Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain, Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, auf einer Pressekonferenz: Das Geldhaus ist die bisher einzige deutsche Bank, die eine Coco-Anleihe auflegte (Foto: Bloomberg)

Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain, Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, auf einer Pressekonferenz: Das Geldhaus ist die bisher einzige deutsche Bank, die eine Coco-Anleihe auflegte (Foto: Bloomberg)

Coco-Bonds

Wie eine neue Anleiheklasse zum Segen für Banken wird

Die Erfindung der Stunde heißt Coco-Anleihe. Coco steht für Contingent Convertible – zu Deutsch etwa: bedingt wandelbar. Und Coco-Anleihen könnten sich zu einem wahren Segen für die Finanzbranche entwickeln.

Denn geht es einer Bank schlecht, wandelt sich ein Coco automatisch von einem Kredit in hartes Eigenkapital um und stärkt so die Finanzdecke. Anleger beteiligen sich an Verlusten, der Staat kann sich noch eine Weile raushalten.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die die neue Bankenrichtlinie Basel III ausgebrütet hat, dürfte das gern sehen. Maßstab für das alles ist das haftende Eigenkapital einer Bank, das im Wesentlichen aus Aktienkapital und Rücklagen besteht.

Es muss laut Basel III im Jahr 2014 mindestens 5,5 Prozent der sogenannten risikogewichteten Aktiva ausmachen. Das ist das Vermögen der Bank, gewichtet nach seinem Risiko. Hierzu gehören auch Kredite oder Aktien im eigenen Besitz.

Im kommenden Jahr steigt die Mindestquote fürs Eigenkapital auf 6 Prozent. Die Wandelschwelle für eine Coco-Anleihe liegt bei mindestens 5,125 Prozent. Sinkt das haftende Eigenkapital durch Unternehmensverluste unter diese Schwelle, wird die Coco-Anleihe zum Aktienkapital.

Der Anleger wird seine Anleihe los und bekommt Aktien. Die Bank braucht keine Zinsen mehr zu zahlen, die ihren Gewinn zusätzlich drücken würden, sondern bedient die neuen Aktionäre per Dividende. Und die kann ja auch mal ausfallen.

Aber auch andere Varianten sind möglich. So kann die Wandelschwelle auch höher liegen. Dann muss die Bank aber höhere Zinsen zahlen, weil das Wandelrisiko für den Anleger steigt.

Ebenso ist denkbar, dass sich die Anleihe gar nicht wandelt, sondern einfach verfällt. Und selbst das muss nicht endgültig sein. Manche Cocos kommen sogar zurück, sobald die Bank wieder in sicherem Fahrwasser ist. Alles eine Frage der Absprache.

Portugal-Krise bremst den Markt

Der Markt wächst. Michael Hünseler schätzt das bisher ausgegebene Coco-Volumen auf 65 Milliarden Euro. „Allein die Hälfte davon kam in diesem Jahr auf den Markt“, so der Chef des Anleihemanagements bei der Münchner Boutique Assénagon.

In Deutschland ist bisher nur die Deutsche Bank mit Cocos unterwegs, mit 3,5 Milliarden Euro. Andere wollen folgen, trauen sich aber derzeit nicht. Anleger sind wegen der aktuellen Bankenkrise in Portugal verschnupft und nehmen andere Geldhäuser in Sippenhaft.

Dabei bieten Cocos eine gute Alternative für mager verzinste Unternehmensanleihen. Laut Hünseler sind Renditeaufschläge von 5 bis 6 Prozentpunkten an der Tagesordnung.

„Eine spanische Bank kam sogar mit einem Zinskupon von 11,5 Prozent und einer Rendite von 8 bis 10 Prozent über Staatsanleihen auf den Markt“, sagt der Assénagon-Manager, der in seinem Fonds Subdebt and Coco (WKN: A1W75B) rund 50 Prozent Coco-Anleihen hält.

Zugegriffen hat er bei diesem Spanier trotzdem nicht: „Es war uns zu heiß.“ Damit spricht er die wichtigste Regel für Coco-Anleihen an: Investoren sollten sich niemals von hohen Renditen blenden lassen. Stattdessen müssen sie das Kleingedruckte lesen und die Emittenten prüfen.

So sagt denn auch Ariel Bezalel, Star-Rentenmanager von Jupiter Asset Management, sehr treffend: „Auch wenn dieses Wachstum begrüßenswert ist, fassen wir den Markt nur mit Samthandschuhen an.“

Erst hoch hinaus, dann schnell hinab

Coco-Anleihen im direkten Vergleich zu globalen Unternehmensanleihen. Nach kräftiger Nachfrage im Frühjahr folgte die Bankkrise in Portugal, die die Coco-Kurse einbrechen ließ.


Quelle: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch

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