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China Mysteriöses Gemenge unter den Schwellenländern

Marc-Oliver Lux von Lux & Präuner in München
Marc-Oliver Lux von Lux & Präuner in München
Für Pimco-Investmentchef William Hunt Gross ist das tatsächliche Wirtschaftswachstum in China eines der größten Fragezeichen in den Schwellenländern und stellt das größte Risiko für die Märkte dar.

Viele andere Experten sind wiederum ganz anderer Meinung. Die Unsicherheit über das Wachstum in China vergrößert die Unruhe unter den Investoren und treibt die Nachfrage nach besonders sicheren Anlagen nach oben, so Bill Gross, Co-Investment-Chef und Mitbegründer der Allianz-Anleihentochter Pimco.

China ist die letzte Unbekannte im Bereich Schwellenmärkte. Ob das Wirtschaftswachstum dort sechs Prozent beträgt oder sieben oder fünf, ist unklar. Gross betrachtet das Land als mysteriöses Gemenge unter den Schwellenländern. Niemand weiß genau, was da abgeht – und dies ist ein Risikofaktor.

Man wird sich wohl im Laufe des Jahres Gedanken machen müssen, was die potenziellen Probleme in China und anderen Schwellenländern angeht, so Gross. Im Gegensatz zu Gross schätzt laut eines Emerging-Market-Sentiment-Indikators des britischen Fondsanalysehauses citywire die Mehrheit der Fondsmanager die Aussichten für China nicht so pessimistisch ein – im Gegenteil: Über 40 Prozent planen in den nächsten sechs Monaten, die China-Allokation zu erhöhen.

Über 60 Prozent erwarten, dass chinesische Aktien in den kommenden zwölf Monaten den breiten Markt outperformen. Die Hauptsorge der Marktteilnehmer gilt einer zu starken Verlangsamung der chinesischen Wirtschaftsentwicklung.

Viele Exzesse in der Vergangenheit haben die chinesische Regierung mittlerweile auf Konsolidierung einschwenken lassen. Als kritische Marke wird sieben Prozent Wirtschaftswachstum gesehen. Zumindest für dieses Jahr ist die Hoffnung groß, dass China verhindern kann, dass das Wirtschaftswachstum darunter fällt.

Prinzipiell verfügt die chinesische Politik über den Spielraum und das Instrumentarium zur Stimulierung der Wirtschaft für den Fall, dass sie zu stark abkühlt.

Die Kapitalausstattung des Bankensystems scheint gut genug, um die aktuellen Schwierigkeiten zu meistern. Letztendlich könnten die Reformen, sofern sie fortgesetzt werden, mittelfristig sogar wieder bessere Investmentchancen in China eröffnen.

Unsere Einschätzung: Wie immer gehen die Expertenmeinungen auseinander. Jeder Anleger wird sich das herauspicken, was ihm im Hinblick auf seine Marktmeinung und Positionierung am besten passt.

Sicherlich spielt China heutzutage eine wichtigere Rolle in der Weltwirtschaft als vor 20 Jahren – als Produktionsstandort für Konsumgüter, als Absatzmarkt für Industriegüter und Automobile, als Nachfrager von Rohstoffen und Agrargütern.

Doch die Welt geht nicht gleich unter, wenn der berühmte Sack Reis in China umfällt. Für die Wertpapiermärkte hat die wirtschaftliche Entwicklung der USA eine viel größere Bedeutung. Insofern bleibt China eine von mehreren Investmentalternativen – nicht mehr und nicht weniger.

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