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Hans Peter Portner, Manager des Pictet Water

Hans Peter Portner, Manager des Pictet Water

Blaues Gold: Der Sturm im Wasserglas

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DAS INVESTMENT.com: Herr Portner, China kämpft mit der schlimmsten Dürre seit fünf Jahrzehnten. Ist der dürstende Drache der Vorbote einer globalen Wasserkrise? Hans Peter Portner: Nein, es wird keine Wasserkrise geben. Die Trockenheit in China kommt nicht überraschend. Das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte war und ist nicht ökologisch. Es wurde nicht genug in die entsprechende Infrastruktur investiert, vor allem im Bereich der Wasserreinigung. Es gibt zwar genug Wasser in China, aber nicht in der richtigen Form und am richtigen Ort. Die Regierung hat das Problem aber längst erkannt und hat vor allem im Bereich der Wiederaufbereitung von Abwasser investiert. DAS INVESTMENT.com: Das hört sich nach einer guten Investment-Story an. Warum sind Sie mit dem Pictet Water nicht in China dabei? Portner: Eine Investition in China können wir nicht mit unseren Corporate-Governance-Regeln vereinbaren. Die Unternehmen dort sind zu intransparent. Wir haben darum den indirekten Weg über die großen internationalen Wasserfirmen wie die französische Suez gewählt. Sie erwirtschaften im Schnitt 3 bis 5 Prozent ihres Umsatzes in China. DAS INVESTMENT.com: Wie profitieren diese Firmen von der Wasserknappheit? Portner: Unsere These ist wie folgt: Derzeit wird noch zu wenig im Wasserbereich investiert, weil der Preis für Wasser die Kosten der Bereitstellung nicht ausreichend reflektiert. Die Verknappung sorgt dafür, dass der Preis steigt, im Schnitt um 5 bis 10 Prozent pro Jahr. Je teurer das blaue Gold, desto attraktiver wird es zu investieren. Je mehr Investitionen, desto höher die Einnahmen und damit Gewinne der Wasserfirmen. Eines möchte ich allerdings noch feststellen: Wir sind nicht die Profiteure des Problems, wir wollen zu dessen Lösung beitragen. DAS INVESTMENT.com: Der Markt steht also vor einem riesigen Investitionszyklus. Wann zieht die Performance des Pictet Water denn mit? 2008 hat sich der Verlust mit 34 Prozent gewaschen. Portner: Da schwingt natürlich auch die Börsenpsychologie mit. Das Problem dabei ist, dass viele internationale Wassergesellschaften langfristige Verträge abgeschlossen haben, deren Erträge also nicht sofort in die Bilanzen gespült werden. Anleger bewerten die Unternehmen in Krisenzeiten aber basierend auf den Gewinnen der kommenden zwei Jahre und sind nicht bereit, die langfristig positiven Perspektiven in den Aktienkurs einzupreisen. Das Glas ist darum halb leer – eine gute Einstiegschance für Anleger. DAS INVESTMENT.com: Warum steigen die Kurse der Wasseraktien nicht stärker? Portner: Das ist ein sehr langfristiger Prozess. Man wartet ab, bis alles kaputt ist und investiert erst dann. Dass kann durchaus noch ein bisschen dauern. Wasserfonds sind darum nicht für kurzfristig orientierte Anleger geeignet. Langfristig sind sie ähnlich wie Gold aber eine sichere Bank. Schließlich ist Wasser nicht substituierbar. DAS INVESTMENT.com: Allein um ein Auto herzustellen braucht man 450.000 Liter Wasser, für ein Kilo Rindfleisch sind 5.700 Liter nötig. Essen Sie noch Fleisch und fahren Sie Auto? Portner: Ja, selbstverständlich. Wenn Sie so argumentieren, dürften Sie auch nur noch Trockentoiletten benutzen, schließlich spülen sie hier allein 25 Liter pro Tag den Bach runter. Doch genau das ist ja unser Investment-Thema: Würde man das nötige Wasser aus Abwasser produzieren, wäre das alles kein Problem und durchaus nachhaltig. Deshalb wollen wir das fördern.


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