Stefan Böttcher von Charlemagne Capital managt den neu aufgelegten Iran-Fonds von Charlemagne und Turquoise Partners.

Stefan Böttcher von Charlemagne Capital managt den neu aufgelegten Iran-Fonds von Charlemagne und Turquoise Partners.

Charlemagne-Capital-Fondsmanager Stefan Böttcher

Diese Investmentchancen bietet der Iran

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Charlemagne Capital und Turquoise Partners haben zusammen einen Iran-Fonds aufgelegt. Sie glauben, dass der Iran eine der besten Emerging-Markets-Investmentideen der heutigen Zeit ist. Mit einer Bevölkerung von 81 Millionen Iranern, mit den höchsten Öl- und Gasreserven der Welt, einer hochgebildeten Bevölkerung, einer extrem gut und breit aufgestellten Wirtschaft und einer hoch entwickelten Börse sowie einer starken Regulierung ist Iran höchst interessant und investierbar.

Mit den Fortschritten bei den Atomverhandlungen und der einhergehenden Beendigung der Sanktionen hat der Iran das Potenzial, für viele Jahre mit 6 bis 8 Prozent jährlich zu wachsen.

Von den vielen Emerging und Frontier-Markets, die ich besucht habe, war Iran zweifelsfrei das Land mit der größten Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität. Teheran hat 20 Millionen Einwohner. Außer den obligatorischen Kopftüchern (halb zurück getragen auf dem Kopf als Zeichen einer liberaleren Einstellung) habe ich kaum jemanden in traditioneller Kleidung oder gar einer Burka gesehen.

Boomendes Teheran

Die Menschen im Iran sind sehr offen und extrem gastfreundlich. Teheran hat sehr viele westliche Restaurants (nicht einfach, einen Tisch zu bekommen), jede erdenkliche Art von Luxusläden, eine sehr gute Infrastruktur - der Flughafen ist Weltspitze und gerade einmal zehn Jahre alt, die Straßen sind hervorragend - sowie unglaublich viele Baustellen. Obwohl der Iran das meistsanktionierte Land der Welt ist, boomt Teheran.

Mit dem Aufheben der Sanktionen wird das Potenzial des Landes riesig sein. Das Wachstum des Brutto-Inlands-Produktes könnte sehr leicht in kürzester Zeit von derzeit 0 bis 1 Prozent auf 7 Prozent springen. Eine Bevölkerung von 77 Millionen Menschen mit einer günstigen Demographie ist ohne Zweifel äußerst attraktiv für ausländische Direktinvestitionen.

Der Iran ist zu  90 Prozent autark bezüglich der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern. Auch die Exportmöglichkeiten sind riesig.

Volkswirtschaftliche Highlights
  • 17- größte Volkswirtschaft nach PPP (Purchasing Power Parity) und nach Bevölkerung. In der Region überrundet nur die Türkei den Iran. 2012 betrug das BIP pro Kopf 13.000 US-Dollar.
  • Die weltgrößten Energiereserven, gleichmäßig verteilt auf Öl und Gas
  • Eine breit diversifzierte Wirtschaft. Öl beträgt nur 18 Prozent des BIP (in Saudi Arabien sind es über 50 Prozent). Die Wirtschaft teilt sich in 51 Prozent Dienstleistungen, 12 Prozent Landwirtschaft und 19 Prozent Industrie.
Börse

Die Teheraner Börse wurde 1967 gegründet. Momentan gibt es 502 gelistete Unternehmen, davon 316 an der „Haupt-Börse“. Die Marktkapitalisierung beträgt 160 Milliarden US-Dollar mit täglichen Umsätzen von 120 Millionen Dollar. Es gibt vier verschiedene Börsen im Iran:
  1. Tehran Stock Exchange
  2. Farabourse- Ähnlich zu AIM / beinhaltet den OTC Markt
  3. Mercantile exchange for commodities
  4. Energy exchange
Die Börsenkommission beträgt inklusive Steuern 0,5 Prozent beim Kauf und 1 Prozent beim Verkauf. Die Brokergebühren haben eine Obergrenze von 6.000 US-Dollar. Die Livedaten sind für jedermann frei zugänglich. Der Handel ist elektronisch. Die Trading-Plattform wurde von Euronext gekauft. Gerade wurde ein nochmals verbessertes elektronisches Handelssystem eingeführt, das Fehlschläge bei Trades verhindert und schnellere Trades, Echzeit-Daten und Online-Handel ermöglicht.

Dividenden und Zinsen steuerfrei

Die Börse ist Plattform für die vielen anstehenden Privatisierungen: Insgesamt 119 Milliarden US-Dollar Privatisierungs-Volumen sind seit 2006 zu verzeichnen. In den letzten acht Jahren sind 871 Börsengänge erfolgt. Kursgewinne, Dividenden und Zinsen auf Anleihen sind steuerfrei.

Es gibt sehr strikte Berichtsanforderungen für die Unternehmen an der Teheraner Börse. Unternehmen müssen Ihre Gewinn und Verluste für ein Jahr im Voraus schätzen und die Schätzung quartalsweise anpassen. Bei 10-prozentigen Abweichung muss eine Meldung erfolgen. Durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Markt ist 4,9 mit einer Dividendenrendite von 15,3 Prozent.

Verwahrung und Ausführung

Momentan ist es nicht möglich, Gelder in das Land und aus dem Land über normale Bank-Kanäle zu transferieren. Die Banksanktionen bedeuteten, dass keine westliche Bank Überweisungen an eine inländische iranische Bank ausführt.

Der einzige Weg Geld ins Land zu bekommen ist über eine Wechselstube. Diese funktionieren sehr ähnlich wie Western Union: Man zahlt auf einem Konto Geld ein und das Geld erscheint auf einem Konto in dem Zielland in Landeswährung. Das haben die Wechselstuben schon vor den Sanktionen gemacht und auch jetzt werden sie das wieder anbieten. Es gibt immer noch viele dieser Wechselstuben und auch das Risiko, mit Ihnen das Geld zu wechseln, ist deutlich geringer als gedacht. Sie sind außerdem von der Zentralbank in Teheran lizensiert.

Die Aufbewahrung für die Teheran Stock Exchange erfordert ein Konto bei der zentralen Verwahrungsstelle, wo alle Aktien gehalten werden. Jeder Depotbesitzer besitzt seine eigene personalisierte Nummer, Unterverwahrung ist nicht möglich. Die Ausführung dauert T+3 und es gibt einen Entschädigungsfonds für gescheiterte Trades.

Der Markt in Teheran hat insgesamt eine hohe Dividendenrendite - Unternehmen leiten die Dividende nicht immer direkt an den Investor weiter, viele zahlen die Dividende per Scheck. Um die Dividende zuverlässig zu erhalten, sollte man einen Broker vor Ort einbinden, der dafür die nötigen Vollmachten braucht.

Nach Ende der Sanktionen

Momentan sind die Barrieren, um im Iran zu investieren, ziemlich groß. Doch auch mit dem Ende der Sanktionen wird die Einrichtung und das laufenden Depotmanagement sehr schwer werden.
Die Einrichtung sollte das Aufsetzen eines Depots, die Einrichtung eines Bankkontos für die Dividenden, die Einrichtung eines Kontos bei der zentralen Verwahrstelle und die Einstellung eines lokalen Handlunsgbevollmächtigten für das Bankkonto umfassen. Das zusammen dauert etwa drei Monate. Damit ist ein Direktinvestment zwar möglich, doch die fehlende Option eines Unterdepots wird vermutlich viele ausländische Investoren von einem Direkt-Investment abhalten.