Christian Machts im Interview „Anleger brauchen wieder Alpha-Quellen“

Christian Machts leitet seit April 2013 das Privatkundengeschäft von BlackRock in Deutschland, Österreich und Osteuropa. | © Piotr Banczerowski

Christian Machts leitet seit April 2013 das Privatkundengeschäft von BlackRock in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Foto: Piotr Banczerowski

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DAS INVESTMENT: Im Juni dieses Jahres hat BlackRock die Advantage-Serie in Deutschland gestartet. Warum gerade jetzt eine neue Aktienfondsfamilie?

Christian Machts: Weil der Markt kostengünstigere aktive Publikumsfonds braucht. Dies ist getrieben durch Mifid II, aber auch durch den Marktzyklus. In der Spätphase eines Zyklus, in der wir uns mittlerweile befinden, ist das klassische Marktbeta nicht mehr der Haupttreiber der Performance. Anleger brauchen wieder Alpha-Quellen für ihr Portfolio. Mit den Advantage-Fonds bieten wir eine solche Quelle, und zwar zu einem attraktiven Preis: Die laufenden Kosten bewegen sich zwischen 0,3 und 0,6 Prozent pro Jahr.

Wie kann BlackRock so vergleichsweise niedrige Kosten darstellen?

Vor allem durch den Einsatz neuer Technologien und den Informationsvorsprung daraus. Die Fonds verfolgen einen systematischen, quantitativen Ansatz, der extrem viele Daten verarbeitet. Für die Advantage-Serie sind es drei Terabyte jeden Tag. Das sind einerseits klassische Daten wie Unternehmensberichte. Wir zapfen aber auch andere Quellen an wie Bewegungsdaten, Satellitenbilder oder jede Form von Social Media. Die Signale aus diesen Daten gilt es, richtig zu interpretieren und in Anlageentscheidungen umzusetzen. Das BlackRock-Team hat 35 Jahre Erfahrung im Umgang mit großen Datenmengen und der Nutzung solcher Signale. Und unser Strategic Alpha Equity Team verwaltet rund 110 Milliarden Euro. Daher helfen auch Skaleneffekte, die Kosten niedrig zu halten.

Wie groß ist der Einfluss neuer Datenquellen im Vergleich zu den klassischen Quellen?

Sie sind eine wichtige Ergänzung. Es geht darum, verschiedene Informationsquellen für eine Unternehmensbewertung zu nutzen. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, zusätzliche Datenquellen zu finden, diese auf Validität zu prüfen und zu entscheiden, ob sie einen Mehrwert fürs Portfolio liefern können.

Werden diese alternativen Quellen künftigzum Standard für Anlageentscheidungen?

Die Rolle des Fondsmanagers wird sich massiv ändern. Es geht darum, Informationen früh zu bekommen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es wird sicherlich mehr und mehr Strategien geben, die rein auf Datensignalen aufgesetzt sind. Aber auch heute schon kann es sich ein Fonds manager nicht leisten, soziale Medien komplett zu ignorieren. Ein Post zu einem Unternehmen auf einer sozialen Plattform kann enorme Wirkung auf den Aktienkurs haben.

Sind geringe Fondskosten denn tatsächlich so wichtig, oder zählt letztlich doch nur die Performance?

Ich bin überzeugt, dass der Preis sehr viel massiver die Entscheidung für oder gegen ein Produkt beeinflussen wird als jemals zuvor. Der Trend hin zu ETFs in den vergangenen zehn Jahren ist im Wesentlichen eine Kostenentscheidung. Mit zunehmender Kostentransparenz, und da ist Mifid II nur der Anfang, ist der Preis ein entscheidender Faktor. Statistiken zeigen, dass der Preis schon heute bei über 75 Prozent der Produktentscheidungen eines der zwei wesentlichen Entscheidungskriterien ist.