Wenn das noch mit positiven Marktfaktoren und der Unsicherheit der Corona-Krise zusammenkommt – dann haben wir die Chance, besonders gut gegenüber dem Markt abzuschneiden.

Sie haben sich als Start-up-Investor einen Namen gemacht. Es ist kein Selbstläufer, dass das auch einen guten Fondsmanager ergibt.

Beckers: Ich investiere in Aktien, seit ich 15 bin. Schon bevor wir den Fonds aufgesetzt haben, habe ich gesehen, dass viele meiner Prognosen recht genau eingetroffen sind. Einige Muster erkenne ich gut. Das habe ich jetzt mit meiner Passion für Technologie und Unternehmertum kombiniert.

Ein Fondsmanager sollte nicht nur aussichtsreiche Aktien zusammenstellen, sondern auch Risikomanagement betreiben und Sicherheitspuffer bereitstellen.

Beckers: Das ist letzten Endes unsere Kernaufgabe. Die Auswahl aussichtsreicher Technologieunternehmen, aber auch das Verständnis, wie sie sich in einem Portfolio in unterschiedlichen Situationen verhalten. Und den richtigen Mix zur richtigen Zeit zusammenzustellen. Auch unter Berücksichtigung von Makroinformationen, wie etwa dem Zinsniveau.

Haben Sie einen persönlichen Draht zu allen Unternehmen, in die Sie investieren, persönlich – oder lesen Sie vor allem Bilanzen?

Beckers: Wir kennen die Unternehmen normalerweise sehr gut, teilweise verfolgen wir sie seit mehr als zehn Jahren – lange bevor sie an der Börse notiert waren. Wir werten alle möglichen Daten- und Expertenquellen aus, auch Gespräche mit den Unternehmen. Daneben analysieren wir natürlich auch die finanziellen Kennzahlen. Nicht-finanzielle Faktoren finden wir häufig ebenso wichtig. 

Was muss ein Unternehmen mitbringen, um in Ihr Portfolio zu passen?

Beckers: Es sollte sich in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit vervielfachen.

Woran machen Sie diese Prognose fest?

Beckers: Zunächst einmal an dem Markt, in dem sich ein Unternehmen bewegt. Außerdem an der relativen Position zum Wettbewerb und der Stärke der Technologie. Wir beobachten auch das Management und testen die Produkte. Wir sprechen aber nicht über alles öffentlich.

Wo finden Sie die meisten spannenden Unternehmen?

Beckers: Ein Großteil der Marktkapitalisierung liegt bislang in den USA und China. Zunehmend werden auch Südostasien oder Lateinamerika interessant. Auch Europa hat inzwischen einige spannende Technologieunternehmen.

Viele Schwellenmärkte, gerade der chinesische Binnenmarkt, gelten Investoren als unübersichtlich. Filtern Sie auch dort nach Unternehmen?

Beckers: Es bedarf spezialisierter Fondsmanager, die nichts anderes machen als sich mit den Themen zu beschäftigen.

Andere Fondsanbieter suchen sich dann häufig die Expertise Dritter direkt vor Ort.

Beckers: Das stimmt und kann auch seine Berechtigung haben. Aber im Technologiemarkt ist es wichtiger, die Technologie und die Gemeinsamkeiten der Unternehmen zu verstehen. Eine klassische deutsche Bank hat mit Trade Republic viel weniger gemein als Online-Broker untereinander, egal ob sie in Deutschland, Russland, den USA oder China sitzen.

Halten Sie speziell nach kleineren Unternehmen Ausschau?

Beckers: Wir sehen vor allem nach Unternehmen, die sich in den kommenden Jahren vervielfachen können. Naturgemäß findet man die eher dort, wo Unternehmen mit 5 Milliarden Euro bewertet sind, als dort, wo sie mit 500 Milliarden bewertet sind. Wir schließen aber kein Unternehmen aus, weil es zu groß ist.

Mehr zum Thema