EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Gespräch mit Politikern Foto: Getty Images

Anleihe-Experten im Gespräch

Wie es 2020 an den Rentenmärkten weitergeht

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DAS INVESTMENT: Haben Sie 2019 für Ihre Kunden an den Rentenmärkten Geld verdient?

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer von Berlin Portfolio Management (BPM).

Uwe Günther: Absolut. Es war ein wunderbares Rentenjahr. Auch weil wir uns gegen die Massenmeinung für bestimmte Staatsanleihen entschieden und den Zinstrend der langen Zinsen richtig antizipiert haben.

Michael Wittek: 2019 war auch für uns sehr erfolgreich. Durch die deutlich gefallenen Zinsen konnten wir im Bereich der sicheren Anlagen mit zum Beispiel Pfandbriefen gute Renditen erzielen. Aber auch Unternehmensanleihen verzeichneten hohe Kursgewinne

Marco Herrmann: Trotz bereits niedriger Renditen sind diese 2019 weiter zum Teil sogar kräftig gefallen. Dadurch ließ sich mit Anleihen eine überraschend gute Performance erzielen. Je nach Ausrichtung der Mandate liegen die erzielten Renditen im mittleren bis hohen einstelligen Prozent-Bereich.

Zumindest hat sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von ihrem Tief bei minus 0,7 Prozent wieder etwas erholt. Geht es 2020 weiter nach oben?

Marco Herrmann ist seit 1992 für Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Fiduka.

Herrmann: Einem großen Schuldenberg, der finanziert werden möchte, stehen noch größere Geldvermögen gegenüber. Hinzu kommt die Geldschwemme der Notenbanken. Solange die Inflation moderat bleibt, wird es auch nicht zu spürbar steigenden Renditen an den Anleihenmärkten kommen.

Wittek: Wir halten es durchaus für möglich, dass die Renditen 2020 sich wieder in den positiven Bereich bewegen könnten. Aber eine deutliche Zinssteigerung erwarten wir nicht.

In den USA rentieren Staatsanleihen immerhin mit rund 1,9 Prozent. Lohnt es sich, dorthin auszuweichen?

Michael Wittek ist Leiter Portfoliomanagement bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung.

Wittek: US-Anleihen eignen sich als Beimischung. Man sollte nur zu bedenken geben, dass der Zinsvorteil schnell durch einen leicht schwächeren US-Dollar wieder dahin sein kann.

Günther: Ausweichen? Nach Währungssicherung ist für Investoren aus dem Euroraum auch hier die Rendite negativ. Dennoch: Dank nominaler Ausfallsicherheit kann die US-Staatsanleihe in bestimmten Fällen und als System-Hedge ganz stark auftrumpfen. Wir bleiben investiert.  

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